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OT: Zum Thema "Auto"
(zu alt für eine Antwort)
Arno Welzel
2021-10-13 10:38:40 UTC
Permalink
Jan Böhmermann zum Thema "Auto":


--
Arno Welzel
https://arnowelzel.de
Wolfgang Strobl
2021-10-13 17:47:51 UTC
Permalink
Am Wed, 13 Oct 2021 12:38:40 +0200 schrieb Arno Welzel
Post by Arno Welzel
http://youtu.be/ybTHWzmlw70
Gewiss nicht nur zum Thema Auto, wie an dem Refrain des etwas bemüht als
Gassenhauer inszenierten Liedes erkennbar, mit dem das Publikum da
gequält wird.

Schon etwas älter, nämlich vom 17.9.21, und offenbar mehrfach nach YT
hochgeladen. Da das an anderer Stelle auf begeisterte Zustimmung stieß,
habe ich es mir angeschaut und dann meinen Senf dazu gegeben. Ingesamt
finde ich solche Sendungen schwer erträglich.

<https://www.mystrobl.de/ws/pluspora/plainpostings/20211006t1156-schuster_bleib_bei_deinem_leisten.html>

### Schuster, bleib bei deinem Leisten!

[Jan Böhmermann - "Warum hört der Fahrradweg einfach hier auf?" | ZDF
Magazin



Prädikat "kindisch und peinlich". :(

Aufgeklärte, zügig Rad Fahrende schreiben Radweg natürlich getrennt:
**Rad weg**. Und fahren Fahrbahn. Die ersten zehn Minuten des Videos
mögen ja ganz nett sein, wenn einem Verkehrspolitik Neuland ist, aber
mehr und mehr drängt sich der Gedanke auf: Schuster, bleib' bei deinem
Leisten. Und schönen Dank auch, ich möchte als tatsächlich Rad
Fahrender nicht immer wieder für eine Politik "Gegen das Auto" (21:18)
vorgeschoben werden. Gibt es da wirklich keine besseren Gründe und
Verbündete?

Diese Politik findet in der Realität nicht statt. Wer mit dem Rad im
Berufsverkehr zur Arbeit fuhr, merkte die Folgen von Hetzartikeln gegen
Radfahrer im örtlichen Käseblatt am nächsten Tag ziemlich handfest auf
der Straße. Videos wie dieses, mit solchen Parolen und Melodien, die
sich in den letzten vierzig Jahren kaum änderten, haben leider eine
ähnliche Wirkung.

Wer Rad fährt und vernünftig fährt, ist auf Kooperation _aller_
Verkehrsteilnehmer angewiesen und kooperiert auch selber. Da sind
solche Sendungen nicht hilfreich, absolut nicht. Herrn oder Frau "Ich
würd' ja auch Rad fahren, wenn ..." mögen sie in die richtige Stimmung
versetzen und ihnen die passenden Ausreden liefern, _nicht_ Rad zu
fahren, aber sie helfen weder denen, die schon Rad fahren, noch denen,
die einer Motivation bedürften. Im Gegenteil, sie schrecken ab.

"Wozu braucht man Fahrradwege? Auf dem Land??"

Gute Frage, Herr Böhmermann. Kurz zurückgespult, da war doch was?
Richtig: früher spielten Kinder auf der Straße, dann wurden sie im Zuge
der Massenmotorisierung auf Spielplätze verdrängt, die dann "zur
Sicherheit" eingezäunt und vergittert wurden. Heute können wir das
auch, wir nennen es PBL, "protected bike lane". Wegsperren, Schlüssel
wegwerfen. Aus den Augen, aus dem Sinn.

Abgesehen davon: warum wird eigentlich immer die Karte "Denkt denn
keiner an die Kinder??!?" ausgespielt, wenn von Rad Fahrenden die Rede
ist? Böhmermann übernimmt hier eins zu eins das Konzept einer
Autolobby, die in Rad fahrenden Verkehrsteilnehmern einen Feind sieht,
den es zu bagatellisieren, zu infantilisieren und durch Umarmung zu
erdrücken gilt. Kein Wunder, dass sich Verkehrsminister Andi B.
Scheuert so gut sowohl mit ADAC als auch ADFC versteht und es erstaunt
auch kaum, welchen politischen Weg der Erfinder der sog. "Radentscheide"
genommen hat.

Es gibt durchaus umsetzbare Gegenentwürfe zum Konzept der Verdrängung
des Radverkehrs an die Straßenränder. Ich nehme mal eine anfangs
zitierte Parole von Herrn Kretschmann auf: "Stimulieren nicht
strangulieren". Was hieße das für den Radverkehr?

- "Wir schaffen explizite und implizite Benutzungspflichten
straßenbegleitender Radwege ersatzlos ab"

- "Radfahrverbote auf Straßen, die nicht Kraftfahrzeugstrassen oder
Autobahn sind, werden abgebaut"

- "Radfahren auf den vorhandenen, nicht aufgeteilten Fahrbahnen wird
innerorts wie außerhalb geschlossener Ortschaften ohne Einschränkung
erlaubt _und_ gefördert"

- "Insbesondere wird darauf verzichtet, dies von Bedingungen wie
Radwegen, -streifen oder sonstigen Sondermarkierungen abhängig zu
machen"

- "Auf mit öffentlichem Geld finanzierte Kampagnen, die Furcht vor dem
Radfahren schüren, wird verzichtet, stattdessen wird mit guten
Vorbildern für Fahrbahnfahren geworben und gleichzeitig vorgeführt und
erklärt, an welche geschriebenen und ungeschriebenen Regeln man sich
beim Radfahren hält und wie man effektiv Rad fährt - hier besteht
durchaus Aufklärungsbedarf, heute mehr denn je"

Dies sind einfach umzusetzende Maßnahmen, sie kosten wenig, sie nützen
denen viel, die tatsächlich Rad fahren, auch unter Bedingungen, unter
denen andere nur davon reden und sie produzieren gute Vorbilder, statt
abzuschrecken.
--
Wir danken für die Beachtung aller Sicherheitsbestimmungen
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