Discussion:
Angebotsstreifen Außerorts, Panorma 3, N3, 28.08.
(zu alt für eine Antwort)
Olaf Schultz
2018-08-28 18:23:31 UTC
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Moin,
nur in der Vorschau gesehen, daß Panomra 3 heute abend auch einen
Beitrag zu Angebotsstreifen außerorts hat.

Bingoscheine ausfüllen?

Viele Grüße,

Olaf
Sascha Dungs
2018-09-03 18:14:01 UTC
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Post by Olaf Schultz
nur in der Vorschau gesehen, daß Panomra 3 heute abend auch einen
Beitrag zu Angebotsstreifen außerorts hat.
Ich fand es nicht so schlimm wie erwartet. Aber was heisst das schon...

Es ist schon irgendwie lustig: da werden Angebotsstreifen außerorts
angelegt und im Zuge dieser Maßnahme wird das Tempolimit von 100 auf 70
oder gar 50 gesenkt. Und dann wird ein gemessener Unfallrückgang den
Angebotsstreifen zugeschrieben. Klar, kann man so machen...

Und schön auch, wie dann am Ende des Beitrags die Radfahrer nach
Entfernung der Streifen dann sofort wieder am äußersten rechten Rand der
Fahrspur fuhren. Klar, dass die dann ständig knapp überholt werden...
--
Gruß, Sascha
Michael Heydenbluth
2018-09-03 19:51:25 UTC
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Post by Sascha Dungs
Post by Olaf Schultz
nur in der Vorschau gesehen, daß Panomra 3 heute abend auch einen
Beitrag zu Angebotsstreifen außerorts hat.
Ich fand es nicht so schlimm wie erwartet. Aber was heisst das schon...
Ich auch nicht. Aber 2 Fehlinformationen verbreitet der Beitrag:

1. Der interviewte Landrat behauptet, nur das Bundesverkehrsministerium
könne Änderungen der StVO veranlassen. Das ist schlichtweg falsch: Der
Bundesrat kann das auch. Anscheinend fehlt also auch seitens der Länder
der Wille der Einführung solcher Streifen. Was Wunder: Sie müßten ja die
Pinseleien auf Landesstraßen bezahlen.

2. Das 2. wird zwar nicht wirklich behauptet, aber suggeriert: Es klingt
durch, nur bei Streifen könne man Geschwindigkeitsbeschränkungen
anordnen, und bei fehlenden Streifen müßten die Behörden leider bei 100
km/h bleiben. Hingegen erlauben bzw empfehlen die
Verwaltungsvorschriften den Behörden, an Straßen, an denen Radfahrer eng
überholt werden, die Geschwindigkeit zu begrenzen ("wo Fußgänger oder
Radfahrer im Längs- oder Querverkehr in besonderer Weise gefährdet sind;
die zulässige Höchstgeschwindigkeit soll auf diesen Abschnitten in der
Regel 70 km/h nicht übersteigen.").
Markus Luft
2018-09-05 14:21:39 UTC
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Post by Michael Heydenbluth
Post by Sascha Dungs
Post by Olaf Schultz
nur in der Vorschau gesehen, daß Panomra 3 heute abend auch einen
Beitrag zu Angebotsstreifen außerorts hat.
Ich fand es nicht so schlimm wie erwartet. Aber was heisst das schon...
[...]
2. Das 2. wird zwar nicht wirklich behauptet, aber suggeriert: Es klingt
durch, nur bei Streifen könne man Geschwindigkeitsbeschränkungen
anordnen, und bei fehlenden Streifen müßten die Behörden leider bei 100
km/h bleiben. Hingegen erlauben bzw empfehlen die
Verwaltungsvorschriften den Behörden, an Straßen, an denen Radfahrer eng
überholt werden, die Geschwindigkeit zu begrenzen ("wo Fußgänger oder
Radfahrer im Längs- oder Querverkehr in besonderer Weise gefährdet sind;
die zulässige Höchstgeschwindigkeit soll auf diesen Abschnitten in der
Regel 70 km/h nicht übersteigen.").
Was interessant ist. Offensichtlich kann man die Gefahr für Radfahrer
durch ein moderates Tempolimit abwenden, Radwege sind also nicht
notwendig und ein Fahrverbot stellt ja wohl die größere
Verkehrsbeschränkung gegenüber einem Tempolimit dar.
Ganz wichtig ist auch, daß dieses Tempolimit auch Fußgängern und
Autofahrern mehr Sicherheit beschert.
*Puff* und schon wieder ist ein Logikwölkchen geplatzt.
Jetzt mal ganz davon abgesehen, daß es auch Urteile gibt, die von
Autofahrern auch bei erlaubten 100 km/h verlangen Radfahrer nicht zu
gefährden.

Tatsächlich gibt es auf Landstraßen viele von diesen Tempolimits und
zwar vor Kurven, an Einmündungen und Kreuzungen, bei Wildwechsel, etc.
Weil das aber nicht durchgängig gilt, sondern meist nur für relativ
kurze Strecken, wird es ausgerechnet an den besonderen Gefahrenstellen
dann nicht beachtet.

Wo in den VwV-StVO steht das denn? tatsächlich höre ich davon jetzt
zum ersten Mal.
Dietmar Kettler
2018-09-05 15:51:25 UTC
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Post by Markus Luft
Post by Michael Heydenbluth
wird zwar nicht wirklich behauptet, aber suggeriert: Es klingt
durch, nur bei Streifen könne man Geschwindigkeitsbeschränkungen
anordnen, und bei fehlenden Streifen müßten die Behörden leider bei 100
km/h bleiben. Hingegen erlauben bzw empfehlen die
Verwaltungsvorschriften den Behörden, an Straßen, an denen Radfahrer eng
überholt werden, die Geschwindigkeit zu begrenzen ("wo Fußgänger oder
Radfahrer im Längs- oder Querverkehr in besonderer Weise gefährdet sind;
die zulässige Höchstgeschwindigkeit soll auf diesen Abschnitten in der
Regel 70 km/h nicht übersteigen.").
Was interessant ist. Offensichtlich kann man die Gefahr für Radfahrer
durch ein moderates Tempolimit abwenden [...]
Wo in den VwV-StVO steht das denn? tatsächlich höre ich davon jetzt
zum ersten Mal.
Es wird da ein ganz übles Falschspiel gespielt: _Alle_ Versuchsstrecken dieser BASt-Studie gingen mit einer Temporeduktion von 100 auf 70 (oder gar 50) einher. Der Effekt, den die Forscher gemessen haben, ist allein auf dieses _Gesamtpaket_ zurückzuführen. Im politischen und medialen Raum ist aber regelmäßig nur von "Schutzstreifen außerorts" die Rede - als wenn es jenes neue Tempolimit an den Versuchsstrecken nicht gäbe.
In dem Forschungsdesign war auch schlicht nicht vorgesehen, eine Kontrollgruppe "Nur-Einführung von Tempo 70" zu untersuchen. Es hätte ja womöglich dabei rauskommen können, dass das auch etwas bringt, vielleicht genauso viel oder gar mehr! Und es gab auch keine Kontrollgruppe "Nur-Einführung von Schutzstreifen".
Dieser NDR-Beitrag ist schon relativ ehrlich. Er heißt zwar in der Überschrift und in weiten Teilen des gesprochenen Textes "-streifen", statt "Tempolimit außerorts". Aber am Anfang werden die Tempo-VZ gezeigt und auch verbal darauf hingewiesen (1:15 bis 1:24). Und am Ende heißt es ausdrücklich zu den abgekratzten Markierungen nach Ende des Versuchszeitraums, _dass man auch das Tempolimit aufgehoben_ habe, man also _wieder 100 fahren dürfe_ (6:40).
Die Bürgermeistern tut so, als sei alles verloren und sie habe keine Möglichkeit mehr, für sichere Verhältnisse zu sorgen (6:20), aber in Wirklichkeit könnte man ja einfach das Tempolimit lassen. Das will man aber offenbar nicht.
Und als vorbildlich wird in dem ganzen Beitrag ein Streifchen hingestellt, das ich ob seiner Unterbreite nicht befahren wollte. Als vorbildlich wird im Film auch extra gezeigt, wie der arme Junge nun auf dem angeblichen sicheren Streifchen mit Handtuchbreite überholt wird (0:50 bis 0:59). Dass das gegen die Sicherheitsvorschriften der StVO verstößt, hat das OVG Niedersachsen gerade festgestellt... Aber ganz Niedersachsen soll nach dem Beitrag möglichst mit so Streifchen überzogen werden, die die Autofahrer zu diesem illegalen und gefährlichen Tun verlocken.
Ich vermisse noch die Medienkampagne und die politische Forderung, den Radfahrern beizubringen, sich nicht an der Asphaltkante rumzudrücken, sichtbar und selbstbewusst zu fahren und den Autofahrern Tempolimits zu zeigen.

Die erfragte Stelle in der VwV findet sich in der zu Zeichen 274:
http://www.verwaltungsvorschriften-im-internet.de/bsvwvbund_26012001_S3236420014.htm

Dietmar
Sascha Dungs
2018-09-05 16:44:21 UTC
Permalink
Post by Dietmar Kettler
Ich vermisse noch die Medienkampagne und die politische Forderung, den Radfahrern beizubringen, sich nicht an der Asphaltkante rumzudrücken, sichtbar und selbstbewusst zu fahren und den Autofahrern Tempolimits zu zeigen.
Diese Medienkampagne vermisse ich schon seit mindestens 3 Jahrzehnten...
es macht so einen unglaublichen Unterschied, das kriegt man anders
einfach nicht in die Köpfe.
--
Gruß, Sascha
Anton Ertl
2018-09-06 07:21:31 UTC
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Als vorbildlich wird i=
m Film auch extra gezeigt, wie der arme Junge nun auf dem angeblichen siche=
ren Streifchen mit Handtuchbreite =C3=BCberholt wird (0:50 bis 0:59). Dass =
das gegen die Sicherheitsvorschriften der StVO verst=C3=B6=C3=9Ft, hat das =
OVG Niedersachsen gerade festgestellt... Aber ganz Niedersachsen soll nach =
dem Beitrag m=C3=B6glichst mit so Streifchen =C3=BCberzogen werden, die die=
Autofahrer zu diesem illegalen und gef=C3=A4hrlichen Tun verlocken.
Hmm, Anzeige gegen die ueberholenden Autofahrer mit dem Film als
Beweismittel?

- anton
--
de.rec.fahrrad FAQ: http://0x1a.de/rec/fahrrad/
Radfahrer sollten vor oder hinter fahrenden Kfz fahren und nicht daneben.
Ist der Radverkehr erst separiert, diskriminiert man ihn voellig ungeniert.
Markus Luft
2018-09-10 00:03:16 UTC
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Post by Dietmar Kettler
Post by Markus Luft
Post by Michael Heydenbluth
wird zwar nicht wirklich behauptet, aber suggeriert: Es klingt
durch, nur bei Streifen könne man Geschwindigkeitsbeschränkungen
anordnen, und bei fehlenden Streifen müßten die Behörden leider bei 100
km/h bleiben. Hingegen erlauben bzw empfehlen die
Verwaltungsvorschriften den Behörden, an Straßen, an denen Radfahrer eng
überholt werden, die Geschwindigkeit zu begrenzen ("wo Fußgänger oder
Radfahrer im Längs- oder Querverkehr in besonderer Weise gefährdet sind;
die zulässige Höchstgeschwindigkeit soll auf diesen Abschnitten in der
Regel 70 km/h nicht übersteigen.").
Was interessant ist. Offensichtlich kann man die Gefahr für Radfahrer
durch ein moderates Tempolimit abwenden [...]
Wo in den VwV-StVO steht das denn? tatsächlich höre ich davon jetzt
zum ersten Mal.
Es wird da ein ganz übles Falschspiel gespielt: _Alle_
Versuchsstrecken dieser BASt-Studie gingen mit einer Temporeduktion
von 100 auf 70 (oder gar 50) einher. Der Effekt, den die Forscher
gemessen haben, ist allein auf dieses _Gesamtpaket_ zurückzuführen.
Im politischen und medialen Raum ist aber regelmäßig nur von
"Schutzstreifen außerorts" die Rede - als wenn es jenes neue
Tempolimit an den Versuchsstrecken nicht gäbe.
Dieses Falschspiel hatte Sascha ja schon aufgeklärt.
Ich bin ehrlich gesagt sogar beleidigt, daß man so plump und leicht
durchschaubar vorgeht, das hatte ich schon raffinierter gesehen, also
z.B. bei Abstandmessungen einfach mal so zwischendurch die
Meßmodalitäten ändern, so daß man im vorher/nachher Vergleich von den
angeblichen Überholabständen locker 30 cm abziehen muß.
Die Hohe Kunst des Mogelns ist aber "geschickte" Streckenauswahl, das
kriegt man durch aufmerksames Lesen nicht mehr heraus, sondern dazu
bedarf es Ortskenntnisse.
Aber auch ohne explizites Tempolimit darf man von einer
Geschwindigkeitsreduktion ausgehen, die Fahrbahn wird schließlich
schmaler.
Post by Dietmar Kettler
In dem Forschungsdesign war auch schlicht nicht vorgesehen, eine
Kontrollgruppe "Nur-Einführung von Tempo 70" zu untersuchen. Es
hätte ja womöglich dabei rauskommen können, dass das auch etwas
bringt, vielleicht genauso viel oder gar mehr! Und es gab auch keine
Kontrollgruppe "Nur-Einführung von Schutzstreifen".
Ich sehe schon, sehr wissenschaftlich.
Ich verstehe nur noch nicht so recht, warum man diese Handtücher in
der Landschaft haben will. Gibt es doch etwa zu viele Radfahrer die
"todesmutig" auf der Fahrbahn fahren?
Angeblich trauen sich die Radfahrer doch nur mit den Streifchen dort
zu fahren, da kann das bisschen Radverkehr doch kein Problem sein.
Post by Dietmar Kettler
Dieser NDR-Beitrag ist schon relativ ehrlich. Er heißt zwar in der
Überschrift und in weiten Teilen des gesprochenen Textes
"-streifen", statt "Tempolimit außerorts". Aber am Anfang werden die
Tempo-VZ gezeigt und auch verbal darauf hingewiesen (1:15 bis 1:24).
Und am Ende heißt es ausdrücklich zu den abgekratzten Markierungen
nach Ende des Versuchszeitraums, _dass man auch das Tempolimit
aufgehoben_ habe, man also _wieder 100 fahren dürfe_ (6:40).
Es läßt sich doch auch gar nicht verschweigen. Die befragten Radfahrer
betonen doch einhellig, daß ihr Sicherheitsgefühl aus der
Temporeduktion resultiert:

| Seitdem der Schutzstreifen da ist, müssen die Autos langsam fahren,
| damit sie auf die Radfahrer mehr Rücksicht nehmen. Das gibt den
| Radfahrern ein Gefühl von Sicherheit: "Es ist natürlich besser, dass
| die Streifen da sind. Vorher wo die Streifen noch nicht da waren,
| durfte man hier 100 fahren", erzählt Anja Nyhoff, die ihre zwei Kinder
| hier mit dem Rad auf den Weg zum Schulbus schickt. Die Autos dürfen an
| dieser Stelle nur noch 50 bis 70 Stundenkilometer fahren.
Post by Dietmar Kettler
Die Bürgermeistern tut so, als sei alles verloren und sie habe keine
Möglichkeit mehr, für sichere Verhältnisse zu sorgen (6:20), aber in
Wirklichkeit könnte man ja einfach das Tempolimit lassen. Das will
man aber offenbar nicht.
Das Tempolimit war möglich, weil es sich um ein Forschungsprojekt
handelte. Wenn das wegfällt gelten für die Verkehrsbeschränkung eben
wieder die Bedingungen von §45 (9) StVO.
Einfach die Streifchen wegnehmen und Schildchen stehen lassen, geht
eben nicht einfach so.
Jetzt wollen die aber die Handtüchlein behalten und da müßte der Bund
aber nicht nur die Streifchen außerorts ermöglichen, sondern auch die
regelmäßige Mitbenutzung durch KFZ noch legalisieren. Ansonsten
könnten die Streifchen schnneller wieder weg sein als gedacht, wenn
einer der "Verdächtigen" von hier da vorbeikommt. ;-)
Es gibt auch bestimmt genügend klagewillige Autofahrer.

Ich teile aber letztlich Deinen Eindruck von der Unwilligkeit.
Sonst sind diese Dorfschulzen doch auch immer so kreativ wenn es um
die Behinderung des freien Radverkehrs geht. Das heißt, die mußten
nicht mal kreativ sein und konnten mit den üblichen Standardfloskeln
ihre Dreckswegelchen durchsetzen.
Vor allem hier in S-H war man sehr erfolgreich und hat uns die höchste
Randverkehrtanlagendichte auf den B- ,L-, K-Straßen eingebrockt.
Kaum zu glauben, daß es da noch Lücken geben soll und man vermutet sie
eher auf der Hofzufahrt von Bauer Harms.
Post by Dietmar Kettler
Und als vorbildlich wird in dem ganzen Beitrag ein Streifchen
hingestellt, das ich ob seiner Unterbreite nicht befahren wollte.
Als vorbildlich wird im Film auch extra gezeigt, wie der arme Junge
nun auf dem angeblichen sicheren Streifchen mit Handtuchbreite
überholt wird (0:50 bis 0:59). Dass das gegen die
Sicherheitsvorschriften der StVO verstößt, hat das OVG Niedersachsen
gerade festgestellt... Aber ganz Niedersachsen soll nach dem Beitrag
möglichst mit so Streifchen überzogen werden, die die Autofahrer zu
diesem illegalen und gefährlichen Tun verlocken.
Bei 1:25-1:33 wird ein normaler Überholvorgang bei höherem Tempo
gezeigt. Es steht allerdings zu befürchten, das viele Überholer
glauben, sie müßten ob der Streifen nicht mehr zum Überholen
ausscheren. Der Filmauschnitt von Dir zeigt einen Autofahrer, der mit
geringem Tempo fährt, weil er kurz vorher Gegenverkehr hatte.
Kleiner Trost, die Streifen haben für den Normal-Radfahrer den
Vorteil, daß sie sich nicht mehr in den Rabatten rumtreiben.
Die Bentheimer scheinen ja alle sehr zufrieden zu sein, zumindest
wurden uns nur diese Stimmen gezeigt. Man weiß auch nicht, ob diese
Zufriedenheit letztlich nur daher kommt, daß Autofahrer wegen des
Versuchsstreckenstatus nicht einfach nur vorsichtiger als üblich fahren.
Post by Dietmar Kettler
Ich vermisse noch die Medienkampagne und die politische Forderung,
den Radfahrern beizubringen, sich nicht an der Asphaltkante
rumzudrücken, sichtbar und selbstbewusst zu fahren und den
Autofahrern Tempolimits zu zeigen.
Da die Streifchen eher mittig besetzt werden, sollte da aber ein
größerer Abstand nach rechts dabei rauskommen. Auf solchen schmalen,
außerörtlichen Fahrbahnen drücken sich meiner Beobachtung nach die
meisten Radfahrer nach hart rechts. Das mit der Asphaltkante ist gar
nicht mal so übertrieben, manchmal entdecke ich an den wenigen
außerörtlichen Straßen ohne Radwege Spuren von Fahrradreifen im
Straßenbegleitgrün.
Für selbsbewußte Radfahrer sind die Streifchen großer Mist. Je nach
Tempo und Zahl der Überholvorgänge würde man da außerhalb der
Stoßzeiten nämlich sogar mittig auf der Fahrspur fahren.
Es geht da ja eher um Straßen mit einer DTV < 2.500 KFZ/d
Warum man da bei 50-60 km/h überhaupt solche Streifen haben will,
erschließt sich mir nicht.
Ich würde da 70 km/h, zum Schutz der Autofahrer vor böswilligen
Bäumen, hinterlistigen Kurven, sprunghaften Stirnwaffenträgern,
obskuren, plangleichen Knotenpünktchen, sichtbehindernden Süßgräsern
für die Biovergasung, etc., hinpflanzen und fertig.
Post by Dietmar Kettler
http://www.verwaltungsvorschriften-im-internet.de/bsvwvbund_26012001_S3236420014.htm
Danke.
Wenn man die Streifen zur Sicherheit der Radfahrer so unbedingt
braucht, kann man ersatzweise auch ein Tempolimit fordern.
Martin Gerdes
2018-09-05 22:09:02 UTC
Permalink
Post by Michael Heydenbluth
1. Der interviewte Landrat behauptet, nur das Bundesverkehrsministerium
könne Änderungen der StVO veranlassen. Das ist schlichtweg falsch: Der
Bundesrat kann das auch. Anscheinend fehlt also auch seitens der Länder
der Wille der Einführung solcher Streifen. Was Wunder: Sie müßten ja die
Pinseleien auf Landesstraßen bezahlen.
O-Ton der Bürgermeisterin: "Wir sind ein Autofahrerstaat."

Zumindest das ist keine Fehlinformation.
Post by Michael Heydenbluth
2. Das 2. wird zwar nicht wirklich behauptet, aber suggeriert: Es klingt
durch, nur bei Streifen könne man Geschwindigkeitsbeschränkungen
anordnen, und bei fehlenden Streifen müßten die Behörden leider bei 100
km/h bleiben. Hingegen erlauben bzw empfehlen die Verwaltungsvorschriften
den Behörden, an Straßen, an denen Radfahrer eng überholt werden, die
Geschwindigkeit zu begrenzen ("wo Fußgänger oder Radfahrer im Längs- oder
Querverkehr in besonderer Weise gefährdet sind; die zulässige
Höchstgeschwindigkeit soll auf diesen Abschnitten in der Regel 70 km/h
nicht übersteigen.").
Es wird in Deutschland mit dem Auto generell zu schnell gefahren: in den
Städten und über Land. Der Straßenausbau suggeriert das: Überregionale
Straßen, Bundesstraßen, aber auch Landesstraßen, werden so breit und
glatt und mit so großen Kurvenradien angelegt, daß man dort wirklich
problemlos 120 km/h fahren kann (aber nicht sollte). Die früher üblichen
100 km/h kommen einem dort langsam vor.

Wenn man dort aber tatsächlich fährt, hat man einen ständigen Wechsel
zwischen 100 km/h (allgemein) und 70 km/h (an JEDER Kreuzung), was mich,
der ich gern konstant fahren möchte, ziemlich nervt. Man könnte auf
Nicht-Autobahne allgemein 80 km/h anordnen und den ständigen Wechsel
vermeiden. Und man könnte (unter Steuergeldersparnis) neue Straßen auf
diese neue, reduzierte Maximalgeschwindigkeit auslegen.

Das wird aber nicht passieren, zumindest nicht in meiner Lebenszeit.

Der Fortschritt ist eine Schnecke.

Ach wie neugierig wäre ich doch, zu erfahren, wie der Straßenverkehr in
Germanistan (so es das dann noch gibt) z.B. in 200 Jahren läuft.
Thomas Bliesener
2018-09-05 23:41:31 UTC
Permalink
Post by Martin Gerdes
O-Ton der Bürgermeisterin: "Wir sind ein Autofahrerstaat."
Wo auf der Welt würde der Satz eigentlich nicht passen? Vielleicht dort,
wo das Einkommen so niedrig ist, daß die Leute sich nur Schuhe und Esel
leisten können?

In Mexiko trifft das jedenfalls auch zu. Trotz aller Pläne und
Bekenntnisse zur Förderung der nichtmotorisierten Mobilität, finde ich
nach ein paar Wochen Abwesenheit folgende Änderungen vor:

- Auf einer Avenida meiner Route in die Stadt darf jetzt 60 statt
50 km/h gefahren werden.
- In einem Wohngebiet danach sind an sämtlichen Kreuzungen
Fahrbahnschweller angebracht. Kleine fiese, fast halbkreisförmige, die
gefederte Fahrzeuge wenig und ungefederte sehr stören.
- Auf einer anderen häufigen Strecke darf ich an einer Kreuzung jetzt
nicht mehr links abbiegen. Die drei Kreuzungen zuvor auch schon nicht.
Statt 600 m Umweg sollen es jetzt 1000 m sein.

Autofahrerstaat.
Post by Martin Gerdes
Es wird in Deutschland mit dem Auto generell zu schnell gefahren: in den
Städten und über Land. Der Straßenausbau suggeriert das: Überregionale
Straßen, Bundesstraßen, aber auch Landesstraßen, werden so breit und
glatt und mit so großen Kurvenradien angelegt, daß man dort wirklich
problemlos 120 km/h fahren kann (aber nicht sollte). Die früher üblichen
100 km/h kommen einem dort langsam vor.
Auch die Entwicklung schallgedämmter Fahrzeuge mit großvolumigen Motoren
trägt dazu bei. 120 km/h in einem Mittelklassewagen waren vor 20, 30
Jahren lauter und anstrengender als heute mit einem modernen Fahrzeug
180 km/h.
Post by Martin Gerdes
Wenn man dort aber tatsächlich fährt, hat man einen ständigen Wechsel
zwischen 100 km/h (allgemein) und 70 km/h (an JEDER Kreuzung), was mich,
der ich gern konstant fahren möchte, ziemlich nervt.
Nicht nur an Kreuzungen. Alle naselang springt das Limit zwischen 50 und
100 km/h hin und her. Selbst ein gutwilliger Fahrer hat es schwer, dem
zu folgen.
Post by Martin Gerdes
Ach wie neugierig wäre ich doch, zu erfahren, wie der Straßenverkehr in
Germanistan (so es das dann noch gibt) z.B. in 200 Jahren läuft.
Wird es noch Fahrräder geben oder werden sie verboten, weil sie nicht
autonom fahren? Oder fahren die Radfahrer dann mit künstlichem Exo- oder
Endoskelett locker 20, 25 m/s? Und muß dann das Fahrrad oder der Fahrer
ein Kennzeichen tragen? Wird ein gutes Fahrrad dann nur noch 10 g statt
10 kg wiegen? Oh bin ich neugierig!
--
bli
Anton Ertl
2018-09-06 06:01:42 UTC
Permalink
Post by Thomas Bliesener
Post by Martin Gerdes
O-Ton der Bürgermeisterin: "Wir sind ein Autofahrerstaat."
Wo auf der Welt würde der Satz eigentlich nicht passen? Vielleicht dort,
wo das Einkommen so niedrig ist, daß die Leute sich nur Schuhe und Esel
leisten können?
Welche Leute? Unsere Laender wurden in den 1920ern Autofahrerstaaten,
obwohl sich damals kaum jemand ein Auto leisten konnte. Wichtig war,
dass die Eliten sich Autos leisten konnten, und dem Rest der
Bevoelkerung die Hoffnung gemacht haben, sich einmal selbst ein Auto
oder sonstwas motorisiertes leisten zu koennen. Und da es keinen
Staat gibt, in dem die Elite sich keine Autos leisten kann, sind alle
Staaten Autofahrerstaaten.

- anton
--
de.rec.fahrrad FAQ: http://0x1a.de/rec/fahrrad/
Radfahrer sollten vor oder hinter fahrenden Kfz fahren und nicht daneben.
Ist der Radverkehr erst separiert, diskriminiert man ihn voellig ungeniert.
Thomas Bliesener
2018-09-06 14:25:18 UTC
Permalink
Post by Anton Ertl
Welche Leute? Unsere Laender wurden in den 1920ern Autofahrerstaaten,
obwohl sich damals kaum jemand ein Auto leisten konnte. Wichtig war,
dass die Eliten sich Autos leisten konnten, und dem Rest der
Bevoelkerung die Hoffnung gemacht haben, sich einmal selbst ein Auto
oder sonstwas motorisiertes leisten zu koennen. Und da es keinen
Staat gibt, in dem die Elite sich keine Autos leisten kann, sind alle
Staaten Autofahrerstaaten.
Stimmt. http://recht-für-radfahrer.de/Historisches.html reicht zwar nicht
bis 1920 zurück, aber auch in der 30er Jahren war die Bevölkerung noch längst
nicht durchmotorisiert.
--
bli
Martin Kozlowski
2018-09-09 19:33:52 UTC
Permalink
Post by Thomas Bliesener
Post by Anton Ertl
Welche Leute? Unsere Laender wurden in den 1920ern Autofahrerstaaten,
obwohl sich damals kaum jemand ein Auto leisten konnte. Wichtig war,
dass die Eliten sich Autos leisten konnten, und dem Rest der
Bevoelkerung die Hoffnung gemacht haben, sich einmal selbst ein Auto
oder sonstwas motorisiertes leisten zu koennen. Und da es keinen
Staat gibt, in dem die Elite sich keine Autos leisten kann, sind alle
Staaten Autofahrerstaaten.
Stimmt. http://recht-für-radfahrer.de/Historisches.html reicht zwar nicht
bis 1920 zurück, aber auch in der 30er Jahren war die Bevölkerung noch längst
nicht durchmotorisiert.
Beschreibung aus Amsterdam:

| In 1933, Karel Capek (the Czech writer who introduced the word robot
| to the world) was impressed not only by the numbers of Dutch cyclists
| but also how they moved:
|
| I have seen various things in my time, but never have I seen so many
| bicycles as, for instance, in Amsterdam; they are no mere bicycles,
| but a sort of collective entity; shoals, droves, colonies of bicycles,
| which rather suggest teeming of bacteria or the swarming of infusoria
| or the eddying of flies. The best part of it is when a policeman holds
| up the stream of bicycles to let pedestrians get across the street,
| and then magnanimously leaves the road open once more; a regular swarm
| of cyclists dashes forward, headed by a number of speed champions, and
| away they pedal, with the queer unanimity of dancing gnats.

Quelle:
das Kapitel 8 "How the Dutch Really Got Their Cycleways", Seite 179 bis
210, des Buches "Bike Boom" gibt es diesen Monat kostenlos beim Verlag:
<https://islandpress.org/read-excerpt>
Arno Welzel
2018-09-09 21:57:00 UTC
Permalink
Martin Kozlowski:

[...]
Post by Martin Kozlowski
das Kapitel 8 "How the Dutch Really Got Their Cycleways", Seite 179 bis
<https://islandpress.org/read-excerpt>
Dazu auch noch:


--
Arno Welzel
https://arnowelzel.de
https://de-rec-fahrrad.de
http://fahrradzukunft.de
Martin Kozlowski
2018-09-10 16:56:49 UTC
Permalink
Post by Arno Welzel
[...]
Post by Martin Kozlowski
das Kapitel 8 "How the Dutch Really Got Their Cycleways", Seite 179 bis
<https://islandpress.org/read-excerpt>
http://youtu.be/XuBdf9jYj7o
Naja, genau gegen diese in die Irre führende Verkürzung schreibt Carlton
Reid an.

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