Discussion:
Polizeiliche Helmpropaganda: Jetzt in Wolfsburg
(zu alt für eine Antwort)
Jens Müller
2007-04-18 16:40:13 UTC
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Raw Message
http://www.presseportal.de/polizeipresse/p_story.htx?nr=972248

POL-WOB: Radfahrer im Straßenverkehr
18.04.2007 - 14:30 Uhr, Polizei Wolfsburg Pressemappe [Pressemappe]

Wolfsburg (ots) - Bei der Auftaktaktion von Verkehrswacht und
Polizei am 17.04.2007 vor dem Rathaus wurden bereits einige Fahrräder
überprüft und wichtige Hinweise für das korrekte Verhalten im
Straßenverkehr vermittelt, denn bedingt durch das sommerliche Wetter
sind schon jetzt wieder viele mit dem Rad unterwegs.

Leider ereigneten sich in diesem Jahr schon 24 Verkehrsunfälle mit
Fahrradfahrern (Vorjahr: 20). Dabei wurden 4 Personen schwer (1 SV im
Vergleichszeitraum 2006) und 15 Personen leicht verletzt ( 12 LV im
Vergleichszeitraum 2006).

Deswegen wird die Polizei im nachfolgenden bei dem zunehmenden
Aufkommen auch auf das richtige Verhalten von Radfahrern achten und
die Kontrollen intensivieren.

Ein besonderes Augenmerk wird auf typische Fehler von Radfahrern
gelegt:
- Benutzung des falschen Radweges oder Fahren in die falsche Richtung
- Missachtung des Rotlichts und der Vorfahrtregeln.

Entgegen der Vorschrift werden oftmals auch Fußgängerüberwege von
den Radlern fahrend überquert.

Verkehrsunfälle mit der Beteiligung von Fahrradfahrern sind im
Regelfall fast immer mit Verletzungen verbunden. Besonders das Risiko
von Kopfverletzungen ist in dieser Gruppe unverhältnismäßig hoch.

Im eigenen Interesse sollten daher Kinder, aber auch Erwachsene
auf einen Fahrradhelm nicht verzichten! (Die Wucht des Aufpralls auf
Asphalt bei 25 km/h entspricht einem Kopfüber-Sturz aus drei Metern
Höhe.)

Wer Köpfchen hat, der schützt es, denn Fahrradhelme können Leben
retten!

Gerade Radfahrer sind den Gefahren des immer dichter werdenden
Verkehrs besonders ausgesetzt. Mit dem Verzicht auf den Schutz eines
Fahrradhelmes, verzichten sie auf ein Stück zusätzliche Sicherheit.
Der Anteil der Radfahrer mit Helm ist auf Wolfsburgs Straßen noch
relativ gering, sollte aber für viele andere beispielgebend sein.


ots Originaltext: Polizei Wolfsburg
Digitale Pressemappe:
http://www.polizeipresse.de/p_story.htx?firmaid=56520

Rückfragen bitte an:

Polizei Wolfsburg
Pressestelle

Telefon: 05361/4646104
E-Mail: ***@pi-wob.polizei.niedersachsen.de

----------

Leider haben die kein Gästebuch ...
Mathias Böwe
2007-04-18 17:53:01 UTC
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Raw Message
Post by Jens Müller
Deswegen wird die Polizei im nachfolgenden bei dem zunehmenden
Aufkommen auch auf das richtige Verhalten von Radfahrern achten und
die Kontrollen intensivieren.
Also erstmal die Opfer stimatisieren, wobei ich vermute, daß auch hier
wieder überproportional häufig andere Verkehrsteilnehmer den Unfall
verursacht haben.
Post by Jens Müller
Ein besonderes Augenmerk wird auf typische Fehler von Radfahrern
- Benutzung des falschen Radweges oder Fahren in die falsche Richtung
Und warum wird das dann oft genug zwingend angeordnet?
Post by Jens Müller
- Missachtung des Rotlichts und der Vorfahrtregeln.
Inwiefern sind das typische Fehler von Fahrradfahrern?
Post by Jens Müller
Entgegen der Vorschrift werden oftmals auch Fußgängerüberwege von
den Radlern fahrend überquert.
Diese Vorschrift hätte ich gerne benannt.
Post by Jens Müller
Verkehrsunfälle mit der Beteiligung von Fahrradfahrern sind im
Regelfall fast immer mit Verletzungen verbunden. Besonders das Risiko
von Kopfverletzungen ist in dieser Gruppe unverhältnismäßig hoch.
Was raucht der Verfasser dieser Meldung? Jedenfalls sollte er das
absetzen, es führt zu Halluzinationen.
Post by Jens Müller
Im eigenen Interesse sollten daher Kinder, aber auch Erwachsene
auf einen Fahrradhelm nicht verzichten! (Die Wucht des Aufpralls auf
Asphalt bei 25 km/h entspricht einem Kopfüber-Sturz aus drei Metern
Höhe.)
Erstens ist das schon mal physikalisch an Schwachsinn nicht mehr zu
überbieten und zweitens möchte ich jeden Quaderhutprediger erstmal einen
Kopfsprung aus drei Meter Höhe machen sehen - gerne mit einem
Fahrradhelm seiner Wahl. Was, er will nicht springen? Warum nicht? Mit
ein paar Gramm Styropor kann doch nichts mehr passieren!
Post by Jens Müller
Wer Köpfchen hat, der schützt es, denn Fahrradhelme können Leben
retten!
Noch viele Leben werden aber vernichtet. Schlechter Deal.
Post by Jens Müller
Gerade Radfahrer sind den Gefahren des immer dichter werdenden
Verkehrs besonders ausgesetzt. Mit dem Verzicht auf den Schutz eines
Fahrradhelmes, verzichten sie auf ein Stück zusätzliche Sicherheit.
Papperlapapp! Haltloses Geschwätz! Nicht stichhaltiger als der Ruf nach
einer *geweihten* Christophorusplakette.
Post by Jens Müller
Der Anteil der Radfahrer mit Helm ist auf Wolfsburgs Straßen noch
relativ gering, sollte aber für viele andere beispielgebend sein.
Ja, als abschreckendes.

Mathias
--
inzwischen auch ohne signature
Bernd Sluka
2007-04-18 22:16:39 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Mathias Böwe
Post by Jens Müller
- Missachtung des Rotlichts und der Vorfahrtregeln.
Inwiefern sind das typische Fehler von Fahrradfahrern?
Zumindest letzteres ist die häufigste durch Radfahrer gesetzte
Unfallursache, insofern also typisch. Das liegt aber eher daran, daß
andere Fehler von Radfahrern nicht unfallursächlich zu Tag treten.
--
A || Bernd Sluka
A A u u ==##== ooo
AAAAA u u || o o Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie
A A uu || ooo Ihren Arzt, die Umwelt oder Ihre Kinder
Peter Ziegler
2007-04-19 05:16:12 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Bernd Sluka
Post by Mathias Böwe
Post by Jens Müller
- Missachtung des Rotlichts und der Vorfahrtregeln.
Inwiefern sind das typische Fehler von Fahrradfahrern?
Zumindest letzteres ist die häufigste durch Radfahrer gesetzte
Unfallursache, insofern also typisch. Das liegt aber eher daran, daß
andere Fehler von Radfahrern nicht unfallursächlich zu Tag treten.
Das sehen regionale Pozileisprecher anders. In der sonntäglichen
Schmierpresse wird der Regensburger Pozileisprecher Rebele wörtlich
zitiert: "Hauptursache für die Unfälle waren Geisterradler, die mit
ihrem Drahtesel auf der falschen Straßenseite fuhren." Danach: Auf Platz
zwei liegen Rotlicht- und Vorfahrtsmissachtungen.

Das Verfolgen der Meldungen der letzten Jahren zeigt aber, dass diese
Aussagen sich immer an der jeweiligen Berichterstattung orientieren.
Nach einer Schwerpunktaktion "Licht" in der Fußgängerzone sind auf Platz
eins der Unfallverursacher die "Ohne-Licht-Fahrer", nach einer
Schulwegskontrolle sind die größten Unfallverursacher Radfahrer ohne
funktionierende Bremsen.

Falls Rebele den ersten Punkt echt so gesagt hat (bei der BLIZZ-Zeitung
kann man da aber getrost davon ausgehen, dass er der blühenden Phantasie
des Redakteurs entspringt), wäre das eine gefundene Steilvorlage für die
Abschaffung der Ben.Pfl. für linksseitige Radwege, denn *die* - egal ob
ben.pfl. oder nicht (und Gehwege ) hat er vermutlich gemeint.
Bernd Sluka
2007-04-19 06:17:04 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Peter Ziegler
Post by Bernd Sluka
Post by Mathias Böwe
Post by Jens Müller
- Missachtung des Rotlichts und der Vorfahrtregeln.
Inwiefern sind das typische Fehler von Fahrradfahrern?
Zumindest letzteres ist die häufigste durch Radfahrer gesetzte
Unfallursache, insofern also typisch. Das liegt aber eher daran, daß
andere Fehler von Radfahrern nicht unfallursächlich zu Tag treten.
Das sehen regionale Pozileisprecher anders. In der sonntäglichen
Schmierpresse wird der Regensburger Pozileisprecher Rebele wörtlich
zitiert: "Hauptursache für die Unfälle waren Geisterradler, die mit
ihrem Drahtesel auf der falschen Straßenseite fuhren." Danach: Auf Platz
zwei liegen Rotlicht- und Vorfahrtsmissachtungen.
Ich weiß, daß das regionale Polizeisprecher so darstellen. Tatsächlich
ist in den meisten dieser Unfälle aber der andere Beteiligte
Hauptverursacher.
--
A || Bernd Sluka
A A u u ==##== ooo
AAAAA u u || o o Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie
A A uu || ooo Ihren Arzt, die Umwelt oder Ihre Kinder
Ingo Keck
2007-04-19 08:14:55 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Peter Ziegler
Falls Rebele den ersten Punkt echt so gesagt hat (bei der BLIZZ-Zeitung
kann man da aber getrost davon ausgehen, dass er der blühenden Phantasie
des Redakteurs entspringt),
Wenn ich dran denke, das die Blizz in Regensburg vor einen Jahr die
einzige Zeitung war, die sich ab und zu Stadt-kritische
Berichterstattung erlaubte (sogar das Wochenblatt ist inzwischen
eingeknickt)...

Junge, bin ich froh da nicht mehr zu wohnen.
Post by Peter Ziegler
wäre das eine gefundene Steilvorlage für die
Abschaffung der Ben.Pfl. für linksseitige Radwege, denn *die* - egal ob
ben.pfl. oder nicht (und Gehwege ) hat er vermutlich gemeint.
Soweit denkt der nicht. Und wenn, dann bekommt er vom Ordnungsamtschef
was auf den Deckel.

Ingo.
Mathias Böwe
2007-04-19 05:27:22 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Bernd Sluka
Post by Mathias Böwe
Post by Jens Müller
- Missachtung des Rotlichts und der Vorfahrtregeln.
Inwiefern sind das typische Fehler von Fahrradfahrern?
Zumindest letzteres ist die häufigste durch Radfahrer gesetzte
Unfallursache, insofern also typisch. Das liegt aber eher daran, daß
andere Fehler von Radfahrern nicht unfallursächlich zu Tag treten.
Typisch also nur in dem Sinne, daß *wenn* ein von einem Fahrradfahrer
wegen eines Regelverstoßes verursachter Unfall vorliegt, *dann* häufig
festgestellt werden kann, daß dieser Regelverstoß das Mißachten des
Rotlichts ist. Obige Formulierung impliziert aber etwas völlig anderes:
*Wenn* von einem Verkehrsteilnehmer ein Regelverstoß im Form des
Mißachtens des Rotlichts vorliegt, *dann* kann häufig festgestellt
werden, daß dieser Verkehrsteilnehmer ein Fahrradfahrer ist. Diese
beiden Aussagen haben also herzlich wenig miteinander zu tun.

Mathias
--
<> Noch bis zum 27. April mitzeichnen: <>
<> Petition zur Abschaffung der Radwegebenutzungspflicht <>
<> <http://www.radwege-petition.de> <>
Bernd Sluka
2007-04-19 06:18:36 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Mathias Böwe
Post by Bernd Sluka
Post by Mathias Böwe
Post by Jens Müller
- Missachtung des Rotlichts und der Vorfahrtregeln.
Inwiefern sind das typische Fehler von Fahrradfahrern?
Zumindest letzteres ist die häufigste durch Radfahrer gesetzte
Unfallursache, insofern also typisch. Das liegt aber eher daran, daß
andere Fehler von Radfahrern nicht unfallursächlich zu Tag treten.
Typisch also nur in dem Sinne, daß *wenn* ein von einem Fahrradfahrer
wegen eines Regelverstoßes verursachter Unfall vorliegt, *dann* häufig
festgestellt werden kann, daß dieser Regelverstoß das Mißachten des
Rotlichts ist.
Das geht auch kürzer:
Vorfahrtsmißachtungen sind typische Unfallursachen bei Radfahrern.

Übrigens: Zu Rotlichtverstößen habe ich mich nicht geäußert.
--
A || Bernd Sluka
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Mathias Böwe
2007-04-19 18:50:27 UTC
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Raw Message
Post by Bernd Sluka
Vorfahrtsmißachtungen sind typische Unfallursachen bei Radfahrern.
Typisch im Sinne von häufig unter allen Ursachen? IIRC: ja. Ich habe mit
diesem Satz, auch wenn er sachlich richtig ist, deshalb meine Probleme,
weil er vom unbedarften Leser interpretiert wird als
"Vorfahrtmißachtungen sind radfahrertypische Unfallursachen". Auch das
ist wieder etwas völlig anderes als dort geschrieben steht.
Post by Bernd Sluka
Übrigens: Zu Rotlichtverstößen habe ich mich nicht geäußert.
Das ist richtig, ich hatte das zuvor fehlinterpretiert.

Mathias
--
<> Noch bis zum 27. April mitzeichnen: <>
<> Petition zur Abschaffung der Radwegebenutzungspflicht <>
<> <http://www.radwege-petition.de> <>
Christoph Maercker
2007-04-19 11:44:39 UTC
Permalink
Raw Message
Bernd Sluka wrote:
[ Missachtung des Rotlichts und der Vorfahrtregeln]
Post by Bernd Sluka
Zumindest letzteres ist die häufigste durch Radfahrer gesetzte
Unfallursache, insofern also typisch. Das liegt aber eher daran, daß
andere Fehler von Radfahrern nicht unfallursächlich zu Tag treten.
Wie jetzt? Durch Radfahrer verschuldete Vorfahrtfehler sind häufigste
Ursache von Fahrrad-Unfällen? Wo? Bundesweit?

Für Magdeburg und Sachsen-Anhalt trifft das jedenfalls nicht zu:

Hauptunfallursachen bei Unfällen mit Radverkehrsbeteiligung
(Sachsen-Anhalt 2005)
* Fahren entgegen der zulässigen Fahrtrichtung 20%
* alkoholbedingte Fahruntüchtigkeit 14%
* falsches Verhalten gegenüber Fußgängern 11%
* Ein- und Ausfahren 10%
* drogenbedingte Fahruntüchtigkeit 6%
* Vorfahrtfehler 5%

In Mageburg liegt Vorfahrt auf Platz 2..3 nach Geisterradlern. Hinzu
kommt, dass deutlich weniger als 50% der Radfahrer bei Unfällen infolge
Vorfahrtfehlern schuld waren.

Und welche anderen Fehler meinst Du, die "nicht unfallursächlich zu Tag
treten"?
--
CU Christoph Maercker.

RADWEGE sind TODSICHER!
Bernd Sluka
2007-04-19 12:41:53 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Christoph Maercker
Und welche anderen Fehler meinst Du, die "nicht unfallursächlich zu Tag
treten"?
"Handzeichen" (häufig Pseudoverstoß)
ohne Beleuchtung fahren
Kurve schneiden (Rechtsfahrgebot)
Rückschau vor beim Abbiegen
falsche Wahl des Fahrstreifens
--
A || Bernd Sluka
A A u u ==##== ooo
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Christoph Maercker
2007-04-20 10:25:40 UTC
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Raw Message
Post by Bernd Sluka
"Handzeichen" (häufig Pseudoverstoß)
Rückschau vor beim Abbiegen
Müsste einklich unter Abbiegefehler erscheinen. Werd ich bei Gelegenheit
mal den Unfalldienst fragen, ob die Genaueres wissen. Einordnen/Abbiegen
ohne Umschauen ist ja so selten nicht zu beobachten.
Post by Bernd Sluka
ohne Beleuchtung fahren
Kurve schneiden (Rechtsfahrgebot)
falsche Wahl des Fahrstreifens
So detailliert geben es die wenigsten Unfallstatistiken wieder. Nur bei
Beleuchtung ist bekannt, dass sie scheinbar selten unfallursächlich in
Erscheinung tritt. Scheinbar deswegen, weil weit weniger Radfahrer
nachts fahren als tagsüber.
--
CU Christoph Maercker.

RADWEGE sind TODSICHER!
Christian Walter
2007-04-19 07:00:57 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Mathias Böwe
Post by Jens Müller
Entgegen der Vorschrift werden oftmals auch Fußgängerüberwege von
den Radlern fahrend überquert.
Diese Vorschrift hätte ich gerne benannt.
Ich auch, insbesondere weil wir die Diskussion im Herbst im Zuge der
Berichterstattung über die Freiburger Fahrradstaffel der Polizei auch
schon mal hatten. Deswegen habe ich gestern auch mal bei der
angegebenen Mail Adresse nachgefragt. Bin mal gespannt ob ich eine
Antwort erhalte.

Gruss Christian
Christian Walter
2007-04-20 09:07:01 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Christian Walter
Post by Mathias Böwe
Post by Jens Müller
Entgegen der Vorschrift werden oftmals auch Fußgängerüberwege von
den Radlern fahrend überquert.
Diese Vorschrift hätte ich gerne benannt.
Ich auch, insbesondere weil wir die Diskussion im Herbst im Zuge der
Berichterstattung über die Freiburger Fahrradstaffel der Polizei auch
schon mal hatten. Deswegen habe ich gestern auch mal bei der
angegebenen Mail Adresse nachgefragt. Bin mal gespannt ob ich eine
Antwort erhalte.
Ok, die Antwort ist da und ich möchte Sie Euch nicht vorenthalten.
Meine Anmerkungen habe ich gleich zwischen die Passagen eingehängt.

|Polizeiinspektion Wolfsburg – Helmstedt |Wolfsburg, 19.04.2007
|- Sachbereich Verkehr -

|Hinweise zum Presseartikel vom 18.04.2007


|Laut § 26 StVO sind nur Fußgänger und Rollstuhlfahrer am
|Fußgängerüberweg bevorrechtigt.

|Radfahrer dürfen einen Fußgängerüberweg durchaus befahren. Wenn sie
|gegenüber herannahenden Kfz-Führer den „Fußgängerstatus“ für sich in
|Anspruch nehmen und auf ihren Vorrang vertrauen, entspricht ihr
|Verhalten insofern nicht der Vorschrift.

So so, das herbeiphantasierte Verbot für das Überfahren des
Fußgängerüberwegs war also Quatsch. Einen Hinweis auf die Änderung des
Presseartikels habe ich angeregt.

|Nach Ergebnisse aus der Unfallforschung soll nachgewiesen sein, dass
|Radfahrer bei Unfällen zu 86 % Kopfverletzungen, zu 74 %
|Beinverletzungen und zu 58 % Armverletzungen davontragen.
|Aus einer Studie zum Thema Kopfverletzungen bei Fahrradunfällen mit
|tödlichem Ausgang ist deutlich sichtbar, dass die Überlebensrate 95 %
|betragen hätte, wenn die Unfallopfer einen Helm getragen hätten.

86% Kopfverletzungen hören sich viel an ich dachte es wären eher 70%.
95% Überlebensrate mit Helm bei Kopfverletzungen, phantastisch. Ich
glaube da werde ich mal noch nach der Quelle fragen müssen.

|Im Jahr 2006 ereigneten sich im Bereich der Stadt Wolfsburg 147
|Verkehrsunfälle unter Beteiligung von Fahrradfahrern. In 83 % der
|Fälle kam es dabei zu Personenschäden.
|Insgesamt wurden 9 Fahrradfahrer schwer und 112 leicht verletzt.

Hört sich sehr durchschnittlich an.

|Vielfach ist festzustellen, dass sich die Fahrradfahrer der Risiken
|im Straßenverkehr nicht in dem erforderlichen Maße bewusst sind. Bei
|53 % der Verkehrsunfälle haben die Radler durch ihr Verhalten
|zumindest zum Verkehrsunfall beigetragen.

53% wäre ausgesprochen niedrig, wenn sie alle registrierten Unfälle
meinen. Falls sie nur die mit anderen Verkehrsgruppen meinen sollten
etwas über 50% eigentlich normal sein.

|Unser Ziel ist es, das Radwegenetz in der Stadt Wolfsburg zu
|optimieren und das Gefahrenbewusstsein der Fahrradfahrer zu |schärfen.

Oh je.

|Aktionstage und Präventionsveranstaltungen tragen einen wesentlich
|Teil dazu bei.

|Ein Fahrradhelm schützt bei einem Sturz aus drei Metern Höhe sicher
|nicht vor Verletzungen. Vielleicht hilft dieses Beispiel aber, um die
|Betroffenen zu sensibilisieren.

Verstehe ich nicht. Man hätte sowohl bei 25km/h Kopf voraus auf ein
festes Hindernis oder 3m Sturz kopfüber auch mit Helm wenig
Überlebenschancen durch den fälligen Genickbruch. Damit wäre das
Beispiel ungeeignet.

Gruss Christian
Stefan Barnikow
2007-04-20 12:51:21 UTC
Permalink
Raw Message
[...]
|Polizeiinspektion Wolfsburg ? Helmstedt
|Wolfsburg, 19.04.2007
|- Sachbereich Verkehr -
|Hinweise zum Presseartikel vom 18.04.2007
|Laut § 26 StVO sind nur Fußgänger und Rollstuhlfahrer am
|Fußgängerüberweg bevorrechtigt.
|Radfahrer dürfen einen Fußgängerüberweg durchaus befahren. Wenn sie
|gegenüber herannahenden Kfz-Führer den ?Fußgängerstatus? für sich in
|Anspruch nehmen und auf ihren Vorrang vertrauen, entspricht ihr
|Verhalten insofern nicht der Vorschrift.
So so, das herbeiphantasierte Verbot für das Überfahren des
Fußgängerüberwegs war also Quatsch. Einen Hinweis auf die Änderung des
Presseartikels habe ich angeregt.
Gut.
|Nach Ergebnisse aus der Unfallforschung soll nachgewiesen sein, dass
|Radfahrer bei Unfällen zu 86 % Kopfverletzungen, zu 74 %
|Beinverletzungen und zu 58 % Armverletzungen davontragen.
|Aus einer Studie zum Thema Kopfverletzungen bei Fahrradunfällen mit
|tödlichem Ausgang ist deutlich sichtbar, dass die Überlebensrate 95 %
|betragen hätte, wenn die Unfallopfer einen Helm getragen hätten.
86% Kopfverletzungen hören sich viel an ich dachte es wären eher 70%.
Auf eine gewisse Auswahl aller Unfälle (nur die erfaßten, nur die mit
Verletzten, nur die mit mindestens einer Nacht im Krankenhaus o.ä.)
mag das zutreffen. Für die Gesamtheit der Fahrradunfälle liegen die
Zahlen wahrscheinlich um eine Zehnerpotenz oder mehr zu hoch und
dürften außerdem ein anderes Gefälle haben (Kopf relativ seltener
betroffen als Arme oder Beine).

[...]
|Im Jahr 2006 ereigneten sich im Bereich der Stadt Wolfsburg 147
|Verkehrsunfälle unter Beteiligung von Fahrradfahrern. In 83 % der
|Fälle kam es dabei zu Personenschäden.
|Insgesamt wurden 9 Fahrradfahrer schwer und 112 leicht verletzt.
Da fehlt wohl ein "polizeilich erfaßt" vor "Fälle". Wie auch bei
einigen anderen Angaben weiter unten in dem Schreiben.
|Vielfach ist festzustellen, dass sich die Fahrradfahrer der Risiken
|im Straßenverkehr nicht in dem erforderlichen Maße bewusst sind. Bei
|53 % der Verkehrsunfälle haben die Radler durch ihr Verhalten
|zumindest zum Verkehrsunfall beigetragen.
53% wäre ausgesprochen niedrig, wenn sie alle registrierten Unfälle
meinen. Falls sie nur die mit anderen Verkehrsgruppen meinen sollten
etwas über 50% eigentlich normal sein.
Es steht nicht "Hauptverursacher", sondern "beigetragen" da. D.h. in
47% der Fälle gab's am Verhalten des Radfahrers nichtmal dann etwas
auszusetzen, wenn die Hauptschuld beim anderen Beteiligten lag.
Alleinunfälle spielen unter den registrierten Unfällen
wahrscheinlich keine Rolle.
Beratungsstelle für Unfallbehutung
2007-04-18 19:23:11 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Jens Müller
(Die Wucht des Aufpralls auf
Asphalt bei 25 km/h entspricht einem Kopfüber-Sturz aus drei Metern
Höhe.)
Damit sagen sie ja, dass der Radhelm nichtmal bei 25 km/h sinnvoll
schützt. Also keine Helmpropaganda. ;-)
Volker Bartheld
2007-04-19 14:17:48 UTC
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Raw Message
Hi!
Post by Jens Müller
http://www.presseportal.de/polizeipresse/p_story.htx?nr=972248
Noch ein heiterer Nachtrag. Ich nenne hier keine Namen und anonymisiere ein
klein wenig, die Antwort aus der PI Wolfsburg Sachbereich Verkehr auf mein
u. a. Schreiben moechte ich euch jedoch nicht vorenthalten:

=====================================================================

Sehr geehrte Damen und Herren!

Ich beziehe mich auf die Pressemappe vom 18.4. und einige Aeusserungen
die in ihrer Art und Weise nicht mit der vermeintlichen Fachkompetenz
der Polizei vereinbar sind.
Post by Jens Müller
http://www.presseportal.de/polizeipresse/p_story.htx?nr=972248
Leider ereigneten sich in diesem Jahr schon 24 Verkehrsunfälle mit
Fahrradfahrern (Vorjahr: 20). Dabei wurden 4 Personen schwer (1 SV im
Vergleichszeitraum 2006) und 15 Personen leicht verletzt ( 12 LV im
Vergleichszeitraum 2006).
In welchem Gebiet wurde die Erhebung betrieben und inwiefern ist die
Verletzungshaeufigkeit in Relation mit der Zahl in Kfz verunfallten
Verkehrsteilnehmern erheblich um auf ein angeblich besonderes
Unfallrisiko von Fahrradfahrern hinzuweisen?
Post by Jens Müller
Ein besonderes Augenmerk wird auf typische Fehler von Radfahrern
gelegt: [...]
Verkehrsunfälle mit der Beteiligung von Fahrradfahrern sind im
Regelfall fast immer mit Verletzungen verbunden. Besonders das
Risiko von Kopfverletzungen ist in dieser Gruppe unverhältnismäßig
hoch.
Im eigenen Interesse sollten daher Kinder, aber auch Erwachsene auf
einen Fahrradhelm nicht verzichten! (Die Wucht des Aufpralls auf
Asphalt bei 25 km/h entspricht einem Kopfüber-Sturz aus drei Metern
Höhe.)
Inwieweit ist aus der Beteiligung eines Fahrradfahrers an einem
Verkehrsunfall ein Fehlverhalten zu schliessen? Worauf begruenden Sie
das unverhaeltnismaessig hohe Risiko von Kopferletzungen? Nach mir
vorliegenden Statistiken sind verunfallte Kfz-Lenker am haeufigsten
von Schaedel-Hirn-Traumata betroffen. Sollte man nicht hier das Tragen
eines Helmes motivieren, so wie es die Rallyefahrer laengst tun?

Warum sind vor allem Kinder durch Fahrradhelme besonders geschuetzt
und warum wird impliziert, dass dieser vermeintliche Schutz bei
Erwachsenen optional sei? Ist die Schutzwirkung insb. von
*Fahrradhelmen* bei relevanten Unfallszenarien erwiesen? Eine
Schutzwirkung von Integralhelmen, wie sie z. B. Motorradfahrer
verwenden ist evident, bei mehrfach durchbrochene Styroporschalen, die
weit ausladen und noch dazu den Kinnbereich nicht sondern nur den
oberen Schaedelbereich abdecken jedoch mehr als fraglich. Insbesondere
angesichts der durch groessere Hebelarme hoeheren Krafteinleitung auf
die Halswirbelsaeule.

Wie errechnet sich der Vergleich eines Drei-Meter-Kopfsprungs aus
einer Geschwindigkeit von 25km/h? Man muss kein Diplomphysiker sein um
einzusehen, dass die Geschwindigkeitsvektoren in und senkrecht zur
Fahrtrichtung unabhaengig sind (Stichworte: "schiefer Wurf"). Fuer
einen Sturz auf die Fahrbahn ist daher die Hoehe des Kopfes ueber
Grund relevant, gesetzt den Fall man vernachlaessigt einen
Frontalaufprall auf eine Wand und diverse Schleudereffekte.

Die genannten Zahlen sind auch aus anderem Grund sinnfrei: Einen
Frontalaufprall mit 25km/h auf eine harte Oberflaeche oder analog
einen Kopfsprung vom 3-Meter-Brett uebersteht auch kein im Radhelm
eingepackter Schaedel samt daranhaengender Wirbelsaeule.
Post by Jens Müller
Wer Köpfchen hat, der schützt es, denn Fahrradhelme können Leben
retten! Gerade Radfahrer sind den Gefahren des immer dichter
werdenden Verkehrs besonders ausgesetzt. Mit dem Verzicht auf den
Schutz eines Fahrradhelmes, verzichten sie auf ein Stück zusätzliche
Sicherheit. Der Anteil der Radfahrer mit Helm ist auf Wolfsburgs
Straßen noch relativ gering, sollte aber für viele andere
beispielgebend sein.
Wer unreflektiert vagen Vermutungen hinterherlaeuft ist kein Beispiel
sondern ein Lemming. Ohne harte Fakten billige ich aktuellen
Fahrradhelmmodellen nicht mehr Schutzwirkung zu als dem durch
derartigen Ausruestungswahnsinn zurueckgehenden Radverkehr. Es waere
Zeit, das Uebel an der Wurzel zu packen: Die wenigsten schweren
Radunfaelle passieren im Alleingang. Meist ist ein Autofahrer
beteiligt und zudem auch haeufig noch der Verursacher.

Ich urteile aus gaengigen Statistiken und meinen Erfahrungen als Rad-
aber auch Motorradfahrer im taeglichen Stadtverkehr von Muenchen.

Etwas weniger Panikmache und mehr Fakten bitte!


Herzlichen Dank und mit Gruessen aus Muenchen,

Volker Bartheld

=====================================================================


Polizeiinspektion Wolfsburg – Helmstedt Wolfsburg, 19.04.2007
- Sachbereich Verkehr -



Hinweise zum Presseartikel vom 18.04.2007


Laut § 26 StVO sind nur Fußgänger und Rollstuhlfahrer am Fußgängerüberweg
bevorrechtigt.

Radfahrer dürfen einen Fußgängerüberweg durchaus befahren. Wenn sie
gegenüber herannahenden Kfz-Führer den „Fußgängerstatus“ für sich in
Anspruch nehmen und auf ihren Vorrang vertrauen, entspricht ihr Verhalten
insofern nicht der Vorschrift.

Nach Ergebnisse aus der Unfallforschung soll nachgewiesen sein, dass
Radfahrer bei Unfällen zu 86 % Kopfverletzungen, zu 74 % Beinverletzungen
und zu 58 % Armverletzungen davontragen.
Aus einer Studie zum Thema Kopfverletzungen bei Fahrradunfällen mit
tödlichem Ausgang ist deutlich sichtbar, dass die Überlebensrate 95 %
betragen hätte, wenn die Unfallopfer einen Helm getragen hätten.

Im Jahr 2006 ereigneten sich im Bereich der Stadt Wolfsburg 147
Verkehrsunfälle unter Beteiligung von Fahrradfahrern. In 83 % der Fälle kam
es dabei zu Personenschäden.
Insgesamt wurden 9 Fahrradfahrer schwer und 112 leicht verletzt.

Vielfach ist festzustellen, dass sich die Fahrradfahrer der Risiken im
Straßenverkehr nicht in dem erforderlichen Maße bewusst sind. Bei 53 % der
Verkehrsunfälle haben die Radler durch ihr Verhalten zumindest zum
Verkehrsunfall beigetragen.

Unser Ziel ist es, das Radwegenetz in der Stadt Wolfsburg zu optimieren und
das Gefahrenbewusstsein der Fahrradfahrer zu schärfen.

Aktionstage und Präventionsveranstaltungen tragen einen wesentlich Teil
dazu bei.

Ein Fahrradhelm schützt bei einem Sturz aus drei Metern Höhe sicher nicht
vor Verletzungen. Vielleicht hilft dieses Beispiel aber, um die Betroffenen
zu sensibilisieren.

=====================================================================

Ich erspare mir und euch einen weiteren Kommentar zu den vorgetragenen
Argumenten.

Gruss,
Volker
--
mailto: V B A R T H E L D at G M X dot D E
Stefan Barnikow
2007-04-20 12:54:47 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Volker Bartheld
Hi!
Post by Jens Müller
http://www.presseportal.de/polizeipresse/p_story.htx?nr=972248
Noch ein heiterer Nachtrag. Ich nenne hier keine Namen und anonymisiere ein
klein wenig, die Antwort aus der PI Wolfsburg Sachbereich Verkehr auf mein
[Schnipp Schreiben und Antwort]

Ist Christian Wacker dein zweiter Name oder schicken die einen
vorgefertigten Textbaustein an jeden Anfragenden raus?


Ciao,
Stefan
Volker Bartheld
2007-04-20 15:18:25 UTC
Permalink
Raw Message
Hi!
Post by Stefan Barnikow
[Schnipp Schreiben und Antwort]
Ist Christian Wacker dein zweiter Name oder schicken die einen
vorgefertigten Textbaustein an jeden Anfragenden raus?
Nein/ja.

Wie auch zu erwarten war. Uebrigens: Wenn sich die Beamten auch so gut in
ihrem eigentlichen Metier auskennen, sehe ich goldene Zeiten fuer mein
semilegales Krad auf mich zukommen. Narrenkappe auf und alles ist gut.

Gruesse,
Vol"Ja, Herr Oberwachtmeister - aber ich trug doch einen Helm!"ker
--
mailto: V B A R T H E L D at G M X dot D E
Mathias Böwe
2007-04-22 17:09:23 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Jens Müller
Leider haben die kein Gästebuch ...
Nö, aber eine Kontaktadresse. Mal sehen, ob und falls ja wie die
antworten.

Mathias
--
<> Noch bis zum 27. April mitzeichnen: <>
<> Petition zur Abschaffung der Radwegebenutzungspflicht <>
<> <http://www.radwege-petition.de> <>
Marco Heinrich
2018-07-10 22:53:12 UTC
Permalink
Raw Message
Am Mittwoch, 18. April 2007 18:40:13 UTC+2 schrieb Jens Müller:

[Polizei Wolfsburg:]
Post by Jens Müller
Gerade Radfahrer sind den Gefahren des immer dichter werdenden
Verkehrs besonders ausgesetzt. Mit dem Verzicht auf den Schutz eines
Fahrradhelmes, verzichten sie auf ein Stück zusätzliche Sicherheit.
Der Anteil der Radfahrer mit Helm ist auf Wolfsburgs Straßen noch
relativ gering, sollte aber für viele andere beispielgebend sein.
Auch in Lüneburg wird fleißig Bingo gespielt. Einer der üblichen
Sommerlochaufreger halt:
https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/1717602-die-sache-mit-dem-kopfschutz

Immerhin kritische Hinweise der Redakteurin auf wissenschaftliche
Untersuchungen über den sinkenden RF-Anteil in NZ nach Plastikkappenzwang-
Einführung, auf Safety in Numbers, Risikokompensation oder Ian Walker werden
vom Fahrradexperten der Polizei mit überzeugenden Gegenargumenten wie »Das
ist doch wohl Quatsch« oder »Seitdem ich mit dem Helm unterwegs bin, fahre
ich viel vorsichtiger« fundiert widerlegt. Wozu brauchen wir überhaupt noch
teure Verkehrspsychologen und Unfallforscher, wenn der Herr Wachtmeister es
viel besser weiß?
Post by Jens Müller
Leider haben die kein Gästebuch ...
Aber eine Kommentarfunktion.
Karsten H.
2018-07-10 23:22:16 UTC
Permalink
Raw Message
Am Mittwoch, 11. Juli 2018 00:53:13 UTC+2 schrieb Marco Heinrich:
(...)
Post by Marco Heinrich
Auch in Lüneburg wird fleißig Bingo gespielt. Einer der üblichen
https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/1717602-die-sache-mit-dem-kopfschutz
Immerhin kritische Hinweise der Redakteurin auf wissenschaftliche
Untersuchungen über den sinkenden RF-Anteil in NZ nach Plastikkappenzwang-
Einführung, auf Safety in Numbers, Risikokompensation oder Ian Walker werden
vom Fahrradexperten der Polizei mit überzeugenden Gegenargumenten wie »Das
ist doch wohl Quatsch« oder »Seitdem ich mit dem Helm unterwegs bin, fahre
ich viel vorsichtiger« fundiert widerlegt. Wozu brauchen wir überhaupt noch
teure Verkehrspsychologen und Unfallforscher, wenn der Herr Wachtmeister es
viel besser weiß?
Post by Jens Müller
Leider haben die kein Gästebuch ...
Aber eine Kommentarfunktion.
Danke für den Hinweis.
Im Artikel werden die üblichen "80 %" genannt, die verdächtig
nach Thompson, Rivarra Thompson riechen, genannt. (Natürlich
ohne irgendeine Quelle zu benennen)

Ein Kommentator verweist auf einen "Welt"-Artikel, der über eine
Studie "der Universität Arizona" zu berichten weiß.
Das ist wohl diese:
https://www.americanjournalofsurgery.com/article/S0002-9610%2816%2930366-X/fulltext
Studie von 2015, mit Daten von 2012, Kennt jemand?
Gibt es einen kostenlosen Link zum Volltext?

Gruss Karsten
Johann Mayerwieser
2018-07-11 05:35:50 UTC
Permalink
Raw Message
Im Artikel werden die üblichen "80 %" genannt, die verdächtig nach
Thompson, Rivarra Thompson riechen, genannt. (Natürlich ohne irgendeine
Quelle zu benennen)
Sie schreiben "bis zu 80%", das macht das weniger angreifbar. Auf der
anderen Seite schreiben sie "*wollen* Forscher herausgefunden haben"
Thomas Sçhlueter
2018-07-11 09:23:53 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Karsten H.
https://www.americanjournalofsurgery.com/article/S0002-9610%2816%2930366-X/fulltext
Studie von 2015, mit Daten von 2012, Kennt jemand?
Ja, hier. Die Studie untersucht die Einträge im nationalen
Traumaregister der USA. Das heißt, das der Datensatz bereits auf
Patienten der teilnehmenden Trauma-Kliniken selektioniert ist.
Wer in die Datenbank kommt, musste bereits eine gewisse Mindestschwere
der Verletzungen (nicht unbedingt am Kopf) aufweisen.

Die wesentlichen Zahlen stehen schon im Abstract.

Bemerkenswert ist, dass es erhebliche Unterschiede zwischen behelmten
und unbehelmten Unfallopfer hinsichtlich Alter, Geschlechtsverteilung,
Rasse und Mitgliedschaft in einer Krankenversicherung gibt. Außerdem ist
die Helmquote der Unfallopfer altersabhängig; sie steigt mit dem Alter
von ~12% bei Kindern und Jugendlichen auf 49% bei 61-70-Jährigen stark
an. Außerdem haben die Autoren herausgefunden, dass Helme nicht nur das
Risiko einer schweren Hirnverletzung um 49%, sondern auch das Risiko
eines Bruches des Gesichtsschädels um 31% senken.

Das alles spricht IMO dafür, dass es in den Datensätzen einen starken
Bias gibt, der die behauptete Aussagekraft des Parameters "Helm/kein
Helm" als Prädiktor für die Verletzungsschwere in Frage stellt.

PM wer sich das antun will.

Tom
Karsten H.
2018-07-11 11:29:23 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Thomas Sçhlueter
Post by Karsten H.
https://www.americanjournalofsurgery.com/article/S0002-9610%2816%2930366-X/fulltext
Studie von 2015, mit Daten von 2012, Kennt jemand?
Ja, hier. Die Studie untersucht die Einträge im nationalen
Traumaregister der USA. Das heißt, das der Datensatz bereits auf
Patienten der teilnehmenden Trauma-Kliniken selektioniert ist.
Wer in die Datenbank kommt, musste bereits eine gewisse Mindestschwere
der Verletzungen (nicht unbedingt am Kopf) aufweisen.
Die wesentlichen Zahlen stehen schon im Abstract.
Bemerkenswert ist, dass es erhebliche Unterschiede zwischen behelmten
und unbehelmten Unfallopfer hinsichtlich Alter, Geschlechtsverteilung,
Rasse und Mitgliedschaft in einer Krankenversicherung gibt. Außerdem ist
die Helmquote der Unfallopfer altersabhängig; sie steigt mit dem Alter
von ~12% bei Kindern und Jugendlichen auf 49% bei 61-70-Jährigen stark
an. Außerdem haben die Autoren herausgefunden, dass Helme nicht nur das
Risiko einer schweren Hirnverletzung um 49%, sondern auch das Risiko
eines Bruches des Gesichtsschädels um 31% senken.
Das alles spricht IMO dafür, dass es in den Datensätzen einen starken
Bias gibt, der die behauptete Aussagekraft des Parameters "Helm/kein
Helm" als Prädiktor für die Verletzungsschwere in Frage stellt.
PM wer sich das antun will.
Tom
Vielen Dank für Studie und Einschätzung.

Der einleitende Satz: " helmets are known to reduce the incidence
of traumatic brain injury (TBI) after bicycle-related accidents."
ist geradezu die klassische Einleitung einer Bestätigungs-Verzerrung.

Diese Haltung bestätigen die Autoren in der weiteren Einleitung auf Seite 1:

"helmet use in bicycle riders is considered protective because of its
inherent sense and logic. "

Es geht nicht darum, zu prüfen ob..,
sondern darum den Glaubenssatz, dass... zu bestätigen.
Weil dass... fordert schon der gesunde Menschenverstand.

Die Autoren bziehen sich auf Zahlen von 2012,
stellen diesen in der Einleitung aber Zahlen über das
Gesamt-Unfallgeschehen von 2013 gegenüber.
Ohne nachvollziebare Begründung schließen sie z.b. die
Radler aus der Betrachtung aus, die unmittelbar an der
Unfallstelle oder noch im Rettungswagen gestorben sind.

Gruss Karsten
Martin Wohlauer
2018-07-12 03:41:45 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Karsten H.
Post by Thomas Sçhlueter
Post by Karsten H.
https://www.americanjournalofsurgery.com/article/S0002-9610%2816%2930366-X/fulltext
Studie von 2015, mit Daten von 2012, Kennt jemand?
Ja, hier. Die Studie untersucht die Einträge im nationalen
Traumaregister der USA. Das heißt, das der Datensatz bereits auf
Patienten der teilnehmenden Trauma-Kliniken selektioniert ist.
Wer in die Datenbank kommt, musste bereits eine gewisse Mindestschwere
der Verletzungen (nicht unbedingt am Kopf) aufweisen.
Die wesentlichen Zahlen stehen schon im Abstract.
Bemerkenswert ist, dass es erhebliche Unterschiede zwischen behelmten
und unbehelmten Unfallopfer hinsichtlich Alter, Geschlechtsverteilung,
Rasse und Mitgliedschaft in einer Krankenversicherung gibt. Außerdem ist
die Helmquote der Unfallopfer altersabhängig; sie steigt mit dem Alter
von ~12% bei Kindern und Jugendlichen auf 49% bei 61-70-Jährigen stark
an. Außerdem haben die Autoren herausgefunden, dass Helme nicht nur das
Risiko einer schweren Hirnverletzung um 49%, sondern auch das Risiko
eines Bruches des Gesichtsschädels um 31% senken.
Das alles spricht IMO dafür, dass es in den Datensätzen einen starken
Bias gibt, der die behauptete Aussagekraft des Parameters "Helm/kein
Helm" als Prädiktor für die Verletzungsschwere in Frage stellt.
PM wer sich das antun will.
Tom
Vielen Dank für Studie und Einschätzung.
Der einleitende Satz: " helmets are known to reduce the incidence
of traumatic brain injury (TBI) after bicycle-related accidents."
ist geradezu die klassische Einleitung einer Bestätigungs-Verzerrung.
"helmet use in bicycle riders is considered protective because of its
inherent sense and logic. "
Es geht nicht darum, zu prüfen ob..,
sondern darum den Glaubenssatz, dass... zu bestätigen.
Weil dass... fordert schon der gesunde Menschenverstand.
Die Autoren bziehen sich auf Zahlen von 2012,
stellen diesen in der Einleitung aber Zahlen über das
Gesamt-Unfallgeschehen von 2013 gegenüber.
Ohne nachvollziebare Begründung schließen sie z.b. die
Radler aus der Betrachtung aus, die unmittelbar an der
Unfallstelle oder noch im Rettungswagen gestorben sind.
Ganz ernsthaft: In diesen Bereichen der Forschung (nicht nur beim Thema
Helm im Speziellen) frage ich mich ja dann doch öfter, wie $Paper es
eigentlich am Referee vorbei geschafft hat... Aber ist evtl. auch eine
Frage der Qualität des Journals.

Grüßle,

Martin.
Martin Kozlowski
2018-07-12 10:21:24 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Martin Wohlauer
Post by Karsten H.
Post by Thomas Sçhlueter
Post by Karsten H.
https://www.americanjournalofsurgery.com/article/S0002-9610%2816
%2930366-X/fulltext
Studie von 2015, mit Daten von 2012, Kennt jemand?
Ja, hier. Die Studie untersucht die Einträge im nationalen
Traumaregister der USA. Das heißt, das der Datensatz bereits auf
Patienten der teilnehmenden Trauma-Kliniken selektioniert ist.
Wer in die Datenbank kommt, musste bereits eine gewisse Mindestschwere
der Verletzungen (nicht unbedingt am Kopf) aufweisen.
Die wesentlichen Zahlen stehen schon im Abstract.
Bemerkenswert ist, dass es erhebliche Unterschiede zwischen behelmten
und unbehelmten Unfallopfer hinsichtlich Alter, Geschlechtsverteilung,
Rasse und Mitgliedschaft in einer Krankenversicherung gibt. Außerdem ist
die Helmquote der Unfallopfer altersabhängig; sie steigt mit dem Alter
von ~12% bei Kindern und Jugendlichen auf 49% bei 61-70-Jährigen stark
an. Außerdem haben die Autoren herausgefunden, dass Helme nicht nur das
Risiko einer schweren Hirnverletzung um 49%, sondern auch das Risiko
eines Bruches des Gesichtsschädels um 31% senken.
Das alles spricht IMO dafür, dass es in den Datensätzen einen starken
Bias gibt, der die behauptete Aussagekraft des Parameters "Helm/kein
Helm" als Prädiktor für die Verletzungsschwere in Frage stellt.
PM wer sich das antun will.
Tom
Vielen Dank für Studie und Einschätzung.
Der einleitende Satz: " helmets are known to reduce the incidence
of traumatic brain injury (TBI) after bicycle-related accidents."
ist geradezu die klassische Einleitung einer Bestätigungs-Verzerrung.
"helmet use in bicycle riders is considered protective because of its
inherent sense and logic. "
Es geht nicht darum, zu prüfen ob..,
sondern darum den Glaubenssatz, dass... zu bestätigen.
Weil dass... fordert schon der gesunde Menschenverstand.
Die Autoren bziehen sich auf Zahlen von 2012,
stellen diesen in der Einleitung aber Zahlen über das
Gesamt-Unfallgeschehen von 2013 gegenüber.
Ohne nachvollziebare Begründung schließen sie z.b. die
Radler aus der Betrachtung aus, die unmittelbar an der
Unfallstelle oder noch im Rettungswagen gestorben sind.
Ganz ernsthaft: In diesen Bereichen der Forschung (nicht nur beim Thema
Helm im Speziellen) frage ich mich ja dann doch öfter, wie $Paper es
eigentlich am Referee vorbei geschafft hat...
Das wird in der Forschung schon mal angesprochen, aus dem Editorial der
2013er Ausgabe der Deutschen Zeitschrift für Sportmedizin:

| [...] Leider reichen Autoren häufig unausgegorene Arbeiten ein. Man
| sollte meinen, dass das ausgefeilte Gutachtersystem (Peer review mit
| 2-3 Fachgutachtern sowie erfahrenen Herausgebern) Fehler im gedruckten
| Artikel weitgehend verhindert. Leider ist das häufig nicht der Fall,
| denn [...]

Quelle:
Vorwärts immer, rückwärts nimmer? Probleme wissenschaftlichen
Fortschritts
<https://www.germanjournalsportsmedicine.com/fileadmin/content/archiv2013/Heft_12/05_editorial_boening.pdf>
Martin Wohlauer
2018-07-18 02:21:32 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Martin Kozlowski
Post by Martin Wohlauer
Post by Karsten H.
Post by Thomas Sçhlueter
Post by Karsten H.
https://www.americanjournalofsurgery.com/article/S0002-9610%2816
%2930366-X/fulltext
Studie von 2015, mit Daten von 2012, Kennt jemand?
Ja, hier. Die Studie untersucht die Einträge im nationalen
Traumaregister der USA. Das heißt, das der Datensatz bereits auf
Patienten der teilnehmenden Trauma-Kliniken selektioniert ist.
Wer in die Datenbank kommt, musste bereits eine gewisse Mindestschwere
der Verletzungen (nicht unbedingt am Kopf) aufweisen.
Die wesentlichen Zahlen stehen schon im Abstract.
Bemerkenswert ist, dass es erhebliche Unterschiede zwischen behelmten
und unbehelmten Unfallopfer hinsichtlich Alter, Geschlechtsverteilung,
Rasse und Mitgliedschaft in einer Krankenversicherung gibt. Außerdem ist
die Helmquote der Unfallopfer altersabhängig; sie steigt mit dem Alter
von ~12% bei Kindern und Jugendlichen auf 49% bei 61-70-Jährigen stark
an. Außerdem haben die Autoren herausgefunden, dass Helme nicht nur das
Risiko einer schweren Hirnverletzung um 49%, sondern auch das Risiko
eines Bruches des Gesichtsschädels um 31% senken.
Das alles spricht IMO dafür, dass es in den Datensätzen einen starken
Bias gibt, der die behauptete Aussagekraft des Parameters "Helm/kein
Helm" als Prädiktor für die Verletzungsschwere in Frage stellt.
PM wer sich das antun will.
Tom
Vielen Dank für Studie und Einschätzung.
Der einleitende Satz: " helmets are known to reduce the incidence
of traumatic brain injury (TBI) after bicycle-related accidents."
ist geradezu die klassische Einleitung einer Bestätigungs-Verzerrung.
"helmet use in bicycle riders is considered protective because of its
inherent sense and logic. "
Es geht nicht darum, zu prüfen ob..,
sondern darum den Glaubenssatz, dass... zu bestätigen.
Weil dass... fordert schon der gesunde Menschenverstand.
Die Autoren bziehen sich auf Zahlen von 2012,
stellen diesen in der Einleitung aber Zahlen über das
Gesamt-Unfallgeschehen von 2013 gegenüber.
Ohne nachvollziebare Begründung schließen sie z.b. die
Radler aus der Betrachtung aus, die unmittelbar an der
Unfallstelle oder noch im Rettungswagen gestorben sind.
Ganz ernsthaft: In diesen Bereichen der Forschung (nicht nur beim Thema
Helm im Speziellen) frage ich mich ja dann doch öfter, wie $Paper es
eigentlich am Referee vorbei geschafft hat...
Das wird in der Forschung schon mal angesprochen, aus dem Editorial der
| [...] Leider reichen Autoren häufig unausgegorene Arbeiten ein. Man
| sollte meinen, dass das ausgefeilte Gutachtersystem (Peer review mit
| 2-3 Fachgutachtern sowie erfahrenen Herausgebern) Fehler im gedruckten
| Artikel weitgehend verhindert. Leider ist das häufig nicht der Fall,
| denn [...]
Vorwärts immer, rückwärts nimmer? Probleme wissenschaftlichen
Fortschritts
<https://www.germanjournalsportsmedicine.com/fileadmin/content/archiv2013/Heft_12/05_editorial_boening.pdf>
Viel wichtiger finde ich den Teil direkt dahinter:

»[...] ein gründliches Gutachten ist oft sehr aufwendig und heutzutage
immer ehrenamtlich. Die einzige Belohnung ist die Nennung der Reviewer
einmal im Jahr im letzten Heft einer Zeitschrift.«

Was mich dann aber weiter dazu bringt, was ich als prinzipielles Problem
bei Fachjournalen ausmache: Sie werden sehr gerne als Goldgrube
betrieben. Man muss sich das mal vorstellen! Ein Journal verlangt Geld
von mir, wenn ich den Artikel, in den ich eine Menge Zeit und Geld
gesteckt habe (meistens beides vom Steuerzahler bezahlt), bei ihnen
einreichen will. Der Referee kriegt nichts, weil ist ja ehrenamtlich,
kostet also nichts. Derjenige, der den Artikel nachher lesen will, soll
auch nochmal latzen. Die einzigen Kosten hat man durch den eigentlichen
Druck- und Veröffentlichungsschritt, denn selbst den Textsatz muss man
bei vielen Journalen auch noch selbst liefern. Wenn's als PDF
bereitgestellt wird, wird's nochmal billiger. Braucht man sich nicht
wundern, dass neben Waffen- und Drogenhandel wissenschaftliche Journale
verlegen die höchste Rendite hat. Von dem ganzen Geld wäre aber auch die
Bezahlung anständiger Referees drin, oder wenigstens eine angemessene
Aufwandsentschädigung. Es ist also mal wieder ein systematisches
Problem, was dazu führt, dass die eigentliche Intention dahinter mal
untergraben wird: Ein Journal mit anständigen Artikeln heraus geben.

Grüßle,

Martin.
Anton Ertl
2018-07-18 06:53:49 UTC
Permalink
Raw Message
Martin Kozlowski
2018-07-11 15:12:47 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Thomas Sçhlueter
Post by Karsten H.
https://www.americanjournalofsurgery.com/article/S0002
-9610%2816%2930366-X/fulltext
Studie von 2015, mit Daten von 2012, Kennt jemand?
Ja, hier. Die Studie untersucht die Einträge im nationalen
Traumaregister der USA. Das heißt, das der Datensatz bereits auf
Patienten der teilnehmenden Trauma-Kliniken selektioniert ist.
Wer in die Datenbank kommt, musste bereits eine gewisse Mindestschwere
der Verletzungen (nicht unbedingt am Kopf) aufweisen.
Die wesentlichen Zahlen stehen schon im Abstract.
Bemerkenswert ist, dass es erhebliche Unterschiede zwischen behelmten
und unbehelmten Unfallopfer hinsichtlich Alter, Geschlechtsverteilung,
Rasse und Mitgliedschaft in einer Krankenversicherung gibt. Außerdem ist
die Helmquote der Unfallopfer altersabhängig; sie steigt mit dem Alter
von ~12% bei Kindern und Jugendlichen auf 49% bei 61-70-Jährigen stark
an. Außerdem haben die Autoren herausgefunden, dass Helme nicht nur das
Risiko einer schweren Hirnverletzung um 49%, sondern auch das Risiko
eines Bruches des Gesichtsschädels um 31% senken.
Bicycle helmets are protective against facial injuries, including facial
fractures: a meta-analysis
<https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0901502718300778>
Martin Gerdes
2018-07-12 11:14:19 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Martin Kozlowski
Post by Thomas Sçhlueter
Post by Karsten H.
https://www.americanjournalofsurgery.com/article/S0002
-9610%2816%2930366-X/fulltext
Studie von 2015, mit Daten von 2012, Kennt jemand?
Ja, hier. Die Studie untersucht die Einträge im nationalen
Traumaregister der USA. Das heißt, das der Datensatz bereits auf
Patienten der teilnehmenden Trauma-Kliniken selektioniert ist.
Wer in die Datenbank kommt, musste bereits eine gewisse Mindestschwere
der Verletzungen (nicht unbedingt am Kopf) aufweisen.
Die wesentlichen Zahlen stehen schon im Abstract.
Bemerkenswert ist, dass es erhebliche Unterschiede zwischen behelmten
und unbehelmten Unfallopfer hinsichtlich Alter, Geschlechtsverteilung,
Rasse und Mitgliedschaft in einer Krankenversicherung gibt. Außerdem ist
die Helmquote der Unfallopfer altersabhängig; sie steigt mit dem Alter
von ~12% bei Kindern und Jugendlichen auf 49% bei 61-70-Jährigen stark
an. Außerdem haben die Autoren herausgefunden, dass Helme nicht nur das
Risiko einer schweren Hirnverletzung um 49%, sondern auch das Risiko
eines Bruches des Gesichtsschädels um 31% senken.
Bicycle helmets are protective against facial injuries, including facial
fractures: a meta-analysis
<https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0901502718300778>
Eine aktuelle Studie sagt genau das Gegenteil.

| Effectiveness of Bicycle Safety Helmets in Preventing Facial
| Injuries in Road Accidents

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5079115/

| Background

| The effectiveness of bicycle safety helmets in preventing head
| injuries is well-documented. Recent studies differ regarding
| the effectiveness of bicycle helmets in preventing facial
| injuries, especially those of the mid-face and the mandible.

| Between 1999 and 2011, 5,350 bicycle crashes were included
| in the study. Of these, 175 (3.3%) had fractures of the
| mid-face or mandible. In total, 228 mid-face or mandibular
| fractures were identified. A significant correlation was
| found between age and relative collision speed, and the
| incidence of a fracture. While no significant correlation
| was found between the use of a helmet and the incidence
| of mid-facial fractures, the use of a helmet was correlated
| with a significantly increased incidence of mandibular fractures.

| Conclusions

| Higher age of cyclists and increasing speed of the accident
| opponent significantly increase the likelihood of sustaining
| facial fractures. The use of bicycle helmets does not
| significantly reduce the incidence of mid-facial fractures,
| while being correlated with an even increased incidence
| of mandibular fractures.

Mich wundert die Verteilung der Unfallpartner. 70% Auto (im weitesten
Sinn), 8% Fahrrad, 15% "Object" (vermutlich sind dort Alleinstürze
eingeordnet, so oft knallt man ja nicht gegen einen echtes Objekt. Das
paßt nicht so zu dem Drittel der toten Radfahrer durch Solo-Unfälle, die
Thomas Sçhlueter gezählt hat.

In dieser Studie sind für das neueste Jahr, nämlich 2011, etwa 12%
Helmträger angegeben (nach 16% im Jahr 2010). Auf meinen Wegen zähle ich
aktuell etwa ein Drittel Helmträger, also cum grano salis 33%.

Neulich habe ich mal einen Patienten mit einem Unterkieferbruch gesehen,
der mit dem Mountain Bike gestürzt war.

"Na ja", meinte ich, "um den Unterkiefer zu schützen, bräuchte man einen
Integralhelm". "So einen habe ich getragen", antwortete der Patient.
Thomas Sçhlueter
2018-07-12 11:52:43 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Martin Gerdes
Mich wundert die Verteilung der Unfallpartner. 70% Auto (im weitesten
Sinn), 8% Fahrrad, 15% "Object" (vermutlich sind dort Alleinstürze
eingeordnet, so oft knallt man ja nicht gegen einen echtes Objekt. Das
paßt nicht so zu dem Drittel der toten Radfahrer durch Solo-Unfälle, die
Thomas Sçhlueter gezählt hat.
Die Rohdaten der Arbeit stammen aus der GIDAS-Datenbank. Deren
Experten-Teams rücken wahrscheinlich eher nicht aus, wenn der Radfahrer
bloß solo und unspektakulär in einer Nebenstraße oder auf einem Feldweg
zu Fall kommt; erst recht nicht, wenn offensichtlich ist, dass der Sturz
wohl durch den berühmten "internistischen Notfall" bedingt war. Ich
zähle dagegen erstmal alles mit, was nicht ganz offensichtlich nach dem
Absteigen passiert ist.

Nach der heute veröffentlichten Statitik für 2017 hat destatis im
vergangenen Jahr 99 Alleintote registriert (macht 26% der 382 Toten
insgesamt), bei denen entweder der Unfallhergang oder die nachträgliche
Autopsie ergeben hat, dass der Radler *nicht* am Herzkasper verstorben ist.

Tom
Martin Gerdes
2018-07-12 17:35:42 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Thomas Sçhlueter
Post by Martin Gerdes
Mich wundert die Verteilung der Unfallpartner. 70% Auto (im weitesten
Sinn), 8% Fahrrad, 15% "Object" (vermutlich sind dort Alleinstürze
eingeordnet, so oft knallt man ja nicht gegen einen echtes Objekt. Das
paßt nicht so zu dem Drittel der toten Radfahrer durch Solo-Unfälle, die
Thomas Sçhlueter gezählt hat.
Die Rohdaten der Arbeit stammen aus der GIDAS-Datenbank. Deren
Experten-Teams rücken wahrscheinlich eher nicht aus, wenn der Radfahrer
bloß solo und unspektakulär in einer Nebenstraße oder auf einem Feldweg
zu Fall kommt; erst recht nicht, wenn offensichtlich ist, dass der Sturz
wohl durch den berühmten "internistischen Notfall" bedingt war. Ich
zähle dagegen erstmal alles mit, was nicht ganz offensichtlich nach dem
Absteigen passiert ist.
Naheliegende Frage: Was ist ein Unfall? Was zählen wir mit, was nicht?
Post by Thomas Sçhlueter
Nach der heute veröffentlichten Statitik für 2017 hat destatis im
vergangenen Jahr 99 Alleintote registriert (macht 26% der 382 Toten
insgesamt), bei denen entweder der Unfallhergang oder die nachträgliche
Autopsie ergeben hat, dass der Radler *nicht* am Herzkasper verstorben ist.
In Deutschland wird wenig "anatomisiert".

Das Menschenleben ist farbig, es gibt viele Unfallursachen, und es gibt
auch viele internistische Befunde. Klar: Sitzt einer im Sattel und fährt
und sein Herz hört dann plötzlich auf zu schlagen, dann kann man cum
grano salis sagen, er sei bereits im Sattel tot gewesen, und den
mutmaßliichen Herzinfarkt kann man auch anatomisch nachweisen.

Aber wenn er nur für zwei Sekunden das Bewußtsein verliert, so passiert
ihm nichts, wenn er auf dem Sofa sitzt, so schlägt er den Kopf an, wenn
er steht oder geht oder Fahrrad fährt, und das hat dann möglicherweise
kein anatomisches Korrelat.

Ich weiß darüber einfach zu wenig, als daß ich substantiiert etwas dazu
sagen könnte.
Martin Kozlowski
2018-07-11 09:48:26 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Marco Heinrich
Auch in Lüneburg wird fleißig Bingo gespielt. Einer der üblichen
https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/1717602-die-sache-mit-dem-kopfschutz
Immerhin kritische Hinweise der Redakteurin auf wissenschaftliche
Untersuchungen über den sinkenden RF-Anteil in NZ nach Plastikkappenzwang-
Einführung, auf Safety in Numbers, Risikokompensation oder Ian Walker werden
vom Fahrradexperten der Polizei mit überzeugenden Gegenargumenten wie »Das
ist doch wohl Quatsch« oder »Seitdem ich mit dem Helm unterwegs bin, fahre
ich viel vorsichtiger« fundiert widerlegt. Wozu brauchen wir überhaupt noch
teure Verkehrspsychologen und Unfallforscher, wenn der Herr Wachtmeister es
viel besser weiß?
Neuestes Forschungsergebnis aus UK:

| […] No-one is calling for pedestrians to wear helmets although the
| fatal head injury rates are similar for cyclists and pedestrians. The
| rate is higher for cyclists than pedestrians by time travelled and is
| higher for pedestrians than cyclists using distance travelled.

Quelle:
Head Injuries As a Cause of Road Travel Death in Cyclists, Pedestrians
and Drivers
<https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2214140518302731>
Martin Kozlowski
2018-07-11 15:12:47 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Marco Heinrich
[Polizei Wolfsburg:]
Post by Jens Müller
Gerade Radfahrer sind den Gefahren des immer dichter werdenden
Verkehrs besonders ausgesetzt. Mit dem Verzicht auf den Schutz eines
Fahrradhelmes, verzichten sie auf ein Stück zusätzliche Sicherheit.
Der Anteil der Radfahrer mit Helm ist auf Wolfsburgs Straßen noch
relativ gering, sollte aber für viele andere beispielgebend sein.
Auch in Lüneburg wird fleißig Bingo gespielt. Einer der üblichen
https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/1717602-die-sache-mit-dem-kopfschutz
Immerhin kritische Hinweise der Redakteurin auf wissenschaftliche
Untersuchungen über den sinkenden RF-Anteil in NZ nach Plastikkappenzwang-
Einführung, auf Safety in Numbers, Risikokompensation oder Ian Walker werden
vom Fahrradexperten der Polizei mit überzeugenden Gegenargumenten wie »Das
ist doch wohl Quatsch« oder »Seitdem ich mit dem Helm unterwegs bin, fahre
ich viel vorsichtiger« fundiert widerlegt. Wozu brauchen wir überhaupt noch
teure Verkehrspsychologen und Unfallforscher, wenn der Herr Wachtmeister es
viel besser weiß?
Vermutlich gibt es tatsächlich für jedes Argument eine bestätigende
Untersuchung, in Sachen Risikokompensation:
| Risk compensation is an unlikely effect of using bicycle helmet.
<https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1369847816305666>
Martin Wohlauer
2018-07-12 03:46:26 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Martin Kozlowski
Post by Marco Heinrich
[Polizei Wolfsburg:]
Post by Jens Müller
Gerade Radfahrer sind den Gefahren des immer dichter werdenden
Verkehrs besonders ausgesetzt. Mit dem Verzicht auf den Schutz eines
Fahrradhelmes, verzichten sie auf ein Stück zusätzliche Sicherheit.
Der Anteil der Radfahrer mit Helm ist auf Wolfsburgs Straßen noch
relativ gering, sollte aber für viele andere beispielgebend sein.
Auch in Lüneburg wird fleißig Bingo gespielt. Einer der üblichen
https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/1717602-die-sache-mit-dem-kopfschutz
Immerhin kritische Hinweise der Redakteurin auf wissenschaftliche
Untersuchungen über den sinkenden RF-Anteil in NZ nach Plastikkappenzwang-
Einführung, auf Safety in Numbers, Risikokompensation oder Ian Walker werden
vom Fahrradexperten der Polizei mit überzeugenden Gegenargumenten wie »Das
ist doch wohl Quatsch« oder »Seitdem ich mit dem Helm unterwegs bin, fahre
ich viel vorsichtiger« fundiert widerlegt. Wozu brauchen wir überhaupt noch
teure Verkehrspsychologen und Unfallforscher, wenn der Herr Wachtmeister es
viel besser weiß?
Vermutlich gibt es tatsächlich für jedes Argument eine bestätigende
| Risk compensation is an unlikely effect of using bicycle helmet.
<https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1369847816305666>
Wahrscheinlich muss man bei allen auch genau hin sehen, wie die Daten
erhoben und ausgewählt wurden, ebenso, wie sie dann rechnerisch
verwurstet und interpretiert wurden. Deswegen ist es ja immer so
spannend, was aus Statistiken alles raus gelesen wird. Das fängt eben
schon mit der Erhebungsmethode an und endet dann mit dem teils doch
recht offensichtlichen Bias in den Schlüssen der Autoren. Kann mich noch
ganz gut an eine Arbeit erinnern, wo die Autoren selbst zugeben, dass
man aus ihren Daten eben gerade keinen Nutzen vom Hütchen ablesen kann,
sie es aber trotzdem für sinnvoll halten. Da fällt einem dann auch
nichts mehr ein. Wenn man schon die eigenen Ergebnisse fachlich in Frage
stellt, sollte man das Paper halt nicht veröffentlichen. Oder die Eier
haben, die logischen Schlüsse auch rein zu schreiben.

Grüßle,

Martin.
Martin Kozlowski
2018-07-12 10:21:24 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Martin Wohlauer
Post by Martin Kozlowski
Vermutlich gibt es tatsächlich für jedes Argument eine bestätigende
| Risk compensation is an unlikely effect of using bicycle helmet.
<https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1369847816305666>
Wahrscheinlich muss man bei allen auch genau hin sehen, wie die Daten
erhoben und ausgewählt wurden, ebenso, wie sie dann rechnerisch
verwurstet und interpretiert wurden.
So lange das alles nachvollziehbar ist erfüllt es doch die Kriterien von
Wissenschaftlichkeit, richtig sinnvolle Ergebnisse (was ist das?) sind
gar nicht das Ziel.
Post by Martin Wohlauer
Kann mich noch
ganz gut an eine Arbeit erinnern, wo die Autoren selbst zugeben, dass
man aus ihren Daten eben gerade keinen Nutzen vom Hütchen ablesen kann,
sie es aber trotzdem für sinnvoll halten.
Das stand vermutlich im Diskussionsteil der Arbeit.
Post by Martin Wohlauer
Da fällt einem dann auch
nichts mehr ein. Wenn man schon die eigenen Ergebnisse fachlich in Frage
stellt,
Ich vermute da nicht ein fachliches in Frage stellen sondern das
Aufzeigen der Grenzen der Arbeit aufgrund der vorhandenen Daten.
Post by Martin Wohlauer
sollte man das Paper halt nicht veröffentlichen. Oder die Eier
haben, die logischen Schlüsse auch rein zu schreiben.
Paper enthalten doch öfter den Satz das weitere Forschung nötig sei.
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