Discussion:
Was unterscheidet das Fahrrad von einem Kraftfahrzeug
(zu alt für eine Antwort)
Nico Hoffmann
2021-09-29 20:41:25 UTC
Permalink
1. Der Einsatzbereich und tatsächliche Gebrauch eines Fahrrades wird
bei sonst gleichgehaltenen Bedingungen durch die Fähigkeiten der das Rad
fahrenden Person ermöglicht und limitiert, das umfaßt sowohl die Motorik
als die Summe an Fertigkeiten, die man braucht, um auch unter
anspruchsvollen Bedingungen - exemplarisch Windböe von der Seite,
Querung einer Straßenbahnschiene, enge Kurve - nicht vom Rad zu fallen,
Es spielt vermutlich keine entscheidende Rolle, aber wie passen
z.B. Trikes in diese Definition? Gerade die drei Beispiele für
anspruchsvolle Bedingungen sind für Trikefahrer eigentlich keine
solchen.
2. In der Umkehrung bedeutet dies, dass jenseits der Autobahn der
Gebrauch eines Kfz bzgl. der momentan gefahrenen Geschwindigkeit
praktisch nirgendwo durch seine technischen Daten und die sich daraus
ergebenden Möglichkeiten limitiert wird, sondern durch rechtliche
Vorschriften, die nicht aus dem Fahrzeug oder der Person am Lenkrad
abgeleitet werden, sondern sich aus der Notwendigkeit ergeben, für einen
ungestörten Verkehrsfluss und zum Schutze anderer Autofahrer die
Fahrgeschwindigkeit auf ein einheitliches, viel niedrigeres Limit zu
reduzieren, oder noch weniger, wenn der Verkehrsfluss selber
(Kolonnenfahren, Stau) eine weitere Reduktion erzwingt.
Auch das ist für mein Dafürhalten zu eng, auch wenn es wiederum
womöglich keine große Rolle spielt. Auch mit Kraftfahrzeugen fahren
nicht alle immer am gesetzlichen Limit. Insbesondere gibt es immer
wieder Leute, die auch langsamer fahren.
Im Effekt
ergeben sich ohne Stau einheitliche Standardgeschwindigkeiten (50 km/h
in der Stadt, plus Augenzwinkernzuschlag), 80 oder 100 km/h auf der
Landstrasse, ganz unabhängig von der je nach Steigung oder Gefälle,
Gegenwind, Asphaltsorte
Nach meiner Erfahrung ist die Einschätzung, welche Geschwindigkeit
noch vernünftig/vertretbar/zulässig ist, vor allem bei schlecht
ausgebauten Straßen außerorts recht subjektiv. Der eine fährt
schneller, der andere langsamer.

N.
--
tagherrdoktor
Karl Müller
2021-09-29 21:11:06 UTC
Permalink
Karl Müller hatte mit seiner Gegenüberstellung von Schusswaffen ohne und
mit Treibladung einen interessanten Ansatz, verfolgt ihn leider aber
nicht weiter, sondern verliert sich stattdessen in Bewertungen, die ich
ebenfalls ausgeschlossen hatte.
Also ich bin für eine Verfolgung des Ansatzes "Schusswaffe ohne und mit
Treibladung" offen - allerdings sehe ich weder ein Fahrrad noch ein
Kraftfahrzeug als Waffe an. Das, obwohl durch eine entsprechende Technik,
beides als eine Waffe eingesetzt werden kann (Dual-Use)

Allerdings hatte ich auch andere Beispiele aufgezählt - wobei eben immer
der Aspekt "ohne innere Energie" und "mit innerer Energie" für die
Unterscheidung entscheidend ist, wenn man Fahrrad und Kraftfahrzeug als
Blackbox betrachten will

Was man dann aus dieser Unterscheidung ableitet kann natürlich mehrere
Threads über Wochen bis Monate füllen...

Zum Lesen wäre ich bereit - aber ob ich mich dann aktiv dazu äußern würde
wage ich zu bezweifeln

Zu stark ist der Gedanke: fahr lieber Fahrrad :-)

mfg

Karl
Chr. Maercker
2021-09-30 11:08:11 UTC
Permalink
Interessanterweise arbeiten sich von den vierzig Antwortenden trotzdem
erstaunlich viele an dem Begriff Pedelec ab, auf die ich mich gar nicht
bezogen habe,
In einem anderen Beitrag schon: dort ging es um die Behauptung, der in
der Tat griffige Begriff "Pedelec" hätte den Verkaufswerfolg selbiger
bewirkt. Das habe ich angezweifelt oder zumindest relativiert.
Auto als Repräsentant von "Kraftfahrzeug"
1. Jenseits von Oldtimern haben Autos durchwegs gut eine Größenordnung
mehr Antriebsleistung, als für ihren Gebrauch überhaupt erforderlich
ist, wenn wir die üblichen wissenschaftlichen Maßstäbe anlegen, nämlich
5% Irrtumswahrscheinlichkeit. (Scherz). Ähnliches gilt für die
Reichweite - Fahrleistungen von an die 1000 km mit einer Tankfüllung
stehen tatsächlich überwiegend gefahrene Distanzen von weniger als zehn
Kilometern entgegen.
Ist das durch aktuelle Statistiken belegt? Ich kenne nur welche, die
sind 30 Jahre und älter.
--
CU Chr. Maercker.

RADWEGE sind TOD-SICHER! Schlaue Füchse fahren Fahrbahn.
Wolfgang Strobl
2021-09-30 18:16:54 UTC
Permalink
Am Thu, 30 Sep 2021 13:08:11 +0200 schrieb "Chr. Maercker"
Post by Chr. Maercker
Interessanterweise arbeiten sich von den vierzig Antwortenden trotzdem
erstaunlich viele an dem Begriff Pedelec ab, auf die ich mich gar nicht
bezogen habe,
In einem anderen Beitrag schon: dort ging es um die Behauptung, der in
der Tat griffige Begriff "Pedelec" hätte den Verkaufswerfolg selbiger
bewirkt. Das habe ich angezweifelt oder zumindest relativiert.#
Ja schon. Ich fand es aber doch erstaunlich, wie umfänglich über Pedelec
fabuliert wurde, die am Ende sogar noch mal wiederholte Frage dann aber
ignoriert wurde.
Post by Chr. Maercker
Auto als Repräsentant von "Kraftfahrzeug"
1. Jenseits von Oldtimern haben Autos durchwegs gut eine Größenordnung
mehr Antriebsleistung, als für ihren Gebrauch überhaupt erforderlich
ist, wenn wir die üblichen wissenschaftlichen Maßstäbe anlegen, nämlich
5% Irrtumswahrscheinlichkeit. (Scherz). Ähnliches gilt für die
Reichweite - Fahrleistungen von an die 1000 km mit einer Tankfüllung
stehen tatsächlich überwiegend gefahrene Distanzen von weniger als zehn
Kilometern entgegen.
Ist das durch aktuelle Statistiken belegt? Ich kenne nur welche, die
sind 30 Jahre und älter.
Nein, und wozu auch. Eine Überschlagsrechnung reicht, was den ersten
Teil angeht. Was "überwiegend weniger als zehn Kilometer" angeht, so
habe ich aus dem Stegreif nur das hier parat

<https://www.mystrobl.de/ws/pluspora/plainpostings/20210915t1050-zwei_von_drei_pendlern_nehmen_das_auto_https_www_spiegel_de_wirtsc.html>

Ich mutmasse, dass die Zahl der Wege, die beim Pendeln mit dem Auto
zurückgelegt werden, deutlich größer ist als der mit dem Auto
zurücbgelegten Urlaubsfahrten oder Familienbesuche, so dass sich
ungefähr dieses auch generell ergibt. Für eine grobe Abschätzung und das
Argument, dass Autos für den typischen Gebrauch massiv überdimensioniert
sind, reicht es. Würde sich etwas ändern, wenn "an die 1000 km mit einer
Tankfüllung" sich bei einer genauen Erhebung als "im Mittel genau 873,5
Kilometer" ermitteln ließe und es neun oder zwölf Komma drei Kilometer
wären?
--
Wir danken für die Beachtung aller Sicherheitsbestimmungen
Chr. Maercker
2021-10-01 06:00:57 UTC
Permalink
Post by Wolfgang Strobl
Post by Chr. Maercker
1. Jenseits von Oldtimern haben Autos durchwegs gut eine Größenordnung
mehr Antriebsleistung, als für ihren Gebrauch überhaupt erforderlich
ist, wenn wir die üblichen wissenschaftlichen Maßstäbe anlegen, nämlich
5% Irrtumswahrscheinlichkeit. (Scherz). Ähnliches gilt für die
Reichweite - Fahrleistungen von an die 1000 km mit einer Tankfüllung
stehen tatsächlich überwiegend gefahrene Distanzen von weniger als zehn
Kilometern entgegen.
Ist das durch aktuelle Statistiken belegt? Ich kenne nur welche, die
sind 30 Jahre und älter.
Nein, und wozu auch. Eine Überschlagsrechnung reicht, was den ersten
Teil angeht. Was "überwiegend weniger als zehn Kilometer" angeht, so
habe ich aus dem Stegreif nur das hier parat
<https://www.mystrobl.de/ws/pluspora/plainpostings/20210915t1050-zwei_von_drei_pendlern_nehmen_das_auto_https_www_spiegel_de_wirtsc.html>
Ich mutmasse, dass die Zahl der Wege, die beim Pendeln mit dem Auto
zurückgelegt werden, deutlich größer ist als der mit dem Auto
zurücbgelegten Urlaubsfahrten oder Familienbesuche, so dass sich
ungefähr dieses auch generell ergibt. Für eine grobe Abschätzung und das
Argument, dass Autos für den typischen Gebrauch massiv überdimensioniert
sind, reicht es.
Die These, dass Autoantriebe für ihre normalen Aufgaben völlig
fehldimensioniert sind, vertrete ich seit langem. Meine Frage betrifft
nur die tatsächlich gefahrenen Strecken pro Weg. Und dazu wies eine gut
30 Jahre alte Tabelle aus, dass ein knapp zweistelliger Prozentsatz die
berühmten Fahrten zum Zigarettenautomaten waren, also < 1km. Hinzu kamen
noch höhere Anteile bei 2..15 km langen Strecken, also klassischen
Fahrrad-Entfernungen. Insgesamt kam raus, dass Fernverkehr, für den
Autos dimensioniert sind, nur 20..30% ausmachen, davon auch wiederum ein
Großteil Strecken unter 50 km. Es gab zur selben Zeit Erhebungen, die
60% Freizeitverkehr mit Autos erbrachten. Alles in allem ein Indiz
dafür, dass schon damals ca. 50% des Autoverkehrs problemlos vermeidbar
war. Die Siedlungsstruktur war schon zu dieser Zeit autofreundlich. Man
hätte also erwarten können, dass 90% aller Autofahrten Arbeitswege,
Einkaufsfahrten oder gewerblich bedingt waren. Weit gefehlt.
--
CU Chr. Maercker.

RADWEGE sind TOD-SICHER! Schlaue Füchse fahren Fahrbahn.
Chr. Maercker
2021-09-30 11:10:10 UTC
Permalink
Post by Nico Hoffmann
Es spielt vermutlich keine entscheidende Rolle, aber wie passen
z.B. Trikes in diese Definition?
Ehrlich gesagt, betrachte ich Wolfgang Strobls Beitrag nicht als
Definition(en).
--
CU Chr. Maercker.

RADWEGE sind TOD-SICHER! Schlaue Füchse fahren Fahrbahn.
Wolfgang Strobl
2021-09-30 17:46:11 UTC
Permalink
Am Thu, 30 Sep 2021 13:10:10 +0200 schrieb "Chr. Maercker"
Post by Chr. Maercker
Post by Nico Hoffmann
Es spielt vermutlich keine entscheidende Rolle, aber wie passen
z.B. Trikes in diese Definition?
Ehrlich gesagt, betrachte ich Wolfgang Strobls Beitrag nicht als
Definition(en).
Korrekt.
--
Wir danken für die Beachtung aller Sicherheitsbestimmungen
Wolfgang Strobl
2021-09-30 17:45:49 UTC
Permalink
Post by Nico Hoffmann
1. Der Einsatzbereich und tatsächliche Gebrauch eines Fahrrades wird
bei sonst gleichgehaltenen Bedingungen durch die Fähigkeiten der das Rad
fahrenden Person ermöglicht und limitiert, das umfaßt sowohl die Motorik
als die Summe an Fertigkeiten, die man braucht, um auch unter
anspruchsvollen Bedingungen - exemplarisch Windböe von der Seite,
Querung einer Straßenbahnschiene, enge Kurve - nicht vom Rad zu fallen,
Es spielt vermutlich keine entscheidende Rolle, aber wie passen
z.B. Trikes in diese Definition? Gerade die drei Beispiele für
anspruchsvolle Bedingungen sind für Trikefahrer eigentlich keine
solchen.
So what. Es gibt immer Sonderfälle, für die man dann analoge Beispiele
findet. Meine Erläuterungen sind aber meist eh schon zu elaboriert, in
diese Falle tappe ich nicht freiwillig.

Gegenfrage: glaubst Du ernsthaft, dass Leute auf einem motorisierten
Trike nicht einfacher, schneller und häufiger die Grenzen ihrer
Fähigkeiten überschreiten als auf einem nicht motorisierten Trike? Ein
bekannter Fußballspieler hat erst kürzlich schmerzhaft erfahren müssen,
dass dies sogar mit einem Quad sehr wohl vorkommt.

Der Satz ging nach dem Komma übrigens noch weiter, nämlich wie folgt

[...] einer Straßenbahnschiene, enge Kurve - nicht vom Rad zu fallen,
als auch die Summe an körperlicher Ausstattung, spezifische Muskulatur
u.a. der Extremitäten, Halsmuskulatur, Herzkreislaufsystem, die sich
teilweise in technisch messbaren Kennzahlen wie Watt pro Kilogramm,
Metabolisches Äquivalent, Antriebsleistung in Watt, aerobe und anaerobe
Leistung, Ausdauer usw. fassen läßt.

Aber trotzdem danke für den Hinweis. Ich formuliere um:

[...] Summe an Fertigkeiten, die man braucht, um auch anspruchsvolle
Bedingungen - exemplarisch beim Zweirad Windböe von der Seite, Querung
einer Straßenbahnschiene, enge Kurve - zu bewältigen.

Das ist weniger flapsig und weniger angreifbar.
Post by Nico Hoffmann
2. In der Umkehrung bedeutet dies, dass jenseits der Autobahn der
Gebrauch eines Kfz bzgl. der momentan gefahrenen Geschwindigkeit
praktisch nirgendwo durch seine technischen Daten und die sich daraus
ergebenden Möglichkeiten limitiert wird, sondern durch rechtliche
Vorschriften, die nicht aus dem Fahrzeug oder der Person am Lenkrad
abgeleitet werden, sondern sich aus der Notwendigkeit ergeben, für einen
ungestörten Verkehrsfluss und zum Schutze anderer Autofahrer die
Fahrgeschwindigkeit auf ein einheitliches, viel niedrigeres Limit zu
reduzieren, oder noch weniger, wenn der Verkehrsfluss selber
(Kolonnenfahren, Stau) eine weitere Reduktion erzwingt.
Auch das ist für mein Dafürhalten zu eng, auch wenn es wiederum
womöglich keine große Rolle spielt.
Ich hier stimme ich diesbezüglich zu: es spielt keine Rolle. Beispiele
sind Beispiele.
Post by Nico Hoffmann
Auch mit Kraftfahrzeugen fahren
nicht alle immer am gesetzlichen Limit.
Stimmt. Viele fahren mit einem Auto oder Motorrad oft sogar deutlich
_über_ dem jeweils geltenden Limit, wenn sie können, viele halten das
sogar für ihr Gutes Recht (TM). Meintest Du das?

Oder hast Du den obigen Satz möglicherweise gar nicht verstanden? Da
steht nirgendwo, dass alle jederzeit am "gesetzlichen Limit" fahren.
Nicht mal annähernd.
Post by Nico Hoffmann
Insbesondere gibt es immer
wieder Leute, die auch langsamer fahren.
Echt jetzt?
Post by Nico Hoffmann
Im Effekt
ergeben sich ohne Stau einheitliche Standardgeschwindigkeiten (50 km/h
in der Stadt, plus Augenzwinkernzuschlag), 80 oder 100 km/h auf der
Landstrasse, ganz unabhängig von der je nach Steigung oder Gefälle,
Gegenwind, Asphaltsorte
Nach meiner Erfahrung ist die Einschätzung, welche Geschwindigkeit
noch vernünftig/vertretbar/zulässig ist, vor allem bei schlecht
ausgebauten Straßen außerorts recht subjektiv. Der eine fährt
schneller, der andere langsamer.
"Schlecht ausgebaute Straße" ist ein typischer Begriff aus dem
Sprachgebrauch einer Person, die nicht nur ein Kfz fährt, sondern sich
darüber auch als "Autofahrer" oder "Motorradfahrer" versteht. Eine
Straße, die mit einem Auto, das nicht "untermotorisiert" ist (auch so
ein Wort), nicht bequem am "gesetzlichen Limit" befahrbar ist (also 50
plus Zuschlag in der Stadt, 100 ausserhalb von Ortschaften ...), ist
"schlecht ausgebaut".

Erfreulicherweise nimmt aber der Anteil der Auto fahrenden, die das als
identitätsstiftend und sich insofern als "Autofahrer" verstehen, mehr
und mehr ab, vor allem in der Jugend.
--
Wir danken für die Beachtung aller Sicherheitsbestimmungen
Marc Stibane
2021-10-10 15:24:17 UTC
Permalink
Post by Wolfgang Strobl
Gegenfrage: glaubst Du ernsthaft, dass Leute auf einem motorisierten
Trike nicht einfacher, schneller und häufiger die Grenzen ihrer
Fähigkeiten überschreiten als auf einem nicht motorisierten Trike? Ein
bekannter Fußballspieler hat erst kürzlich schmerzhaft erfahren müssen,
dass dies sogar mit einem Quad sehr wohl vorkommt.
Dazu habe ich vor kurzem einen Bericht gelesen über die Einführung von
motorisierten Trikes in den 70ern/80ern in den USA. Ein Vorderrad, zwei
Hinterräder, kein Differential, keine Neigetechnik.
Man hat damals geglaubt, die Dinger wären ungefährlicher als kleine
Motorräder weil mehr Gewicht pro PS, und sie im Stand nicht umfallen.
Leider hat sich herausgestellt dass die dafür beim Kurvenfahren viel
instabiler sind als Zweiräder, und nach viel zu vielen toten
Jugendlichen hat man das Experiment beendet.

Um dann 30 Jahre später dasselbe mit Quads zu probieren, die auch nicht
sehr viel besser sind. Zumindest haben die heute ein Hinterachs-
Differential und somit keine automatische Rutschneigung in Kurven mehr.
--
In a world without walls and fences,
who needs windows and gates?
Wolfgang Strobl
2021-10-13 18:18:24 UTC
Permalink
Post by Marc Stibane
Post by Wolfgang Strobl
Gegenfrage: glaubst Du ernsthaft, dass Leute auf einem motorisierten
Trike nicht einfacher, schneller und häufiger die Grenzen ihrer
Fähigkeiten überschreiten als auf einem nicht motorisierten Trike? Ein
bekannter Fußballspieler hat erst kürzlich schmerzhaft erfahren müssen,
dass dies sogar mit einem Quad sehr wohl vorkommt.
Dazu habe ich vor kurzem einen Bericht gelesen über die Einführung von
motorisierten Trikes in den 70ern/80ern in den USA. Ein Vorderrad, zwei
Hinterräder, kein Differential, keine Neigetechnik.
Man hat damals geglaubt, die Dinger wären ungefährlicher als kleine
Motorräder weil mehr Gewicht pro PS, und sie im Stand nicht umfallen.
Ein Kollege, der keinen Motorradführerschein hat und auch kaum oder gar
nicht Rad fährt, erzählte mir vor einer Weile mal mit ausgesprochener
Begeisterung von modernen Motorrädern, die vorne zwei Räder hätten und
daher "viel sicherer" seien, weswegen er sie auch mit dem
Autoführerschein fahren dürfe. Er meinte wohl die Dinger, die irgendwann
auf der TdF als Streckenfahrzeuge aufgetaucht sind. Die _haben_
Neigetechnik, ich mutmaße aber, dass man sich auch mit denen ziemlich
schnell himmeln kann, wenn man keine Erfahrung mit schnell gefahrenen
Zweirädern hat, wegen des Umstands, dass so ein Teil gefühlt nicht
umkippen kann.

Ein anderer Kollege, Ralf Joho, schwer spastisch behindert (nur ein Arm
und ein Bein benutzbar), hat mir vor sehr viel längerer Zeit sein Leid
darüber geklagt, wie er darum kämpfen musste, für sein
https://de.wikipedia.org/wiki/Windcheetah wenigstens einen kleinen
Zuschuss zu bekommen. Einen Elektro-Krankenfahrstuhl zu bekommen war
kein Problem, dito eines dieser extrem unkippgefährdeten
Behindertendreiräder (Typ Billigrad mit verlängerter Hinterachse und
zwei Hinterrädern), mit denen sich vmtl. dumm und dämlich verdient wird.
Post by Marc Stibane
Leider hat sich herausgestellt dass die dafür beim Kurvenfahren viel
instabiler sind als Zweiräder, und nach viel zu vielen toten
Jugendlichen hat man das Experiment beendet.
Um dann 30 Jahre später dasselbe mit Quads zu probieren, die auch nicht
sehr viel besser sind. Zumindest haben die heute ein Hinterachs-
Differential und somit keine automatische Rutschneigung in Kurven mehr.
Man kann vmtl. mit allem fahren, wenn man fit genug ist und sich die
Zeit nimmt, es zu lernen. Das Problem ist die naive Sicht, dass wenn
etwas total sicher aussieht und sich auch so anfühlt, man sich um nichts
mehr kümmern müsse.

Generell halte ich motorisierte Quads, denen ich in der letzten Wochen
nach meinem Geschmack viel zu häufig begegnet bin, aber für eine Seuche,
sie kombinieren die Nachteile von Pkw (Platzbedarf) und Motorrad
(Risiko, Ineffizienz, Wetterempfindlichkeit).
--
Wir danken für die Beachtung aller Sicherheitsbestimmungen
Nico Hoffmann
2021-10-10 17:33:56 UTC
Permalink
Post by Nico Hoffmann
Der Einsatzbereich und tatsächliche Gebrauch eines Fahrrades wird bei
sonst gleichgehaltenen Bedingungen durch die Fähigkeiten der das Rad
fahrenden Person ermöglicht und limitiert, das umfaßt sowohl die
Motorik als die Summe an Fertigkeiten, die man braucht, um auch unter
anspruchsvollen Bedingungen - exemplarisch Windböe von der Seite,
Querung einer Straßenbahnschiene, enge Kurve - nicht vom Rad zu fallen,
Es spielt vermutlich keine entscheidende Rolle, aber wie passen
z.B. Trikes in diese Definition? Gerade die drei Beispiele für
anspruchsvolle Bedingungen sind für Trikefahrer eigentlich keine
solchen.
Was für Trikes?
Feststehende oder mit Neigetechnik? Mit Motor oder ohne?
Wir sind hier in de.rec.fahrrad, also welche ohne Motor. Neigetechnik
ist bei mehrspurigen Fahrrädern extrem unüblich. Und natürlich fahren
sich diese Fahrräder ganz anders als die üblichen Einspurer, darauf
spielte ich an.

N.
--
tagherrdoktor
Marc Stibane
2021-10-10 19:18:35 UTC
Permalink
Post by Nico Hoffmann
Post by Nico Hoffmann
Es spielt vermutlich keine entscheidende Rolle, aber wie passen
z.B. Trikes in diese Definition? Gerade die drei Beispiele für
anspruchsvolle Bedingungen sind für Trikefahrer eigentlich keine
solchen.
Was für Trikes?
Feststehende oder mit Neigetechnik? Mit Motor oder ohne?
Wir sind hier in de.rec.fahrrad, also welche ohne Motor. Neigetechnik
ist bei mehrspurigen Fahrrädern extrem unüblich. Und natürlich fahren
sich diese Fahrräder ganz anders als die üblichen Einspurer, darauf
spielte ich an.
Tripendo:
<http://www.tripendo.de/galerie>

Tris:


Bergwerk:
<https://www.pinterest.at/pin/785737466208063298/>


Das CarvX ist bereits ein Quad:
<https://www.pinterest.at/pin/626985579342569434/>

--
In a world without walls and fences,
who needs windows and gates?
Nico Hoffmann
2021-10-10 20:03:47 UTC
Permalink
Post by Marc Stibane
Post by Nico Hoffmann
Post by Nico Hoffmann
Es spielt vermutlich keine entscheidende Rolle, aber wie passen
z.B. Trikes in diese Definition? Gerade die drei Beispiele für
anspruchsvolle Bedingungen sind für Trikefahrer eigentlich keine
solchen.
Was für Trikes?
Feststehende oder mit Neigetechnik? Mit Motor oder ohne?
Wir sind hier in de.rec.fahrrad, also welche ohne Motor. Neigetechnik
ist bei mehrspurigen Fahrrädern extrem unüblich. Und natürlich fahren
sich diese Fahrräder ganz anders als die üblichen Einspurer, darauf
spielte ich an.
<http://www.tripendo.de/galerie>
http://youtu.be/5ISTlQYWGmE
<https://www.pinterest.at/pin/785737466208063298/>
<https://www.pinterest.at/pin/626985579342569434/>
http://youtu.be/DxHWoxgHs6U
Ja, gebaut wird sowas schon. Ich habe aber noch kein Neigetrike in
freier Wildbahn gesehen, soweit ich mich erinnere.

N.
--
tagherrdoktor
Ulli Horlacher
2021-10-11 22:23:16 UTC
Permalink
Post by Nico Hoffmann
Ja, gebaut wird sowas schon. Ich habe aber noch kein Neigetrike in
freier Wildbahn gesehen, soweit ich mich erinnere.
Ich schon mehrere Tripendos, auch selber gefahren.
--
+ Ulli Horlacher + ***@tandem-fahren.de + http://tandem-fahren.de/ +
Martin Gerdes
2021-10-11 22:35:40 UTC
Permalink
Post by Nico Hoffmann
Was für Trikes?
Feststehende oder mit Neigetechnik? Mit Motor oder ohne?
Wir sind hier in de.rec.fahrrad, also welche ohne Motor. Neigetechnik
ist bei mehrspurigen Fahrrädern extrem unüblich.
Ahem: Nein.
Ein Lastendreirad mit Neigetechnik fährt sich erleblich leichter als
eins ohne. Man muß nur darauf achten, daß man in der Langsamfahrt die
Neigung blockiert, damit es im Stand nicht umfällt.
Marc Stibane
2021-10-15 10:54:01 UTC
Permalink
Post by Martin Gerdes
Was für Trikes?
Feststehende oder mit Neigetechnik?
Neigetechnik ist bei mehrspurigen Fahrrädern extrem unüblich.
Ahem: Nein.
Ein Lastendreirad mit Neigetechnik fährt sich erleblich leichter als
eins ohne. Man muß nur darauf achten, daß man in der Langsamfahrt die
Neigung blockiert, damit es im Stand nicht umfällt.
<https://www.heise.de/ratgeber/ADAC-testet-E-Lastenraeder-Besser-mehr-Geld-ausgeben-6217016.html>

| Gewinner sind die beiden teuersten Modelle, beide mit Neigetechnik
--
In a world without walls and fences,
who needs windows and gates?
Arno Welzel
2021-10-16 16:23:50 UTC
Permalink
Post by Marc Stibane
Post by Martin Gerdes
Was für Trikes?
Feststehende oder mit Neigetechnik?
Neigetechnik ist bei mehrspurigen Fahrrädern extrem unüblich.
Ahem: Nein.
Ein Lastendreirad mit Neigetechnik fährt sich erleblich leichter als
eins ohne. Man muß nur darauf achten, daß man in der Langsamfahrt die
Neigung blockiert, damit es im Stand nicht umfällt.
<https://www.heise.de/ratgeber/ADAC-testet-E-Lastenraeder-Besser-mehr-Geld-ausgeben-6217016.html>
| Gewinner sind die beiden teuersten Modelle, beide mit Neigetechnik
Aus dem Test - das "Vogue Carry 3":

<https://fahrrad-ass.de/Spezialangebot-Vogue-Carry-3-schwarz/braun-E-Power-Mittelmotor-Aluminium-hydr-disc-bakfiets-3-Rad>

Die Scheinwerfer sind hier *verkehrt* herum montiert:

<Loading Image...>

Was sollte das denn werden? Hauptache irgendwie ein Licht dranschrauben?
Oder sind das spezielle Scheinwerfer, die für diese Art der Montage
explizit ausgelegt sind?
--
Arno Welzel
https://arnowelzel.de
Arno Welzel
2021-10-12 10:01:31 UTC
Permalink
[...]
Post by Nico Hoffmann
Was für Trikes?
Feststehende oder mit Neigetechnik? Mit Motor oder ohne?
Wir sind hier in de.rec.fahrrad, also welche ohne Motor. Neigetechnik
ist bei mehrspurigen Fahrrädern extrem unüblich. Und natürlich fahren
sich diese Fahrräder ganz anders als die üblichen Einspurer, darauf
spielte ich an.
So sehr unüblich ist Neigetechnik bei Fahrrädern nicht mehr, z.B.:

<https://www.babboe.de/carve>

<https://www.johansson-bikes.com/oscar-s/>

<https://www.veleon.de/veleon.htm>
--
Arno Welzel
https://arnowelzel.de
Arno Welzel
2021-10-12 10:02:29 UTC
Permalink
Post by Arno Welzel
[...]
Post by Nico Hoffmann
Was für Trikes?
Feststehende oder mit Neigetechnik? Mit Motor oder ohne?
Wir sind hier in de.rec.fahrrad, also welche ohne Motor. Neigetechnik
ist bei mehrspurigen Fahrrädern extrem unüblich. Und natürlich fahren
sich diese Fahrräder ganz anders als die üblichen Einspurer, darauf
spielte ich an.
<https://www.babboe.de/carve>
<https://www.johansson-bikes.com/oscar-s/>
<https://www.veleon.de/veleon.htm>
JFTR: ja, einige der genannten Fahrzeuge davon haben einen Elektromotor.
Aber es gibt auch welche ohne Motor und Neigetechnik.
--
Arno Welzel
https://arnowelzel.de
Nico Hoffmann
2021-10-12 17:00:13 UTC
Permalink
Post by Arno Welzel
Post by Arno Welzel
[...]
Post by Nico Hoffmann
Was für Trikes?
Feststehende oder mit Neigetechnik? Mit Motor oder ohne?
Wir sind hier in de.rec.fahrrad, also welche ohne Motor. Neigetechnik
ist bei mehrspurigen Fahrrädern extrem unüblich. Und natürlich fahren
sich diese Fahrräder ganz anders als die üblichen Einspurer, darauf
spielte ich an.
<https://www.babboe.de/carve>
<https://www.johansson-bikes.com/oscar-s/>
<https://www.veleon.de/veleon.htm>
JFTR: ja, einige der genannten Fahrzeuge davon haben einen Elektromotor.
Aber es gibt auch welche ohne Motor und Neigetechnik.
Konkret: Nur das Veleon wird überhaupt ohne Motor verkauft, soweit ich
das sehe.

Ansonsten: Das sind Lasten(!)dreiräder mit Neigetechnik(!). Das ist
die Nische in der Nische, wenn wir mal die Nische "Dreirad" außen vor
lassen. Ich finde es schön, dass sowas angeboten wird, aber ungefähr
das meinte ich mit "extrem unüblich".

N.
--
tagherrdoktor
Marc Stibane
2021-10-15 10:54:01 UTC
Permalink
Post by Nico Hoffmann
Ansonsten: Das sind Lasten(!)dreiräder mit Neigetechnik(!). Das ist
die Nische in der Nische, wenn wir mal die Nische "Dreirad" außen vor
lassen. Ich finde es schön, dass sowas angeboten wird, aber ungefähr
das meinte ich mit "extrem unüblich".
Ich sehe hier (Wien Leopoldstadt) deutlich mehr Lastenräder als
Standard-Dreiräder für Ältere/Behinderte (Starrachse hinten mit zwei
Hinterrädern ohne Neigetechnik). Viele Lastenräder sind einspurig/
zweirädrig, aber etliche doch dreirädrig.
--
In a world without walls and fences,
who needs windows and gates?
Nico Hoffmann
2021-10-15 18:55:19 UTC
Permalink
Post by Marc Stibane
Post by Nico Hoffmann
Ansonsten: Das sind Lasten(!)dreiräder mit Neigetechnik(!). Das ist
die Nische in der Nische, wenn wir mal die Nische "Dreirad" außen vor
lassen. Ich finde es schön, dass sowas angeboten wird, aber ungefähr
das meinte ich mit "extrem unüblich".
Ich sehe hier (Wien Leopoldstadt) deutlich mehr Lastenräder als
Standard-Dreiräder für Ältere/Behinderte (Starrachse hinten mit zwei
Hinterrädern ohne Neigetechnik). Viele Lastenräder sind einspurig/
zweirädrig, aber etliche doch dreirädrig.
Schön. Mir ist noch keins untergekommen, jedenfalls nicht dass ich
mich erinnern könnte. Andere Dreiräder schon.

Wie es in Ö ist, weiß ich nicht, aber in D werden Lastenräder
neuerdings gehyped. Sogar der Bundesbenzinkanister, also das BMVI,
fördert sowas, allerdings nicht für privat und natürlich nur mit
E-Motor. Sozusagen als E-Bike für's Gewerbe, und man füttert damit
(mein Eindruck) eine Reihe von Startups durch, die dann auch wieder
verschwinden.
Die Nische für Lastenräder (egal wieviele Räder und ob mit oder ohne
Neigetechnik) ist übrigens winzig, denn es hat für die "breite Masse"
wenig bis keine Vorteile, aber deutliche Nachteile. Es ist allerdings
in der Presse hochgekocht worden und war auch ein Wahlkampfthema.
Dass in drf gerade jetzt Lastendreiräder in die Diskussion eingebracht
werden, halte ich für eine Folge des Hypes.

Die "Standard-Dreiräder" sind zu recht unbeliebt, schon wegen der
Kippneigung. Diese Räder gibt es auch deshalb, weil sowas z.T. von der
Krankenkasse übernommen wird.

Wenn schon Dreirad, dann als Liegerad. Vor allem wegen des niedrigen
Schwerpunkts. Liegeräder passen aber mental nicht zur großen Masse der
potentiellen Kunden (um es mal vorsichtig auszudrücken), deswegen sind
sie wenig verbreitet.

Bei den Liegedreirädern kann man auf Neigetechnik ohne größere
Schmerzen verzichten, damit braucht man sich auch um die Nachteile
keine Sorgen zu machen. Lastenräder gehen damit übrigens auch, wie
z.B. velomo mit dem Lastenquad ohne Neigetechnik zeigt.

N.
--
tagherrdoktor
Wolfgang Strobl
2021-10-16 12:19:41 UTC
Permalink
Post by Nico Hoffmann
Die Nische für Lastenräder (egal wieviele Räder und ob mit oder ohne
Neigetechnik) ist übrigens winzig, denn es hat für die "breite Masse"
wenig bis keine Vorteile, aber deutliche Nachteile.
Da ist was dran. Ich weiß nicht, ob wir zur "breiten Masse" gehören,
aber für uns haben die typischen Lastenräder (im Stil der
Christiana-Bikes) mindestens zwei Nachteile

- der Parkstreifen vor dem Haus ist für Autos reserviert und der
Restbürgersteig zu schmal, um dergl. dort abzustellen. Und so wie
geparkt wird, ist es oft schon schwierig, ein simples Hollandrad aufs
Grundstück zu bekommen.

- es gibt kaum ein Transportproblem, dass nicht mit den Packtaschen
unserer Schlechtwetterräder (mein Hollandrad, Fahrradmanufakturrad
meiner Frau) zu lösen würde, oder ggfs. besser mit einem Anhänger als
mit einem Lastenrad.
Post by Nico Hoffmann
Es ist allerdings
in der Presse hochgekocht worden und war auch ein Wahlkampfthema.
Dass in drf gerade jetzt Lastendreiräder in die Diskussion eingebracht
werden, halte ich für eine Folge des Hypes.
Schon. Aber im Kontext der von mir gestellten Frage ist es schon
naheliegend und legitim, auch sie zu betrachten. Tatsächlich spitzen sie
die die Frage so zu, dass die Antwort fast offensichtlich wird. IMHO.
--
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