Discussion:
Blog "Radfahren in Stuttgart" will Radfahrer als Fuszgaenger auf Raedern haben
(zu alt für eine Antwort)
Helmut Waitzmann
2018-06-01 20:34:38 UTC
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Raw Message
In ihrem Blog „Radfahren in Stuttgart“
(<https://dasfahrradblog.blogspot.com/>) kommt Dr. Christine
Lehmann im Artkel
<https://dasfahrradblog.blogspot.com/2018/05/verkehrsregeln-sind-nur-fur-autos.html#main>
zu dem Schluss, dass die StVO Kraftfahrer bevorzugt und
nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer benachteiligt.

Ich finde, ihre Ausführungen, wie die StVO geändert werden müsste,
damit sie Radfahrern besser gerecht wird, sollten nicht
unkommentiert bleiben. Lest selbst.

Ich zitiere den Text mit „|“ am Zeilenanfang markiert im folgenden
vollständig (das Original hat noch eingebettete Fotos). Ein paar
Erläuterungen stelle ich noch zwischen hinein (unmarkierte
Zeilen). Alle im Text enthaltenen Verweise (links) auf Fotos oder
andere Dokumente sind als Fußnoten wiedergegeben:

| 29. Mai 2018
|
| Verkehrsregeln sind nur für Autos gemacht
|
| [25][Lindau%2BAmpel%2BRadfreigabe.JPG]
|
| "Wir wollen Gerechtigkeit in Sicherheitsfragen, nicht
| Gleichheit. Ein Fahrrad hat weniger Gewicht als ein Auto, es
| fährt nicht so schnell, und der Radfahrer hat eine bessere
| Rundumsicht. Fahrrad und Auto sind nicht dasselbe, und das
| müssen wir berücksichtigen, wenn es um die Verkehrsregeln geht."
| Das sagt die Geschäftsführerin von Velo Québec, Suzanne Lareau,
| in einem Artikel von [26]Lloyd Alter, der sich mit der Frage
| beschäftigt, ob eigentlich wirklich für Radler dieselben
| Verkehrsregeln gelten müssen wie für Autofahrer. Tatsächlich
| sind Räder leichter, schmaler und wendiger als Autos,
| Radfahrende haben keine B-Säulen im Blickfeld, sie sitzen höher
| als Autofahrer und sie hören andere Verkehrsteilnehmer besser.
| Und Radfahrer riskieren keine Zusammenstöße, weil sie dabei
| selbst stürzen, sich also selbst verletzen. Daraus folgt: Man
| muss sie nicht so oft Anhalten lassen wie Autos. Man könnte sie
| wie hier in Lindau, an vielen Ampeln, an denen Autofahrer wegen
| ihrer Breite halten müssen, auch bei Rot fahren lassen.
|
| Unsere Verkehrsregeln sind für Autofahrer von Autofahrern
| entwickelt worden. Und zwar, um Fußgänger/innen und
| Radfahrer/innen von der Fahrbahn wegzuhalten. Zum anderen
| sollen sie die Menge an Autos ordnen, damit nicht alle auf einer
| Kreuzung zusammenkrachen. Ampelschaltungen dienen einerseits
| dazu, den Autoverkehr im Fluss zu halten und stauarm
| abzuwickeln, andererseits dazu, auch mal Fußgänger/innen über
| die Straße zu lassen. Sie sichern den Vorrang des Autos vor
| jeglichem anderen Verkehr. Rädern oder Zufußgehenden wird dann
| und wann mal ein Wegerecht zugestanden. Dann aber müssen sich
| Fußgänger darauf verlassen können, dass der Autoverkehr steht,
| denn Autos können Fußgänger töten. Deshalb spricht man auch von
| der Betriebsgefahr des Autos. Deshalb müssen Autofahrende
| unbedingt bei Rot halten.
|
| [27][Charlottenplatz%2BAmpel.JPG] Charlottenplatz, eine
| Autokreuzung
|
| Fahrräder und Fußgänger sind völlig anders unterwegs, nämlich
| mit Muskelkraft. Eine Fußgängerampel dient dem Fußgänger. Hat
| er Grün, kann er gehen. Hat er Rot, dann weiß er, dass Autos
| kommen können. Kommt aber gar kein Auto, gibt es auch gar
| keinen Grund für den Fußgänger stehen zu bleiben. Wenn er geht,
| gefährdet er niemanden anderen (nur sich selbst, falls er nicht
| aufpasst).
|
| Radfahrer müssen den gesamten per Muskelkraft aufgebauten
| Schwung abbremsen und danach mühsam und mit viel Kraft wieder
| aufbauen. Deshalb halten Radfahrer/innen so ungern, vor allem
| dann nicht, wenn beispielsweise über einen Fußgängerüberweg gar
| kein Fußgänger geht, wenn der Fußgänger schon halb über den
| Zebrastreifen drüber ist oder wenn er gefahrlos rechts abbiegen
| kann, ohne dabei Fußgänger oder sich selbst zu gefährden, oder
| wenn er/sie die Kreuzung gecheckt hat, an der ein Stoppschild
| steht.
|
| [28][Stopp-Schild%2BLehenstr%2B.JPG] Stoppschild
| Lehenstraße/Filderstaße zugeparkt und selten befolgt
|
| Autofahrende könnten dafür sogar Verständnis haben, denn auch
| ihnen fällt es oft schwer, an einer roten Ampel zu halten,
| obgleich sie keinerlei Kraft aufwenden müssen, um wieder zu
| starten. Manche fahren also trotzdem weiter. So hat mich mal
| fast ein Autofahrer umgefahren. Und letztes Jahr wurde ein
| Radler von einem Rotlichtfahrer am Österreichischen Platz
| umgerissen und liegen gelassen.

[1]

|
| Autofahrer beschweren sich oft erbittert darüber, dass Radfahrer
| sich nicht an die Hauptregeln halten: Halten und Warten bei
| Rot, zum Stillstand abbremsen an Zebrastreifen und warten, bis
| der Fußgänger drüben ist. Dabei übersehen sie, dass sie in
| einem breiten und schweren Gefährt sitzen, für das der Verkehr
| so umständlich geregelt werden muss, der Radler dagegen nicht.
|
| Fußgänger/innen unter sich brauchen keinerlei Ampeln.
| Radfahrende unter sich auch nicht. Das zeigt de berühmte
| Kreuzung in Groningen, wo rundum alle Autos angehalten werden
| und dann alle Radler gleichzeitig aus allen Richtungen über die
| Kreuzung fahren und abbiegen. Und es funktioniert glänzend.
|
| Nur Autos brauchen Ampeln. Und Fußgänger brauchen Ampeln nur,
| um vor Autos geschützt zu sein, wenn sie über die Straße gehen.
| Dass Radfahrer dabei übrigens nicht geschützt sind, zeigen die
| vielen tödlichen Abbiegeunfälle an Radwegübergängen parallel zu
| Fußgängerübergängen (ausführlicher Artikel dazu kommt noch).
| Ein gutes Ampelmanagement für Radfahrende muss berücksichtigen,
| dass Radfahrende nicht so oft anhalten müssen wie Autos, weil
| sie keine Fußgänger gefährden. Radstreifen funktionieren
| deshalb oft nicht, weil Radfahrende alle fünfzig bis hundert
| Meter zusammen mit den Autos zum Stillstand abgebremst werden
| (und dabei nicht mal in den Genuss einer Grünen Welle kommen,
| die die Autofahrer haben). Je mehr Ampelhalte, desto
| unattraktiver wird ein Radstreifen oder Radweg, desto weniger
| benutzen ihn, desto mehr radeln woanders.
|
| Dabei geht es auch mit weniger Radlerampeln: Der [29]Guardian
| beschreibt einen Versuch in Amsterdam, wo man an einer Kreuzung
| die Ampeln abgeschaltet hat. Es gibt dort nicht viel
| Autoverkehr, aber sehr viel Radverkehr. Der Effekt: Ohne
| Ampeln fließt der Verkehr, Radfahrende arrangieren sich
| untereinander und mit dem Autoverkehr.
|
| Wenn eine Stadt den Radverkehr wirklich lenken will, wenn sie
| bestimmen will, wo Radfahrende unterwegs sind und wo nicht, dann
| muss sie Wege anbieten, die Radfahrer nicht behandeln wie
| Autofahrer und alle Nasen lang stoppen. Hochbordradwege müssen
| rechts an den Ampelanlagen für Autos vorbeigeführt werden, wo
| immer das geht. (Das haben wir beispielsweise auf dem Radweg
| Neckartalstraße in Münster.)

Gemeint ist der Stadtbezirk Münster in Stuttgart. Dort ist ein
Zweirichtungsradweg, von der Fahrbahn auf der einen und dem
Gehweg am Neckar auf der anderen Seite baulich getrennt.

| Ein Halt an einem Stoppschild ist unnötig. Das hat man[30] in
| Idaho bereits erkannt. Dort dürfen Radfahrende Stoppschilder
| behandeln wie Vorfahrt-achten-Schilder. Der nächste Schritt ist
| die Erlaubnis für Radfahrende, [31]eine rote Ampel zu behandeln
| wie ein Stoppschild. Das ist beim Rechtsabbiegen oder beim
| Geradausfahren an T-Kreuzungen

Gemeint ist: Ein Radfahrer, der, vom rechten Arm des „T“
kommend, geradeaus in den linken Arm fahren will, soll das auch
tun dürfen, während der Verkehr vom Rumpf des „T“ in den linken
Arm abbiegt.

| kein Problem, weil Radler ja nicht die ganze Breite der Fahrbahn
| einnehmen.
|
| Ich kann verstehen, dass Autofahrer sich ärgern, wenn ein
| schmaler Radler an ihnen vorbei gleitet und weiterfährt, wo sie
| selbst halten und warten müssen. So mancher Autofahrer mag dem
| Radler diese Vorteile nicht gönnen, die das Radfahren mit sich
| bringt. Aber das Fahrrad ist nun mal nicht so ein behäbiges und
| gefährliches Verkehrsmittel wie anderthalb Tonnen Blech mit
| Motor und vier Sitzen. Ein Autofahrer kann einen Radfahrer
| allein damit zu Fall bringen und sogar töten, indem er seine
| Autotür aufstößt. Ein Radfahrer kann einem Autofahrer
| schlichtweg gar nichts tun, was ihn verletzt. An der
| Windschutzscheibe geht nur der Kopf des Radfahrers kaputt, aber
| er zerschlägt nicht die Windschutzscheibe.
|
| Deshalb sollten wir mehr darauf achten, was dem Radfahrer
| Vorteile bringt und die Gefahren für ihn verringert. Und gerade
| der gleichzeitige Start von Radfahrern und Autos an einer Ampel
| bringt nicht den Autofahrer in Gefahr, sehr wohl aber den
| Radler, wenn der Autofahrer ihn unbedingt überholen will, bevor
| die Straße auf der anderen Seite der Kreuzung zu eng dazu wird.
| Weshalb ja Radlerampeln dem Radler den Start zwei bis drei
| Sekunden vor dem Start der Autos ermöglichen. Ist der Radler
| schon weg, bevor die Autos starten, fällt der
| Platzkampf-Konflikt zwischen Auto und Fahrrad weg.
|
| [32][Kolbstra%25C3%259Fe%2BAmpel.JPG] Ein Beispiels ist diese
| Kreuzung. Hier kommt die [33]Kolbstraße von der Tübinger Straße
| her

in Fahrtrichtung nach Südosten

| auf die Hauptstätter Straße.

…überquert sie und steigt danach den Berg hoch zur
Heusteigstraße.

Das folgende beschreibt die Kreuzung der Kolbstraße mit der
Hauptstätter Straße:

| Fußgänger müssen lange warten, bis sie Grün bekommen. Dann
| gehen sie los. Gleichzeitig mit ihnen bekommt ein Radler grün,
| der von oben

aus der Gegenrichtung, von der Heusteigstraße her, den Berg
herunter

| kommt. Dort steht eine Radlerampel, weil das eine Einbahnstraße
| bergauf

(für Radfahrer auch bergab freigegeben, mit Radfahrerampel, die
ihre speziellen [6]Probleme hat)

| ist.
|

Im folgenden wird die Kreuzung mit der Hauptstätter Straße
wieder in Richtung nach Südosten betrachtet:

| Sieben Sekunden nachdem die Fußgänger losgelaufen sind, bekommen
| die Autos Grün, die hier neben mir an dieser Ampel warten. Auch
| ich muss solange warten und dann zusammen mit den Autos starten.
| Wie fast alle Radler starte ich grundsätzlich schneller als ein
| Auto (Autofahrer reagieren einfach sehr langsam) und radle
| schon, wenn der Autofahrer losfährt. Pech für mich, wenn er
| dann auf Teufel komm raus an mir vorbei will, bevor es drüben
| die Kolbstraße hinauf geht. Da habe ich schon manches Mal den
| Außenspiegel dicht neben mir gesehen. So mancher Radler erspart
| sich deshalb hier den Start bei Auto-Grün und startet
| tatsächlich bereits, wenn die Fußgänger parallel zu ihm (und der
| Radler von oben)

(also aus der Gegenrichtung kommend)

| Grün bekommen. Verboten, aber sehr sinnvoll. Er ist dann
| nämlich schon drüben in der Kolbstraße, bevor das Auto ihm folgt
| (es muss dann hinter ihm bleiben, weil die Straße wegen der
| geparkten Autos zu schmal zum Überholen ist). Hier wäre die
| Rotfahr-Erlaubnis für Radfahrer/innen also sinnvoll. Besser
| wäre es natürlich, man würde da mal eine Radlerampel hinmachen.
|
| [34][Liststr%2BEinbahn%2Bvorher%2Bnachher.jpg] Einbahnstraße
| Liststraße, früher verboten, jetzt für Radler frei
|
| Wir haben übrigens bereits eine Regel für Radfahrer geändert,
| weil Fahrräder eben anders sind als Autos. Früher fuhren Radler
| verbotenerweise gegen die Einbahnstraßen, inzwischen sind die
| meisten Einbahnstraßen für Radfahrer in Gegenrichtung
| freigegeben. (Wobei es auch Autofahrer gibt, die gegen die
| Einbahnrichtung fahren, das kann ich immer wieder sehen.) An
| der Liststraße (Foto[34] rechts) sieht man, dass auch vorher
| schon genug Platz für Radler da war, man es aber für gefährlich
| hielt. Ein Radstreifen soll die Gefahr bannen und Autofahrer
| aufmerksam machen. (Leider parken Autos oben dann oft auf dem
| Radstreifen.)
|
| Jetzt fehlt bei uns nur noch der Idaho-Stopp und die Erlaubnis
| bei Rot für Autos umsichtig weiterzuradeln.
|
| Eine Alternative zu solchen Sonderfreigaben auf Fahrbahnen ist
| übrigens ein durchgehendes Radwegnetz mit eigenen Ampeln und
| eigenen Abbiegespuren, mit grüner Welle für Radfahrer und der
| Möglichkeit, einander zu überholen [35]wie beispielsweise in
| Kopenhagen.

Fußnoten:

[1]
<http://dasfahrradblog.blogspot.com/2016/09/autofahrer-bringt-radler-zu-fall-und.html>
<http://www.presseportal.de/blaulicht/pm/110977/3426438>
<http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.radunfaelle-in-stuttgart-smart-fahrer-laesst-radler-schwer-verletzt-zurueck.8f8feea9-090e-4d22-bb97-d1d783d41c19.html>
<http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.radunfaelle-in-stuttgart-smart-fahrer-laesst-radler-schwer-verletzt-zurueck.8f8feea9-090e-4d22-bb97-d1d783d41c19.html>

[2] <http://www.presseportal.de/blaulicht/pm/110974/3383611>
<http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.toedlicher-unfall-in-sindelfingen-radfahrer-wird-von-lkw-ueberrollt.c6aa532d-d9ea-4dfc-9e6b-40642c1567b1.html>
<http://dasfahrradblog.blogspot.com/2016/07/todlicher-radlerunfall-in-sindelfingen.html>
<Loading Image...>
<news:***@helmutwaitzmann.news.arcor.de>

[3]
<https://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/berlin-schoeneberg-rechtsabbiegender-lkw-toetet-radfahrerin/20875818.html>
<http://www.berlin.de/polizei/polizeimeldungen/pressemitteilung.668610.php>
<https://www.berliner-zeitung.de/berlin/polizei/schoeneberg-lkw-ueberfaehrt-beim-abbiegen-radfahrerin---frau-stirbt-29539972>
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<Loading Image...>
<Loading Image...>
<news:***@mid.individual.net>

[4]
<https://www.tagesspiegel.de/berlin/nach-toedlichem-fahrradunfall-in-schoeneberg-verkehrsverwaltung-will-mehr-platz-fuer-radfahrer-schaffen/20883310.html>
<https://www.berliner-zeitung.de/berlin/verkehr/schoeneberg-verkehrsbehoerde-zieht-markierung-von-radspur-nach-toedlichem-unfall-vor-29767778>
<https://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/nach-toedlichem-unfall-in-schoeneberg-unfallstelle-schnell-entschaerft/20971734.html>
<Loading Image...>
<Loading Image...
<news:***@mid.individual.net>

[5] Auf der Kreuzung der Kolbstraße mit der Hauptstätter Straße.
Blick nach Südosten zur querenden Heusteigstraße. Im Rücken des
Fotografen quert die Tübinger Straße:
<Loading Image...>

[6] Die Kolbstraße hält eigene Spezialitäten für Radfahrer bereit:
<https://dasfahrradblog.blogspot.com/2018/05/ganz-tief-seufz.html#main>

[7] In der Kolbstraße: Blick nach Nordwesten auf die Kreuzung mit
der Hauptstätter Straße. Weiter hinten quert die Tübinger Straße.
Im Rücken des Fotografen quert die Heusteigstraße:
<Loading Image...>

[25]
<Loading Image...>

[26]
<https://www.treehugger.com/bikes/montreal-considering-separate-traffic-laws-cyclists.html>

[27]
<Loading Image...>

[28]
<Loading Image...>

[29]
<https://www.theguardian.com/environment/bike-blog/2017/sep/22/what-happens-if-you-turn-off-the-traffic-lights>

[30]
<https://dasfahrradblog.blogspot.de/2015/03/der-roll-stopp.html>

[31]
<https://dasfahrradblog.blogspot.de/2016/02/was-in-ulm-geht-sollte-bei-uns-doch.html>

[32]
<Loading Image...>

[33]
<https://dasfahrradblog.blogspot.de/2017/02/warum-manche-zu-geisterradlern-werden.html>

[34]
<Loading Image...>

[35]
<http://tvthek.orf.at/profile/ZIB-Magazin/5521881/ZIB-Magazin/13970049/Fahrradhauptstadt-Kopenhagen/14267373>
Martin Gerdes
2018-06-01 22:12:08 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Helmut Waitzmann
In ihrem Blog „Radfahren in Stuttgart“
(<https://dasfahrradblog.blogspot.com/>) kommt Dr. Christine
Lehmann im Artkel
<https://dasfahrradblog.blogspot.com/2018/05/verkehrsregeln-sind-nur-fur-autos.html#main>
zu dem Schluss, dass die StVO Kraftfahrer bevorzugt und
nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer benachteiligt.
Wunderbarer Text.
Post by Helmut Waitzmann
Ich finde, ihre Ausführungen, wie die StVO geändert werden müsste,
damit sie Radfahrern besser gerecht wird, sollten nicht
unkommentiert bleiben.
Doch. :-)
Post by Helmut Waitzmann
Lest selbst.
Habe ich getan und ganz am Ende ein "Full ACK" druntergeschrieben.

Dein Betreff ist mir etwas unverständlich. Was soll er uns nur sagen?
Helmut Waitzmann
2018-06-02 04:52:50 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Martin Gerdes
Post by Helmut Waitzmann
In ihrem Blog „Radfahren in Stuttgart“
(<https://dasfahrradblog.blogspot.com/>) kommt Dr. Christine
Lehmann im Artkel
<https://dasfahrradblog.blogspot.com/2018/05/verkehrsregeln-sind-nur-fur-autos.html#main>
zu dem Schluss, dass die StVO Kraftfahrer bevorzugt und
nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer benachteiligt.
Wunderbarer Text.
Post by Helmut Waitzmann
Ich finde, ihre Ausführungen, wie die StVO geändert werden müsste,
damit sie Radfahrern besser gerecht wird, sollten nicht
unkommentiert bleiben.
Doch. :-)
Post by Helmut Waitzmann
Lest selbst.
Habe ich getan und ganz am Ende ein "Full ACK" druntergeschrieben.
Dein Betreff ist mir etwas unverständlich. Was soll er uns nur sagen?
Ja, da hatte ich zuerst vorgehabt, gleich selbst noch zu
kommentieren, will es aber der Übersicht halber lieber in einem
extra Followup tun.
Helmut Waitzmann
2018-06-02 04:53:33 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Martin Gerdes
Post by Helmut Waitzmann
In ihrem Blog „Radfahren in Stuttgart“
(<https://dasfahrradblog.blogspot.com/>) kommt Dr. Christine
Lehmann im Artkel
<https://dasfahrradblog.blogspot.com/2018/05/verkehrsregeln-sind-nur-fur-autos.html#main>
zu dem Schluss, dass die StVO Kraftfahrer bevorzugt und
nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer benachteiligt.
Wunderbarer Text.
Post by Helmut Waitzmann
Ich finde, ihre Ausführungen, wie die StVO geändert werden müsste,
damit sie Radfahrern besser gerecht wird, sollten nicht
unkommentiert bleiben.
Doch. :-)
Post by Helmut Waitzmann
Lest selbst.
Habe ich getan und ganz am Ende ein "Full ACK" druntergeschrieben.
Dein Betreff ist mir etwas unverständlich. Was soll er uns nur sagen?
Ja, da hatte ich zuerst vorgehabt, gleich selbst noch zu
kommentieren, will es aber der Übersicht halber lieber in einem
extra Followup tun.
R.Stein-Cadenbach
2018-06-02 04:28:36 UTC
Permalink
Raw Message
Blog „Radfahren in Stuttgart“
Post by Helmut Waitzmann
(<https://dasfahrradblog.blogspot.com/>)
Nach ersten Eindruck gleich als Lesezeichen gespeichert.

Bester Blog bislang:
https://rad-spannerei.de/blog/


Guten Morgen

Ralf
Helmut Waitzmann
2018-06-02 07:02:10 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Helmut Waitzmann
In ihrem Blog „Radfahren in Stuttgart“
(<https://dasfahrradblog.blogspot.com/>) kommt Dr. Christine Lehmann
im Artkel
<https://dasfahrradblog.blogspot.com/2018/05/verkehrsregeln-sind-nur-fur-autos.html#main>
zu dem Schluss, dass die StVO Kraftfahrer bevorzugt und
nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer benachteiligt.
Ich finde, ihre Ausführungen, wie die StVO geändert werden müsste,
damit sie Radfahrern besser gerecht wird, sollten nicht unkommentiert
bleiben. Lest selbst.
Ich zitiere den Text mit „|“ am Zeilenanfang markiert im folgenden
vollständig (das Original hat noch eingebettete Fotos). Ein paar
Erläuterungen stelle ich noch zwischen hinein (unmarkierte Zeilen).
Alle im Text enthaltenen Verweise (links) auf Fotos oder andere
| 29. Mai 2018
|
| Verkehrsregeln sind nur für Autos gemacht
|
| [25][Lindau%2BAmpel%2BRadfreigabe.JPG]
|
| Und Radfahrer riskieren keine Zusammenstöße, weil sie dabei
| selbst stürzen, sich also selbst verletzen.
Das ist leider nicht wahr. Wäre es so, gäbe es keine
Verkehrsunfälle, bei denen Radfahrer Hauptverursacher sind.
Post by Helmut Waitzmann
| Daraus folgt: Man muss sie nicht so oft Anhalten lassen wie
| Autos. Man könnte sie wie hier in Lindau, an vielen Ampeln,
| an denen Autofahrer wegen ihrer Breite halten müssen, auch bei
| Rot fahren lassen.
Aber nachher (s. u.) beklagen wir Außenspiegel dicht am
Fahrradlenker.
Post by Helmut Waitzmann
|
| Unsere Verkehrsregeln sind für Autofahrer von Autofahrern
| entwickelt worden. Und zwar, um Fußgänger/innen und
| Radfahrer/innen von der Fahrbahn wegzuhalten.
Bekannt seit 1936. Aber man kann es nicht oft genug wiederholen.
Post by Helmut Waitzmann
|
| [27][Charlottenplatz%2BAmpel.JPG] Charlottenplatz, eine
| Autokreuzung
Diese Kreuzung ist kein Beispiel dafür, wie Ampelschaltungen für
die Autos für Radfahrer ungeeignet sind. Sie ist ein Beispiel
dafür, wie Radverkehrsanlagen Radfahrer benachteiligen. Wer dort
als Radfahrer von der Planie kommend, nach links Richtung
Cannstatt abbiegen will, muss auf der Radverkehrsanlage an sechs
Furten auf grün warten, während er auf der Fahrbahn nur einmal
warten müsste. Das besondere dabei: Das Fahren auf der Fahrbahn
wird Radfahrern dort ausdrücklich mit Verkehrszeichen 254 (rund,
weiß mit rotem Rand und schwarzem Fahrradsinnbild „Verbot für
Radverkehr“,
<https://dejure.org/gesetze/StVO/Anlage_2.html#Zeichen254>)
verboten. Das ist Radverkehrsbenachteiligung dank
Radverkehrsanlage, nicht dank Autokreuzung. Aber wer Radfahrer
als Fußgänger auf Rädern sieht, kann nicht glauben, dass man da
als Radfahrer auf der Fahrbahn gut aufgehoben wäre.
Post by Helmut Waitzmann
|
| Fahrräder und Fußgänger sind völlig anders unterwegs, nämlich
| mit Muskelkraft. Eine Fußgängerampel dient dem Fußgänger. Hat
| er Grün, kann er gehen. Hat er Rot, dann weiß er, dass Autos
| kommen können. Kommt aber gar kein Auto, gibt es auch gar
| keinen Grund für den Fußgänger stehen zu bleiben. Wenn er geht,
| gefährdet er niemanden anderen (nur sich selbst, falls er nicht
| aufpasst).
Wenn er nicht aufpasst, gefährdet er nur dann niemanden anderen,
wenn der andere – auch als Radfahrer – mit annähernd
Schrittgeschwindigkeit unterwegs ist, oder, wenn wirklich gähnende
Leere herrscht. Ist beides nicht der Fall, können auch Fußgänger
Unfälle verursachen, bei denen andere verletzt werden.
Post by Helmut Waitzmann
|
| Radfahrer müssen den gesamten per Muskelkraft aufgebauten
| Schwung abbremsen und danach mühsam und mit viel Kraft wieder
| aufbauen. Deshalb halten Radfahrer/innen so ungern, vor allem
| dann nicht, wenn beispielsweise über einen Fußgängerüberweg gar
| kein Fußgänger geht, wenn der Fußgänger schon halb über den
| Zebrastreifen drüber ist oder wenn er gefahrlos rechts abbiegen
| kann, ohne dabei Fußgänger oder sich selbst zu gefährden, oder
| wenn er/sie die Kreuzung gecheckt hat, an der ein Stoppschild
| steht.
|
| [28][Stopp-Schild%2BLehenstr%2B.JPG] Stoppschild
| Lehenstraße/Filderstaße zugeparkt und selten befolgt
|
| Autofahrende könnten dafür sogar Verständnis haben, denn auch
| ihnen fällt es oft schwer, an einer roten Ampel zu halten,
| obgleich sie keinerlei Kraft aufwenden müssen, um wieder zu
| starten. Manche fahren also trotzdem weiter. So hat mich mal
| fast ein Autofahrer umgefahren. Und letztes Jahr wurde ein
| Radler von einem Rotlichtfahrer am Österreichischen Platz
| umgerissen und liegen gelassen.
[1]
|
| Autofahrer beschweren sich oft erbittert darüber, dass Radfahrer
| sich nicht an die Hauptregeln halten: Halten und Warten bei
| Rot, zum Stillstand abbremsen an Zebrastreifen und warten, bis
| der Fußgänger drüben ist.
Ein Blick in die Straßenverkehrordnung
(<https://dejure.org/gesetze/StVO/26.html>) belehrt eines
besseren:

Wenn erstens der Radfahrer vorausschauend fährt, den Fußgänger
rechtzeitig sieht, Blickkontakt aufnimmt und seine Geschwindigkeit so
reduziert, dass er den Zebrastreifen erst erreicht, wenn der
Fußgänger schon so weit hinüber gegangen ist, dass hinter ihm
genügend Platz zum gefahrlosen Vorbeifahren ist, dann braucht es
kein Abbremsen bis zum Stillstand.

Allerdings gehört dazu auch, dass der Fußgänger mit dem Radfahrer
Blickkontakt aufnimmt, damit er erkennt, dass der Radfahrer ihn
gesehen hat. Das ermöglicht dem Fußgänger, darauf vertrauend,
dass der Radfahrer ihm den Vorrang nicht nehmen werde, den
Zebrastreifen ohne zu zögern zu betreten.

Wenn der Fußgänger statt dessen, ohne rechts bzw. links zu
schauen, an den Zebrastreifen herantritt, dort anhält und es sich
dann einfallen lässt, sich umzuschauen, und erst dann dem
Radfahrer, nachdem er ihn entdeckt hat, zu winken, er dürfe
vorbeifahren, dann hält er alle auf:

* sich selbst, weil er aufgrund des fehlenden rechtzeitigen
Blickkontakts nicht erkannt hat, dass der Radfahrer im nicht in
die Quere kommen will, und

* den Radfahrer, der deswegen seine Abschätzung, wann der
Fußgänger vor ihm vorbeigegangen sein wird, korrigieren muss und
deshalb noch weiterhin – gerne auch bis zum Stillstand –
abbremsen muss, weil er erst dann vor dem Fußgänger über den
Zebrastreifen fahren darf, wenn zweifelsfrei feststeht, dass die
Handbewegung des Fußgängers ihm gegolten hat und eine Bitte ist,
voranzufahren.
Post by Helmut Waitzmann
| Dabei übersehen sie, dass sie in einem breiten und schweren
| Gefährt sitzen, für das der Verkehr so umständlich geregelt
| werden muss, der Radler dagegen nicht.
|
| Fußgänger/innen unter sich brauchen keinerlei Ampeln.
| Radfahrende unter sich auch nicht. Das zeigt de berühmte
| Kreuzung in Groningen, wo rundum alle Autos angehalten werden
| und dann alle Radler gleichzeitig aus allen Richtungen über die
| Kreuzung fahren und abbiegen. Und es funktioniert glänzend.
Ich habe gerade keine Möglichkeit, die Videoaufnahme anzusehen,
meine aber, sie schon einmal gesehen zu haben. Meiner Erinnerung
nach war das Verhalten der Verkehrsteilnehmer ziemlich chaotisch.
Mehr als Schrittgeschwindigkeit für Radfahrer (12 km/h) war da
meiner Erinnerung nach nicht sicher zu fahren.
Post by Helmut Waitzmann
|
| Nur Autos brauchen Ampeln. Und Fußgänger brauchen Ampeln nur,
| um vor Autos geschützt zu sein, wenn sie über die Straße gehen.
| Dass Radfahrer dabei übrigens nicht geschützt sind, zeigen die
| vielen tödlichen Abbiegeunfälle an Radwegübergängen parallel zu
| Fußgängerübergängen (ausführlicher Artikel dazu kommt noch).
Aber warum spricht sich dieser Blogartikel dann dafür aus,
Radfahrer sich an T‐Kreuzungen bei Rot an die rechte Seite von
fahrenden Fahrzeugen kuscheln zu lassen? Das ergibt Situationen,
aus denen die tödlichen Abbiegeunfälle entstehen: Fahrende
Kraftfahrer rechnen nicht damit, dass sich ein Radfahrer in ihren
Gefahrenraum schiebt – und selbst, wenn sie damit rechneten: Was
könnten sie in diesem Moment unternehmen, um die Gefahr
abzuwenden? Nach links ausweichen können sie nicht einfach, ohne
den Gegenverkehr oder den Verkehr auf dem Fahrstreifen links von
ihnen zu gefährden.

Kraftfahrer rechnen ja sogar selbst dann nicht mit Radfahrern
rechts von ihnen, wenn sie es eigentlich von StVO wegen müssten:

§ 5 (8) der StVO:

| Ist ausreichender Raum vorhanden, dürfen Rad
| Fahrende und Mofa Fahrende die Fahrzeuge, die auf dem rechten
| Fahrstreifen warten, mit mäßiger Geschwindigkeit und besonderer
| Vorsicht rechts überholen.
Post by Helmut Waitzmann
| Ein gutes Ampelmanagement für Radfahrende muss berücksichtigen,
| dass Radfahrende nicht so oft anhalten müssen wie Autos, weil
| sie keine Fußgänger gefährden.
Dann dürfte es keine Unfälle geben, bei denen Radfahrer als
Hauptverursacher Fußgänger schädigen. Ist das der Fall?
Post by Helmut Waitzmann
| Radstreifen funktionieren deshalb oft nicht, weil Radfahrende
| alle fünfzig bis hundert Meter zusammen mit den Autos zum
| Stillstand abgebremst werden (und dabei nicht mal in den Genuss
| einer Grünen Welle kommen, die die Autofahrer haben).
In der Tat würde die Anpassung der grünen Welle auf
Radfahrergeschwindigkeit – eventuell mit strenger
Geschwindigkeitsüberwachung, damit Oberschlaue nicht auf die Idee
kommen, mit überhöhter Geschwindigkeit Wellenreiten anzufangen –
nicht nur das Radfahren weniger unattraktiv machen sondern auch
die Verkehrssicherheit nicht nur für Radfahrer deutlich erhöhen.
Post by Helmut Waitzmann
| Je mehr Ampelhalte, desto unattraktiver wird ein Radstreifen
| oder Radweg, desto weniger benutzen ihn, desto mehr radeln
| woanders.
|
| Dabei geht es auch mit weniger Radlerampeln: Der [29]Guardian
| beschreibt einen Versuch in Amsterdam, wo man an einer Kreuzung
| die Ampeln abgeschaltet hat. Es gibt dort nicht viel
| Autoverkehr, aber sehr viel Radverkehr. Der Effekt: Ohne
| Ampeln fließt der Verkehr, Radfahrende arrangieren sich
| untereinander und mit dem Autoverkehr.
Zitate aus [29]:

| This live pilot project came about as a result of the rapid
| growth in cycling in some Amsterdam neighbourhoods. Nearly 70%
| of all city centre trips are by bicycle, and more space is
| needed on the bike networks. Traffic designers are deviating
| from standard design manuals to accommodate this need. Among
| the tactics being used are the removal of protective barriers,
| altering light phases, reducing vehicular speed limits and
| designating entire corridors as “bicycle streets”. Designers
| have created their own toolbox of solutions for other Dutch
| cities to use.

Das Pilotprojekt insgesamt umfasst also nicht nur die reine
Ampelabschaltung am Alexanderplein in Amsterdam sondern auch
Entfernung von Schutzbarrieren (Wo bleiben nur die hochgelobten
protected bike lanes der Radentscheide?), Senkung (also
Verschärfung) von Geschwindigkeitsbeschränkungen und Umwidmung
von Durchgängen als Fahrradstraßen.

| The pilot is part of a larger mobility strategy across the city
| to make more room for cyclists and pedestrians. That means
| limiting access and space for private vehicles.

Das Pilotprojekt ist Teil einer größeren über die Stadt
verteilten Mobilitätsstrategie, mehr Platz für Radfahrer und
Fußgänger zu schaffen. Das bedeutet, den Zugang und den Raum
für den MIV zu beschränken.

| “Amsterdam’s public space is limited,” says the vice mayor for
| traffic, Pieter Litjens, who ultimately approved the pilot. “We
| need to be thoughtful and strategic about who and what uses that
| space.”

Der öffentliche Raum ist begrenzt. Wir müssen bei der Frage,
wer und was diesen Raum gebraucht, aufmerksam und planvoll sein.
Post by Helmut Waitzmann
|
| Wenn eine Stadt den Radverkehr wirklich lenken will, wenn sie
| bestimmen will, wo Radfahrende unterwegs sind und wo nicht, dann
| muss sie Wege anbieten, die Radfahrer nicht behandeln wie
| Autofahrer und alle Nasen lang stoppen. Hochbordradwege müssen
| rechts an den Ampelanlagen für Autos vorbeigeführt werden, wo
| immer das geht.
Leider meinen viele Verkehrsplaner – auch in Stuttgart – immer
noch an vielen Stellen, das gehe. Die Folge sind die berühmten
Unfälle, bei denen LKW‐Fahrer über Radfahrer abbiegen. Und dann
fragt man sich bei einem solchen Unfall ratlos, wie das hat
passieren können, wo man doch zur Sicherheit der Radfahrer extra
einen Hochbordradweg, einen Radfahrstreifen oder einen
Schutzstreifen angelegt hat.
Post by Helmut Waitzmann
| Ein Halt an einem Stoppschild ist unnötig. Das hat man[30] in
| Idaho bereits erkannt. Dort dürfen Radfahrende Stoppschilder
| behandeln wie Vorfahrt-achten-Schilder. Der nächste Schritt ist
| die Erlaubnis für Radfahrende, [31]eine rote Ampel zu behandeln
| wie ein Stoppschild. Das ist beim Rechtsabbiegen oder beim
| Geradausfahren an T-Kreuzungen
Gemeint ist: Ein Radfahrer, der, vom rechten Arm des „T“
kommend, geradeaus in den linken Arm fahren will, soll das auch
tun dürfen, während der Verkehr vom Rumpf des „T“ in den linken
Arm abbiegt.
| kein Problem, weil Radler ja nicht die ganze Breite der Fahrbahn
| einnehmen.
Und nachher beklagen wir, dass die Autos zu dicht an uns
vorbeifahren, wenn wir überholt werden.
Post by Helmut Waitzmann
|
| Ich kann verstehen, dass Autofahrer sich ärgern, wenn ein
| schmaler Radler an ihnen vorbei gleitet und weiterfährt, wo sie
| selbst halten und warten müssen. So mancher Autofahrer mag dem
| Radler diese Vorteile nicht gönnen, die das Radfahren mit sich
| bringt. Aber das Fahrrad ist nun mal nicht so ein behäbiges und
| gefährliches Verkehrsmittel wie anderthalb Tonnen Blech mit
| Motor und vier Sitzen. Ein Autofahrer kann einen Radfahrer
| allein damit zu Fall bringen und sogar töten, indem er seine
| Autotür aufstößt.
Der ADFC empfiehlt in seinen mit Unterstützung des
Bundesverkehrsministeriums herausgegebenen „Goldenen Regeln –
Verkehrssicherheit für Radfahrer – Tipps zum richtigen Verhalten“
(<https://www.adfc.de/goldeneregeln/seite-3-sicherheitszonen-schaffen>),
von parkenden Fahrzeugen 1,5 m Seitenabstand zu halten.
Ausführliche Überlegungen zum Seitenabstand beim Überholtwerden
stellt Ervin Peters in
<http://www.adfc-weimar.de/download/Seitenabstand.pdf> an.
Post by Helmut Waitzmann
| Ein Radfahrer kann einem Autofahrer schlichtweg gar nichts
| tun, was ihn verletzt. An der Windschutzscheibe geht nur der
| Kopf des Radfahrers kaputt, aber er zerschlägt nicht die
| Windschutzscheibe.
|
| Deshalb sollten wir mehr darauf achten, was dem Radfahrer
| Vorteile bringt und die Gefahren für ihn verringert.
… es sei denn, das bedeutet, dass Radfahrer an roten Ampeln an
T‐Kreuzungen oder beim Rechtsabbiegen aus Sicherheitsgründen
besser ebenfalls halten (s. o.). Dann bleibt um der
Bequemlichkeit willen die Sicherheit auf der Strecke.
Post by Helmut Waitzmann
| Und gerade der gleichzeitige Start von Radfahrern und Autos an
| einer Ampel bringt nicht den Autofahrer in Gefahr, sehr wohl
| aber den Radler, wenn der Autofahrer ihn unbedingt überholen
| will, bevor die Straße auf der anderen Seite der Kreuzung zu eng
| dazu wird. Weshalb ja Radlerampeln dem Radler den Start zwei
| bis drei Sekunden vor dem Start der Autos ermöglichen. Ist der
| Radler schon weg, bevor die Autos starten, fällt der
| Platzkampf-Konflikt zwischen Auto und Fahrrad weg.
So ist es: „Ist der Radler schon weg…“, geht alles gut. Nur, was
ist mit dem zweiten Radfahrer, der 10 Sekunden nach dem ersten
folgt?
Post by Helmut Waitzmann
|
| [32][Kolbstra%25C3%259Fe%2BAmpel.JPG] Ein Beispiels ist diese
| Kreuzung. Hier kommt die [33]Kolbstraße von der Tübinger Straße
| her
in Fahrtrichtung nach Südosten
| auf die Hauptstätter Straße.
…überquert sie und steigt danach den Berg hoch zur
Heusteigstraße.
Das folgende beschreibt die Kreuzung der Kolbstraße mit der
| Fußgänger müssen lange warten, bis sie Grün bekommen. Dann
| gehen sie los. Gleichzeitig mit ihnen bekommt ein Radler grün,
| der von oben
aus der Gegenrichtung, von der Heusteigstraße her, den Berg
herunter
| kommt. Dort steht eine Radlerampel, weil das eine Einbahnstraße
| bergauf
(für Radfahrer auch bergab freigegeben, mit Radfahrerampel, die
ihre speziellen [6]Probleme hat)
| ist.
|
Im folgenden wird die Kreuzung mit der Hauptstätter Straße
| Sieben Sekunden nachdem die Fußgänger losgelaufen sind, bekommen
| die Autos Grün, die hier neben mir an dieser Ampel warten. Auch
| ich muss solange warten und dann zusammen mit den Autos starten.
| Wie fast alle Radler starte ich grundsätzlich schneller als ein
| Auto (Autofahrer reagieren einfach sehr langsam)
(es sei denn, sie fahren ein flink und kaum hörbar startendes
Elektroauto)
Post by Helmut Waitzmann
| und radle schon, wenn der Autofahrer losfährt. Pech für mich,
| wenn er dann auf Teufel komm raus an mir vorbei will, bevor es
| drüben die Kolbstraße hinauf geht.
Ich würde versuchen, da so weit links zu fahren, dass ich links
nicht mehr im selben Fahrstreifen überholt werden kann. Das
bedeutet auch, dass ich mich an der Kreuzung beim Warten auf Grün
nicht rechts an den wartenden Kraftfahrzeugen vorbei nach vorne
schlängle, sondern mich in die Schlange der Wartenden einreihe,
und zwar so, dass der Vorderradreifen genau auf die Mitte des vor
mir stehenden Autos zielt. Wenn ich durch Rechtsvorbeischlängeln
den wartenden Kraftfahrern signalisiere, dass ich schmal bin und
nicht viel Platz brauche, werde ich ihn beim Überholtwerden auf
oder nach der Kreuzung auch nicht erhalten.
Post by Helmut Waitzmann
| Da habe ich schon manches Mal den Außenspiegel dicht neben mir
| gesehen. So mancher Radler erspart sich deshalb hier den
| Start bei Auto-Grün und startet tatsächlich bereits, wenn die
| Fußgänger parallel zu ihm (und der Radler von oben)
(also aus der Gegenrichtung kommend)
| Grün bekommen. Verboten, aber sehr sinnvoll. Er ist dann
| nämlich schon drüben in der Kolbstraße, bevor das Auto ihm folgt
| (es muss dann hinter ihm bleiben, weil die Straße wegen der
| geparkten Autos zu schmal zum Überholen ist). Hier wäre die
| Rotfahr-Erlaubnis für Radfahrer/innen also sinnvoll. Besser
| wäre es natürlich, man würde da mal eine Radlerampel hinmachen.
Mit einer extra Ampel für Radfahrer gäbe es garantiert eine extra
Radfahrerfurt. Und wo würde die enden? Selbstverständlich, bevor
es nach der Kreuzung in der Kolbstraße eng wird. Die Konsequenz:
Die Radfahrerfurt zwänge die Radfahrer, rechts zu bleiben, und
verböte es ihnen, die Kreuzung auf dem allgemeinen Fahrstreifen
mittig fahrend zu überqueren. Der Radfahrer, der 10 Sekunden nach
dem ersten kommt, würde die Haupstätter Straße dann gemeinsam mit
den Autos überqueren und müsste, wenn es nach der Kreuzung eng
wird, sehen, wo (nämlich: ob auf dem Fahrrad oder auf dem
Friedhof) er bleibt.

Alternative: Man schaltet die Radfahrerampel so, dass sie nur 2
Sekunden grün bleibt. Dann bleiben dem spätesten Radfahrer, der
noch bei Grün fährt, von den 7 Sekunden (s. o.) noch 5, in denen
er Zeit hat, die Engstelle gegenüber zu erreichen. Allerdings
reicht es dann nur einem einzigen Radfahrer überhaupt, die
Kreuzung zu überqueren, weil die Radfahrerampel für die
nachfolgenden dann bereits wieder rot ist, ehe sie überhaupt die
Haltelinie überfahren haben.

Das ist keine Radverkehrsförderung.
Post by Helmut Waitzmann
|
| [34][Liststr%2BEinbahn%2Bvorher%2Bnachher.jpg] Einbahnstraße
| Liststraße, früher verboten, jetzt für Radler frei
|
| Wir haben übrigens bereits eine Regel für Radfahrer geändert,
| weil Fahrräder eben anders sind als Autos. Früher fuhren Radler
| verbotenerweise gegen die Einbahnstraßen, inzwischen sind die
| meisten Einbahnstraßen für Radfahrer in Gegenrichtung
| freigegeben. (Wobei es auch Autofahrer gibt, die gegen die
| Einbahnrichtung fahren, das kann ich immer wieder sehen.) An
| der Liststraße (Foto[34] rechts) sieht man, dass auch vorher
| schon genug Platz für Radler da war, man es aber für gefährlich
| hielt. Ein Radstreifen soll die Gefahr bannen und Autofahrer
| aufmerksam machen. (Leider parken Autos oben dann oft auf dem
| Radstreifen.)
|
| Jetzt fehlt bei uns nur noch der Idaho-Stopp und die Erlaubnis
| bei Rot für Autos umsichtig weiterzuradeln.
|
| Eine Alternative zu solchen Sonderfreigaben auf Fahrbahnen ist
| übrigens ein durchgehendes Radwegnetz mit eigenen Ampeln und
| eigenen Abbiegespuren,
So, wie in der [2]Böblinger Straße in Sindelfingen oder in der
Kolonnenstraße in Berlin‐Schöneberg ([3]vor und [4]nach dem
Unfall)? Beide sind beste Radverkehrsführungen: vollkommen
übersichtlich mit guten Sichtdreiecken, und trotzdem wurden dort
Radfahrer getötet.
Post by Helmut Waitzmann
| mit grüner Welle für Radfahrer
Solange die Mehrheit der an Wahlen teilnehmenden Bevölkerung der
Meinung ist, dass motorisierter Verkehr selbst unter Inkaufnahme
von Menschenleben bevorzugt werden muss, wird es keine grüne Welle
für Radfahrer geben, weder auf der allgemeinen Fahrbahn, noch
anderswo. Mit allgemeiner Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h
samt Überwachung derselben innerorts wäre schon einiges für das
bessere Fortkommen der Radfahrer und vieles für die Sicherheit im
Verkehr getan.
Post by Helmut Waitzmann
| und der Möglichkeit, einander zu überholen [35]wie
| beispielsweise in Kopenhagen.
Wenn die Fahrbahn endlich durchgehend für Radfahrer erlaubt und
mit der allgemeinen Geschwindigkeitsreduktion auch attraktiv und
sicher gemacht wird, können Radfahrer einander problemlos
überholen.

Ich habe den Eindruck, die Blogautorin möchte Radfahrer als
Fußgänger auf Rädern behandelt sehen:

möglichst runter mit ihnen von der Fahrbahn auf Hochbordradwege
oder Radfahrstreifen. Wenn das nicht möglich ist, sollen sie
wenigstens von rechts mit fahrenden Fahrzeugen kuscheln dürfen.

Eine gute Möglichkeit zum Kuscheln – sogar vom Bußgeldkatalog
empfohlen – sind übrigens die Stuttgarter Schutzstreifen. In der
Schwieberdinger Straße ab der Kreuzung mit der Frankenstraße in
Stuttgart‐Zuffenhausen in Richtung Nordwesten gibt es
beispielsweise einen, der 110 cm breit ist, vor gerade mal 3
Jahren neu angelegt. Das versteht Stuttgart unter zeitgemäßer
Radverkehrsförderung.
Post by Helmut Waitzmann
[1]
<http://dasfahrradblog.blogspot.com/2016/09/autofahrer-bringt-radler-zu-fall-und.html>
<http://www.presseportal.de/blaulicht/pm/110977/3426438>
<http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.radunfaelle-in-stuttgart-smart-fahrer-laesst-radler-schwer-verletzt-zurueck.8f8feea9-090e-4d22-bb97-d1d783d41c19.html>
<http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.radunfaelle-in-stuttgart-smart-fahrer-laesst-radler-schwer-verletzt-zurueck.8f8feea9-090e-4d22-bb97-d1d783d41c19.html>
[2] <http://www.presseportal.de/blaulicht/pm/110974/3383611>
<http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.toedlicher-unfall-in-sindelfingen-radfahrer-wird-von-lkw-ueberrollt.c6aa532d-d9ea-4dfc-9e6b-40642c1567b1.html>
<http://dasfahrradblog.blogspot.com/2016/07/todlicher-radlerunfall-in-sindelfingen.html>
<https://4.bp.blogspot.com/-k73UhMF_g-g/V5B_XSYZWQI/AAAAAAAAUuA/3Ctpv5fduRwUQzDVfd8Z87bw30LI16acgCLcB/s1600/Sindelfingen%2BBo%25CC%2588blinger%2BStra%25C3%259Fe%2BUnfall.jpg>
[3]
<https://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/berlin-schoeneberg-rechtsabbiegender-lkw-toetet-radfahrerin/20875818.html>
<http://www.berlin.de/polizei/polizeimeldungen/pressemitteilung.668610.php>
<https://www.berliner-zeitung.de/berlin/polizei/schoeneberg-lkw-ueberfaehrt-beim-abbiegen-radfahrerin---frau-stirbt-29539972>
<https://www.tagesspiegel.de/images/rad/20876166/3-format43.jpg>
<https://www.tagesspiegel.de/images/20180123_085341/20878280/2-format43.jpg>
<https://www.tagesspiegel.de/images/laster/20876170/2-format43.jpg>
<https://www.berliner-zeitung.de/image/29540556/2x1/940/470/30317b223cbf7815fc0baa6d2cd8e69c/DE/radunfall-schoeneberg.jpg>
[4]
<https://www.tagesspiegel.de/berlin/nach-toedlichem-fahrradunfall-in-schoeneberg-verkehrsverwaltung-will-mehr-platz-fuer-radfahrer-schaffen/20883310.html>
<https://www.berliner-zeitung.de/berlin/verkehr/schoeneberg-verkehrsbehoerde-zieht-markierung-von-radspur-nach-toedlichem-unfall-vor-29767778>
<https://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/nach-toedlichem-unfall-in-schoeneberg-unfallstelle-schnell-entschaerft/20971734.html>
<https://www.berliner-zeitung.de/image/29767784/2x1/940/470/cdb8459a749c46cb6c61d6c8a4bd5f3c/zw/5f98ac0059779cc9.jpg>
<https://www.tagesspiegel.de/images/bus-auf-fahrradspur/20973702/2-format6001.jpg?inIsFirst=true>
[5] Auf der Kreuzung der Kolbstraße mit der Hauptstätter Straße.
Blick nach Südosten zur querenden Heusteigstraße. Im Rücken des
<https://3.bp.blogspot.com/-hz8xLhs2UpM/VQ21z2jkTsI/AAAAAAAARVc/lTpuHEPq85w/s1600/Kolbstra%C3%9Fe%2Bparkplatz.JPG>
<https://dasfahrradblog.blogspot.com/2018/05/ganz-tief-seufz.html#main>
[7] In der Kolbstraße: Blick nach Nordwesten auf die Kreuzung mit
der Hauptstätter Straße. Weiter hinten quert die Tübinger Straße.
<https://2.bp.blogspot.com/-U7ytvdvrxnU/Wu2g2jlq7YI/AAAAAAAAbcA/gKTwdOOQPO4OW0TyRbgSGQTQ5tlfktjLgCLcBGAs/s1600/Kolbstr%2BRadler%2BAuto%2B.JPG>
[25]
<https://4.bp.blogspot.com/-wsPn19wCztQ/Wq_zCcBi-PI/AAAAAAAAY_8/4kZJi1Sl3mI5Sz-2Xsq5f2v5dfX3xYJDACLcBGAs/s1600/Lindau%2BAmpel%2BRadfreigabe.JPG>
[26]
<https://www.treehugger.com/bikes/montreal-considering-separate-traffic-laws-cyclists.html>
[27]
<https://1.bp.blogspot.com/-mJSv7vYykN0/Wq_qQ2B9PAI/AAAAAAAAY_M/HpK4P2JcWKQnfBWTwKA2D2OQepjy3TY9gCLcBGAs/s1600/Charlottenplatz%2BAmpel.JPG>
[28]
<https://1.bp.blogspot.com/-TWx0p9lpaWY/Wq_wUHnrWtI/AAAAAAAAY_w/MYYgbmTAMFsGMCfb_qkEEZJkPSwyMj_pQCLcBGAs/s1600/Stopp-Schild%2BLehenstr%2B.JPG>
[29]
<https://www.theguardian.com/environment/bike-blog/2017/sep/22/what-happens-if-you-turn-off-the-traffic-lights>
[30]
<https://dasfahrradblog.blogspot.de/2015/03/der-roll-stopp.html>
[31]
<https://dasfahrradblog.blogspot.de/2016/02/was-in-ulm-geht-sollte-bei-uns-doch.html>
[32]
<https://4.bp.blogspot.com/-32MaULoVTXM/Wq_swsW2ZTI/AAAAAAAAY_Y/Zad96B2vIj8Z_keUnFX5L6UCc2YvsO2JgCLcBGAs/s1600/Kolbstra%25C3%259Fe%2BAmpel.JPG>
[33]
<https://dasfahrradblog.blogspot.de/2017/02/warum-manche-zu-geisterradlern-werden.html>
[34]
<https://2.bp.blogspot.com/-RqBcXHvtXDI/Wq_vH53I0wI/AAAAAAAAY_k/cdRLFFRR_Q0JIX38UJ9bxz1VXYkoFkGHwCLcBGAs/s1600/Liststr%2BEinbahn%2Bvorher%2Bnachher.jpg>
[35]
<http://tvthek.orf.at/profile/ZIB-Magazin/5521881/ZIB-Magazin/13970049/Fahrradhauptstadt-Kopenhagen/14267373>
Martin Gerdes
2018-06-02 13:13:55 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Helmut Waitzmann
Post by Helmut Waitzmann
In ihrem Blog „Radfahren in Stuttgart“
(<https://dasfahrradblog.blogspot.com/>) kommt Dr. Christine Lehmann
im Artkel
<https://dasfahrradblog.blogspot.com/2018/05/verkehrsregeln-sind-nur-fur-autos.html#main>
zu dem Schluss, dass die StVO Kraftfahrer bevorzugt und
nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer benachteiligt.
Das trifft ja auch zu, man könnte diese Feststellung auch noch viel
weiter ziehen, indem man schreibt: "... daß die Verkehrtpolitik
Kraftfahrer bevorzugt und nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer
benachteiligt."

Beispiel: Da wird eine Straße umfassend saniert. Die Fahrbahn bekommt
einen erstklassig glatten Asphalt. Der Radverkehr wird mal wieder auf
Rad-weg!-e verbannt, die vor jeder Grundstückseinfahrt eine Verbeugung
vor dem (sehr selten) querenden Kraftverkehr machen müssen. Das heißt:
Der Radverkehr, den die Politik auf dieses Weglein zwingt, muß von früh
bis spät an jeder Grundstückseinfahrt hoppeln, damit der
Grundstückseigentümer mit seinem Kraftfahrzeug einmal morgens und einmal
abends bequem und ohne Stoß in seine Garageneinfahrt kommt.
Post by Helmut Waitzmann
Post by Helmut Waitzmann
| Verkehrsregeln sind nur für Autos gemacht
Stimmt vom Sinn her. Rechte im Straßenverkehr gibts in erster Linie für
Kraftfahrer, für Radfahrer hingegen werden vor allem Pflichten
kodifiziert (und in der Praxis sieht es noch dunkler aus).
Post by Helmut Waitzmann
Post by Helmut Waitzmann
| Und Radfahrer riskieren keine Zusammenstöße, weil sie dabei
| selbst stürzen, sich also selbst verletzen.
Das ist leider nicht wahr. Wäre es so, gäbe es keine
Verkehrsunfälle, bei denen Radfahrer Hauptverursacher sind.
Eine Präsentation bietet nur begrenzten Raum für eine im Detail genaue
Darstellung. Heißt: Der Vortragende muß vereinfachen, damit er sich
nicht verliert und seine Ziele rüberbringt.

Diese prinzipielle Eigenart der Darstellung berücksichtigt (und die
Prise Salz, die damit einhergeht), stimmt die Darstellung. Ich fahre
auch so: Ich bin mir bewußt, daß ich bei jedem Unfall unweigerlich
selbst mit verletzt werde und trachte daher primär danach, Unfälle zu
vermeiden und stelle dafür die hl. Verkehrsregeln ggf. zurück. Ich würde
daher niemals meine Vorfahrt "erzwingen", wie so mancher Outler das
Radfahrern immer wieder vorhält. Ich erlebe regelmäßig im Verkehr, daß
Outler ihren Willen mit Gewalt durchsetzen. Freuen tut mich das nicht,
aber es ist für mich immer die bessere Alternative, daß ein Arsch mir
die Vorfahrt nimmt (das ist in einer Sekunde vorbei) als daß ich
hinterher wochenlang Schmerzen von meinen Verletzungen habe (und am Ende
noch einen Dauerschaden).

Daß der Mensch irrt, solange er strebt (es also Radfahrer gibt, die sich
vertun und so Unfälle verursachen), ist unbenommen.
Post by Helmut Waitzmann
Post by Helmut Waitzmann
| Daraus folgt: Man muss sie nicht so oft anhalten lassen wie
| Autos. Man könnte sie wie hier in Lindau, an vielen Ampeln,
| an denen Autofahrer wegen ihrer Breite halten müssen, auch bei
| Rot fahren lassen.
Aber nachher (s.u.) beklagen wir Außenspiegel dicht am
Fahrradlenker.
Ich bin völlig bei der Autorin.
Post by Helmut Waitzmann
Post by Helmut Waitzmann
| Unsere Verkehrsregeln sind für Autofahrer von Autofahrern
| entwickelt worden. Und zwar, um Fußgänger/innen und
| Radfahrer/innen von der Fahrbahn wegzuhalten.
Bekannt seit 1936. Aber man kann es nicht oft genug wiederholen.
Post by Helmut Waitzmann
| [27][Charlottenplatz%2BAmpel.JPG] Charlottenplatz, eine
| Autokreuzung
Diese Kreuzung ist kein Beispiel dafür, wie Ampelschaltungen für
die Autos für Radfahrer ungeeignet sind.
Diese Höllenkreuzung (so mein Eindruck aus der Vogelperspektive bei
Google Maps) ist ein Ort, den man als Fahrradfahrer gern vermeiden
möchte. Mir fehlt die Ortskenntnis dafür, ob das überhaupt geht.
Post by Helmut Waitzmann
Sie ist ein Beispiel dafür, wie Radverkehrsanlagen Radfahrer
benachteiligen. Wer dort als Radfahrer von der Planie
??
Post by Helmut Waitzmann
kommend, nach links Richtung Cannstatt abbiegen will, muss auf
der Radverkehrsanlage an sechs Furten auf grün warten, während
er auf der Fahrbahn nur einmal warten müsste.
Klar.
Post by Helmut Waitzmann
Das besondere dabei: Das Fahren auf der Fahrbahn
wird Radfahrern dort ausdrücklich mit Verkehrszeichen 254 ...
verboten. Das ist Radverkehrsbenachteiligung dank
Radverkehrsanlage, nicht dank Autokreuzung.
Kann man beides wirklich trennen?
Post by Helmut Waitzmann
Aber wer Radfahrer als Fußgänger auf Rädern sieht,
Wer tut das?
Post by Helmut Waitzmann
kann nicht glauben, dass man da als Radfahrer auf der Fahrbahn
gut aufgehoben wäre.
Der ganze Text trägt den Titel: "Radfahren darf keine Mutprobe sein" und
bringt damit das zentrale Problem auf den Punkt. Ein hinreichend großer
Prozentsatz der Outofahrer bedrängt und bedroht Radfahrer auf der
Fahrbahn, um sich so nach dem "Recht des Stärkeren" eine freie Fahrt
freizupressen. Der Staat toleriert das mit seinem StVO-Fahrbahnverbot
und der Tatsache, daß Verkehrsvergehen von Outofahrern gegen Radfahrern
praktisch nicht sanktioniert werden.

Solange sich in diesem zentralen Punkt nichts ändert (und danach sieht
es nicht aus), bleiben alle Bemühungen zur Förderung des Radverkehrs
Kosmetik.

"Mehr Rad-weg!-e" beispielsweise kann man hierzustadt überhaupt nicht
bauen, an allen einschlägigen Straßen hat man schon Hochbords (oder so
ähnlich). Die vorhandenen Rad-weg!-e allerdings zu ertüchtigen, so daß
sie ihren Namen verdienen, daran traut sich keiner heran.
Post by Helmut Waitzmann
Post by Helmut Waitzmann
| Fahrräder und Fußgänger sind völlig anders unterwegs, nämlich
| mit Muskelkraft. Eine Fußgängerampel dient dem Fußgänger. Hat
| er Grün, kann er gehen. Hat er Rot, dann weiß er, dass Autos
| kommen können. Kommt aber gar kein Auto, gibt es auch gar
| keinen Grund für den Fußgänger stehen zu bleiben. Wenn er geht,
| gefährdet er niemanden anderen (nur sich selbst, falls er nicht
| aufpasst).
Wenn er nicht aufpasst, gefährdet er nur dann niemanden anderen,
wenn der andere – auch als Radfahrer – mit annähernd
Schrittgeschwindigkeit unterwegs ist, oder, wenn wirklich gähnende
Leere herrscht. Ist beides nicht der Fall, können auch Fußgänger
Unfälle verursachen, bei denen andere verletzt werden.
Hachja!

Es ist nicht sinnvoll, mit seltenen oder extremen Ereignissen zu
argumentieren. Man wird mit Sicherheit einen Fall finden, bei dem ein
Outofahrer durch die Schuld eines Fußgängers zu Schaden gekommen ist. In
einer bedeutend höheren Zahl von Fällen ist es andersherum. Ich halte es
für durchaus tolerabel zu sagen: Bei einem Unfall zwischen einem
Fußgänger oder Radfahrer und einem Kraftfahrzeug werden Fußgänger
und/oder Radfahrer verletzt oder getötet, wohingegen der Kraftfahrer
unverletzt bleibt.
Post by Helmut Waitzmann
Post by Helmut Waitzmann
| Radfahrer müssen den gesamten per Muskelkraft aufgebauten
| Schwung abbremsen und danach mühsam und mit viel Kraft wieder
| aufbauen. Deshalb halten Radfahrer/innen so ungern,
Stimmt.
Post by Helmut Waitzmann
Post by Helmut Waitzmann
| vor allem dann nicht, wenn beispielsweise über einen
| Fußgängerüberweg gar kein Fußgänger geht, wenn der Fußgänger
| schon halb über den Zebrastreifen drüber ist oder wenn er
| gefahrlos rechts abbiegen kann, ohne dabei Fußgänger oder sich
| selbst zu gefährden, oder wenn er/sie die Kreuzung gecheckt
| hat, an der ein Stoppschild steht.
Stimmt alles.
Post by Helmut Waitzmann
Post by Helmut Waitzmann
| Autofahrer beschweren sich oft erbittert darüber, dass Radfahrer
| sich nicht an die Hauptregeln halten: Halten und Warten bei
| Rot, zum Stillstand abbremsen an Zebrastreifen und warten, bis
| der Fußgänger drüben ist.
Ein Blick in die Straßenverkehrordnung
(<https://dejure.org/gesetze/StVO/26.html>) belehrt eines
In der StVO steht, daß sich Outofahrer nicht erbittert über Radfahrer
beschweren? Wo denn?
Post by Helmut Waitzmann
Post by Helmut Waitzmann
| Dabei übersehen sie, dass sie in einem breiten und schweren
| Gefährt sitzen, für das der Verkehr so umständlich geregelt
| werden muss, der Radler dagegen nicht.
Stimmt.
Post by Helmut Waitzmann
Post by Helmut Waitzmann
| Fußgänger/innen unter sich brauchen keinerlei Ampeln.
Stimmt.
Post by Helmut Waitzmann
Post by Helmut Waitzmann
| Radfahrende unter sich auch nicht.
Stimmt fast.
Post by Helmut Waitzmann
Post by Helmut Waitzmann
| Das zeigt die berühmte Kreuzung in Groningen, wo rundum alle
| Autos angehalten werden, und dann alle Radler gleichzeitig
| aus allen Richtungen über die Kreuzung fahren und abbiegen.
| Und es funktioniert glänzend.
An dieser einen Kreuzung. Wäre sie ein Erfolgsmodell, gäbe es Nachahmer.
Es gibt sie aber nicht.

Fußgänger unter sich brauchen eigentlich keine Verkehrsregeln,
wenngleich auch hier (siehe oben) Fälle konstruierbar sind, in denen sie
nützlich wären (Gegen den Strom zu laufen oder quer zum Strom zu rennen,
ist auch für Fußgänger nicht günstig).

Radfahrer sind schneller, das Verletzungspotential für sich und andere
ist größer, da sind Regeln schon sinnvoll, wenngleich man mit der
allgemeinen Regel "Sorgfalt, gegenseitige Rücksicht und Vorsicht" als
Radfahrer so weit kommt, daß man wenig andere Verkehrsregeln braucht.

Im Outoverkehr sind Regeln zwingend, sobald über Schrittgeschwindigkeit
gefahren werden soll (und das will der durchschnittliche Outofahrer).
aber auch hier könnte man viele Regeln gerades des deutschen
Regelungsgestrüpps in den Hintergrund treten lassen, wenn den deutschen
Outofahrern die übergeordnete Bedeutung des §1 der StVO nähergebracht
werden würde.
Post by Helmut Waitzmann
Ich habe gerade keine Möglichkeit, die Videoaufnahme anzusehen,
meine aber, sie schon einmal gesehen zu haben. Meiner Erinnerung
nach war das Verhalten der Verkehrsteilnehmer ziemlich chaotisch.
Was auch immer "chaotisch" in diesem Kontext bedeuten soll. Es ist nicht
sinnvoll, mit einem solchen widersprüchlichen Begriff zu argumentieren.
Fußgängerverkehr beispielsweise und das Gewusel in einem Ameisenhaufen
läuft immer chaotisch ab -- aber weitgehend störungsfrei. Im
physikalischen Sinn chaotische Systeme müssen durchaus nicht chaotisch
im deutsch-regelungswütigen Sinne sein, sondern funktionieren ggf.
erfreulich reibungsarm.
Post by Helmut Waitzmann
Mehr als Schrittgeschwindigkeit für Radfahrer (12 km/h) war da
meiner Erinnerung nach nicht sicher zu fahren.
In einer Begegnungssituation reicht das. Die Gesamträumungszeit zählt.
Post by Helmut Waitzmann
Post by Helmut Waitzmann
| Nur Autos brauchen Ampeln.
Stimmt.
Post by Helmut Waitzmann
Post by Helmut Waitzmann
| Und Fußgänger brauchen Ampeln nur, um vor Autos geschützt zu sein,
| wenn sie über die Straße gehen.
Stimmt auch, zumindest in der Theorie. Fatalerweise fahren nennenswert
viele der angeblich so regeltreuen Outofahrer eben doch bei Rot durch,
das sehe ich auf meinem Arbeitsweg alle Tage. Resultat: Die
Fußgängerbettelampel schützt die Fußgänger eben nicht unbedingt, sondern
sie müssen trotz Ampelgrün erst prüfen, ob der Outofahrer sie passieren
läßt.

In meinen Augen ist ein Zebrastreifen das bessere Prinzip: Er
verpflichtet alle Outofahrer zu Vorsicht und Geschwindigkeitsreduktion.
Grünes Ampellicht hingegen bedeutet: "Bolzen frei", der Wechsel von Grün
auf Gelb: "Jetzt aber schnell, damit ich noch durchkomme. Resultat: So
mancher Outofahrer fährt bei Gelb sogar noch schneller als bei Grün --
und wenn er sich mit der Ampelphase verschätzt, fährt er schneller als
sonst bei Rot durch.
Post by Helmut Waitzmann
Post by Helmut Waitzmann
| Dass Radfahrer dabei übrigens nicht geschützt sind, zeigen die
| vielen tödlichen Abbiegeunfälle an Radwegübergängen parallel zu
| Fußgängerübergängen (ausführlicher Artikel dazu kommt noch).
Aber warum spricht sich dieser Blogartikel dann dafür aus,
Radfahrer sich an T_Kreuzungen bei Rot an die rechte Seite von
fahrenden Fahrzeugen kuscheln zu lassen?
Tut er das?

Es ist seit einiger Zeit in der Diskussion, zwei Ampelsituationen für
Radfahrer freizugeben: Rechtsabbiegen auf dem Radweg und T-Kreuzungen.

Beides sind für mich absolute No-Brainer und ich amüsiere mich etwas
grimmig über die deutschen Vorschriftenheinis und Bedenkenträger.

Die Führung eines Rad-weg!-s rechts vom Outoverkehr hat den bekannten
Nachteil. Wenn ein Radfahrer an einer Kreuzung aber rechts abbiegen
will, hat er damit den räumlichen Vorteil, den so mancher
Outo-Rechtsabbieger an Kreuzungen irrtümlich für sich in Anspruch nimmt:
Will der Radfahrer auf dem Rad-weg! rechts abbiegen, kann ihm kaum
anderer Verkehr in die Quere kommen. Wozu sollte er für diese Fahrt dann
die Ampel beachten müssen?

Viele Outokreuzungen sind genauso konstruiert: Die Ampel gilt nur für
den kreuzenden Verkehr (auch Linksabbieger kreuzen). Für Rechtsabbieger
gibt es extra "freie Rechtsabbieger", an deren Ende regelmäßig ein
"Vorfahrt gewähren" steht. In der DDR hing ein Grünpfeil unter der
Ampel, in den USA ist das Rechtsabbiegen an roten Ampeln generell
erlaubt.

Zweiter Fall: T-Stück. Eine Straße geht durch, eine andere Straße stößt
rechtwinklich darauf.

Generell gilt: Ampelregelung braucht man erst ab einer gewissen
Verkehrsdichte. Kommt nur ab und zu ein Outo und fahren Outos relativ
langsam, kann sich der Verkehr problemlos selbst organisieren.

Hierzustadt stehen Ampeln praktisch nur an Ausfallstraßen. Diese aber
haben ausnahmslos Rad-weg!-e. Fahre ich nun an diesem T-Stück "den
Balken" von rechts nach links auf dem Rad-weg!, kann mir allenfalls ein
Radfahrer aus dem "Stiel" in die Quere kommen -- und den sehe ich kommen
(und natürlich ein Fußgänger, denn solche können einem bekanntlich aus
jeder Himmelsrichtung einschließlich oben und unten abrupt vors Rad
taumeln). Wozu brauche ich für diese Richtung als Radfahrer auf dem
Rad-weg! eine Ampel?
Ex falso quodlibet.

Niemand redet davon, daß sich Radfahrer rechts neben Outofahrer
"kuscheln" -- mal ganz davon abgesehen, daß das in dieser Situation noch
verhältnismäßig ungefährlich wäre.
Post by Helmut Waitzmann
Post by Helmut Waitzmann
| Ein gutes Ampelmanagement für Radfahrende muss berücksichtigen,
| dass Radfahrende nicht so oft anhalten müssen wie Autos, weil
| sie keine Fußgänger gefährden.
ACK.
Post by Helmut Waitzmann
Post by Helmut Waitzmann
| Radstreifen funktionieren deshalb oft nicht, weil Radfahrende
| alle fünfzig bis hundert Meter zusammen mit den Autos zum
| Stillstand abgebremst werden (und dabei nicht mal in den Genuss
| einer Grünen Welle kommen, die die Autofahrer haben).
In der Tat würde die Anpassung der grünen Welle auf
Radfahrergeschwindigkeit – eventuell mit strenger
Geschwindigkeitsüberwachung, damit Oberschlaue nicht auf die Idee
kommen, mit überhöhter Geschwindigkeit Wellenreiten anzufangen –
nicht nur das Radfahren weniger unattraktiv machen sondern auch
die Verkehrssicherheit nicht nur für Radfahrer deutlich erhöhen.
Spielst Du hier den advocatus diaboli -- oder wie sonst sollte ich Deine
Ausführungen hier interpretieren?

"Grüne Welle" ist ohnehin nur Theorie, die schon aus mathematischen
Gründen niemals so umfassend funktionieren kann, wie viele Leute sie
gern hätten. Eine grüne Welle gleichzeitig für zwei unterschiedlich
schnelle Verkehrsströme kann niemals funktionieren. Man sollte sich
solche Flausen aus dem Kopf schlagen.


Die hiesige Verkehrtpolitik versucht sogar, den oben geäußerten Gedanken
umzusetzen, nämlich den, daß man Radfahrern möglichst das Anhalten
ersparen soll: Bei neu gebauten Bettelampeln baut die Stadt
Induktionsschleifen in die Zufahrten (wenngleich immer wieder an
falschen Stellen, das ist aber ein anderes Thema), die dafür sorgen
sollen, daß der Radfahrer sein Grün ohne Tastendruck anfordern kann,
also schon Grün hat, wenn er an der Ampel ankommt. Mir hilft das nichts,
der ich bekanntlich mit 20 bis 25 km/h durch die Stadt rase. Die
Verzögerung und/oder der Abstand der Induktionsschleife zur Bettelampel
ist so bemessen, daß noch Rot ist, wenn ich an der Ampel ankomme.
Offenbar kommt die Verkehrtpolitik nicht von der Vorstellung los, daß 12
bis 15 km/h die Schallmauer für Radgeschwindigkeit wären.
Nachdem ich als Radfahrer ohnehin vor jeder Ampel den Querverkehr
beachten muß, kümmert mich das Ampellicht gemeinhin nicht, sondern
kreuze die Fahrbahn, wenn sie frei ist. Im Rückspiegel sehe ich dann aus
der Distanz, daß die Ampel umspringt. Wenn ich dran denke, fahre ich
bewußt um die Induktionsschleife herum, weil ich den Outoverkehr nicht
unnötig behindern will.
Post by Helmut Waitzmann
Post by Helmut Waitzmann
| Je mehr Ampelhalte, desto unattraktiver wird ein Radstreifen
| oder Radweg, desto weniger benutzen ihn, desto mehr radeln
| woanders.
... was vielleicht nicht schlecht ist.
Post by Helmut Waitzmann
Post by Helmut Waitzmann
| Dabei geht es auch mit weniger Radlerampeln: Der [29]Guardian
| beschreibt einen Versuch in Amsterdam, wo man an einer Kreuzung
| die Ampeln abgeschaltet hat. Es gibt dort nicht viel
| Autoverkehr, aber sehr viel Radverkehr. Der Effekt: Ohne
| Ampeln fließt der Verkehr, Radfahrende arrangieren sich
| untereinander und mit dem Autoverkehr.
Eben. Ich erlebe hierzustadt, daß immer mehr Bettelampeln abgeschaltet
werden, erst (ärgerlicherweise) auf "einfach dunkel", dann, vielleicht
zeitgesteuert, auf "doppelt dunkel".

Man braucht Ampeln erst ab einer bestimmten Verkehrsdichte, unterhalb
derer stören sie den Verkehrsfluß.
Post by Helmut Waitzmann
| This live pilot project came about as a result of the rapid
| growth in cycling in some Amsterdam neighbourhoods.
| ... removal of protective barriers,
| altering light phases, reducing vehicular speed limits and
| designating entire corridors as “bicycle streets”.
Das Pilotprojekt insgesamt umfasst also nicht nur die reine
Ampelabschaltung am Alexanderplein in Amsterdam sondern auch
Entfernung von Schutzbarrieren (Wo bleiben nur die hochgelobten
protected bike lanes der Radentscheide?),
Man sollte nicht verkennen, daß Barrieren eine zusätzliche Gefährdung
auch für Radfahrer darstellen. So sehr ich Poller als autoritative
Verkehrsschilder ("Verbot der Durchfahrt für den Outoverkehr") begrüße
(weil es anders einfach nicht geht), so stellen sie doch eine
zusätzliche Unfallgefahr für Radfahrer dar. Das gleiche gilt für die
Barrieren der "geschützten Radstreifen", gerade im Zusammenhang mit der
hierzulande häufig unzureichenden Breite des Fahrradstreifens.
Hierzustadt kenne ich genau eine "protective bike lane", die etwa 1 m
breit ist. Das ist -- gemessen an ihren harten Rändern -- nicht
besonders breit -- und wenn einem dort ein Radwegsüchtiger
entgegenkommt, hat man ein Problem.
Post by Helmut Waitzmann
Senkung (also Verschärfung) von Geschwindigkeitsbeschränkungen
Wenn Tempo 30 tatsächlich durchgesetzt werden würde (was vor der
nächsten Revolution nicht stattfinden wird), schiene mir das ausreichend
niedrig.
Post by Helmut Waitzmann
und Umwidmung von Durchgängen als Fahrradstraßen.
Illusion. Es gibt hierzustadt keine einzige echte Fahrradstraße,
immerhin eine Handvoll falsche. Das ist in anderen Städten genauso. Die
axiomatische Zuweisung des Großteils des Verkehrsraumes an den
Kraftverkehr darf nicht hinterfragt werden (just das ist ja das Wesen
eines Axioms), also sind echte Fahrradstraßen (Verbot des Kraftverkehrs)
nicht möglich. Aus meiner Sicht braucht es das auch nicht. Immerhin: auf
den falschen Fahrradstraßen ist durch passende Beschilderung den
allermeisten Outofahrern bewußt, daß sie sich vorsichtig und
minderwertigen Verkehrsteilnehmern gegenüber rücksichtsvoll verhalten
sollten (siehe §1 StVO). Aus meiner Sicht verhalten sich die
allermeisten Outofahrer dort so, wie sie sich generell (im Sinne von §1
StVO) verhalten sollten. Fahren auf der Fahrbahn ist dort also nicht so
sehr Mutprobe wie sonst.
Post by Helmut Waitzmann
| The pilot is part of a larger mobility strategy across the city
| to make more room for cyclists and pedestrians.
| That means limiting access and space for private vehicles.
That means Wolkenkuckuckheim or St.Nimmerleinstag.
Post by Helmut Waitzmann
Das Pilotprojekt ist Teil einer größeren über die Stadt
verteilten Mobilitätsstrategie, mehr Platz für Radfahrer und
Fußgänger zu schaffen. Das bedeutet, den Zugang und den Raum
für den MIV zu beschränken.
| “Amsterdam’s public space is limited,” says the vice mayor for
| traffic, Pieter Litjens, who ultimately approved the pilot. “We
| need to be thoughtful and strategic about who and what uses that
| space.”
Der öffentliche Raum ist begrenzt. Wir müssen bei der Frage,
wer und was diesen Raum gebraucht, aufmerksam und planvoll sein.
Das kann aber doch im Outoland Deutschland so nicht gelten!
Post by Helmut Waitzmann
Post by Helmut Waitzmann
| Wenn eine Stadt den Radverkehr wirklich lenken will, wenn sie
| bestimmen will, wo Radfahrende unterwegs sind und wo nicht, dann
| muss sie Wege anbieten, die Radfahrer nicht behandeln wie
| Autofahrer und alle Nasen lang stoppen.
Ich würde mich nicht beklagen, wenn mich die Stadt behandeln würde wie
einen Outofahrer, mir namentlich die Rechte im Verkehr zubilligen würde
wie sie ein Outofahrer hat. Obwohl: Das ist eine rein theoretische
Überlegung, das steht schließlich nicht in der Macht der Stadt. Solange
ein hinreichend großer Anteil der Outofahrer die Apartheid ggf. mit
Waffengewalt durchsetzt, darf ich als unterprivilegierter Neger im
Verkehr nicht unaufmerksam werden.
Post by Helmut Waitzmann
Post by Helmut Waitzmann
| Hochbordradwege müssen rechts an den Ampelanlagen für Autos
| vorbeigeführt werden, wo immer das geht.
Leider meinen viele Verkehrsplaner – auch in Stuttgart – immer
noch an vielen Stellen, das gehe.
Wer weiß schon, ob und wie das geht?

Man hat Versuche damit gemacht, die Haltelinie für Kraftfahrer
zurückzusetzen. Damit hat ein Rechtsabbieger den Pulk der Radfahrer im
Blick, der rechts vor ihm auf das Grünwerden der Ampel wartet. Den
Radfahrer, der in voller Fahrt (hat ja Grün!) auf dem Radweg von hinten
heranrauscht und gerade weiterfahren will, sieht er trotzdem nicht.

Die Holländer verschwenken den Rad-weg! in die Querstraße (wodurch die
Haltelinien an allen vier Armen zurückweichen). Damit hätte man bei uns
mit Sicherheit den rechten Winkel, ohne den die Stadt Hannover keinen
neuen Rad-weg! baut. Dazu dann noch eine "protective bike lane"-Insel --
und - schwupps1 - hat man wieder eine neue Falle gebaut.
Post by Helmut Waitzmann
Die Folge sind die berühmten Unfälle, bei denen LKW-Fahrer über
Radfahrer abbiegen. Und dann fragt man sich bei einem solchen Unfall
ratlos, wie das hat passieren können, wo man doch zur Sicherheit
der Radfahrer extra einen Hochbordradweg, einen Radfahrstreifen oder einen
Schutzstreifen angelegt hat.
Nie vergessen! Der LKW-Fahrer hat in seinem Kopf einen toten Winkel, den
kein Spiegel dieser Welt (und auch kein Abbiegeassistent dieser Welt)
final erhellen kann.
Post by Helmut Waitzmann
Post by Helmut Waitzmann
| Ein Halt an einem Stoppschild ist unnötig. Das hat man in
| Idaho bereits erkannt.
Stimmt, das spielt in USA (wo gefühlt jedes zweite Verkehrsschild ein
Stopschild ist) eine größere Rolle als hier, wo es so gut wie keine
Stopschilder gibt.
Post by Helmut Waitzmann
Post by Helmut Waitzmann
| Dort dürfen Radfahrende Stoppschilder behandeln wie
| Vorfahrt-achten-Schilder.
Logisch.
Post by Helmut Waitzmann
Post by Helmut Waitzmann
| Der nächste Schritt ist die Erlaubnis für Radfahrende, eine rote
| Ampel zu behandeln wie ein Stoppschild.
... oder so ähnlich.
Post by Helmut Waitzmann
Post by Helmut Waitzmann
| Das ist beim Rechtsabbiegen oder beim Geradausfahren an T-Kreuzungen
... ein Selbstgänger (wie oben beschrieben).
Post by Helmut Waitzmann
Und nachher beklagen wir, dass die Autos zu dicht an uns
vorbeifahren, wenn wir überholt werden.
An ampelgeregelten Kreuzungen gibt es hierzustadt ausnahmslos
Rad-weg!-e.

Wenn man auf der Fahrbahn fährt, kommt es darauf an.
Post by Helmut Waitzmann
Post by Helmut Waitzmann
| Ich kann verstehen, dass Autofahrer sich ärgern, wenn ein
| schmaler Radler an ihnen vorbei gleitet und weiterfährt, wo sie
| selbst halten und warten müssen.
So mancher Outofahrer fährt daher Aufstellflächen für Radfahrer bewußt
zu. Da wünsche ich mir manches Mal einen größeren Schraubenzieher als
Abstandshalter (den ich allerdings nie dabei habe und den ich im
Bedarfsfall wohl auch nicht einsetzen würde).
Post by Helmut Waitzmann
Post by Helmut Waitzmann
| So mancher Autofahrer mag dem Radler diese Vorteile nicht gönnen,
| die das Radfahren mit sich bringt.
Eben, eben.
Post by Helmut Waitzmann
Post by Helmut Waitzmann
| Aber das Fahrrad ist nun mal nicht so ein behäbiges und
... für andere ...
Post by Helmut Waitzmann
Post by Helmut Waitzmann
| gefährliches Verkehrsmittel wie anderthalb Tonnen Blech mit
| Motor und vier Sitzen.
| Ein Autofahrer kann einen Radfahrer allein damit zu Fall
| bringen und sogar töten, indem er seine Autotür aufstößt.
Das ist meist Schusseligkeit und keine Bösartigkeit.
Post by Helmut Waitzmann
Der ADFC empfiehlt ...
von parkenden Fahrzeugen 1,5?m Seitenabstand zu halten.
... so Gerichte und die kommunale Verkehrtpolitik mit zu schmalen
Fahrradstreifen das zuläßt.
Post by Helmut Waitzmann
Ausführliche Überlegungen zum Seitenabstand beim Überholtwerden
stellt Ervin Peters in
<http://www.adfc-weimar.de/download/Seitenabstand.pdf> an.
Ein Verstoß gegen das Rechtsfahrverbot ist für jeden Radfahrer ratsam,
der auf seine Sicherheit bedacht ist. Man muß sich allerdings gewärtig
sein, daß so mancher sportliche Outofahrer sich dadurch provoziert
fühlt.
Post by Helmut Waitzmann
Post by Helmut Waitzmann
| Und gerade der gleichzeitige Start von Radfahrern und Autos an
| einer Ampel bringt nicht den Autofahrer in Gefahr, sehr wohl
| aber den Radler, wenn der Autofahrer ihn unbedingt überholen
| will, bevor die Straße auf der anderen Seite der Kreuzung zu eng
| dazu wird. Weshalb ja Radlerampeln dem Radler den Start zwei
| bis drei Sekunden vor dem Start der Autos ermöglichen. Ist der
| Radler schon weg, bevor die Autos starten, fällt der
| Platzkampf-Konflikt zwischen Auto und Fahrrad weg.
So ist es: „Ist der Radler schon weg…“, geht alles gut. Nur, was
ist mit dem zweiten Radfahrer, der 10 Sekunden nach dem ersten
folgt?
Wer als Radfahrer heil und lebendig bleiben muß, darf Augen und Hirn nie
ausschalten und muß stets kreativ bleiben.

Alternativ kann man immer absteigen und schieben und auf alle Restrechte
im Verkehr verzichten. So jedenfall möchten es die Outofahrer gern.
Post by Helmut Waitzmann
Post by Helmut Waitzmann
| Da habe ich schon manches Mal den Außenspiegel dicht neben mir
| gesehen. So mancher Radler erspart sich deshalb hier den
| Start bei Auto-Grün und startet tatsächlich bereits, wenn die
| Fußgänger parallel zu ihm (und der Radler von oben)
| Grün bekommen. Verboten, aber sehr sinnvoll.
Es gibt eine Kreuzung hier in der Stadt (ohne Rad-weg!), in der mir die
Fußgängerampel einige Sekunden Vorlauf gibt. Dort fahre ich aus diesem
Grund stets nach Fußgängerampel.
Post by Helmut Waitzmann
Post by Helmut Waitzmann
| Hier wäre die Rotfahr-Erlaubnis für Radfahrer/innen also
| sinnvoll. Besser wäre es natürlich, man würde da mal eine
| Radlerampel hinmachen.
Noch eine Ampel mehr, die man (optisch) ggf. erstmal suchen muß?

Jede Ampel weniger ist eine gute Ampel.
Post by Helmut Waitzmann
Mit einer extra Ampel für Radfahrer gäbe es garantiert eine extra
Radfahrerfurt.
... und eine hochdetaillierte Regelung. Wenn die Stadt hier irgendwo
eine Kreuzung saniert, ist der Verkehrsfluß hinterher garantiert um
etliches schlechter als vorher. Das kann niemand wünschen.

Die (noch immer) rot-grüne Kommunalpolitik bemüht sich sehr um die
Behinderung des Outoverkehrs. Das finde ich -- als Nur-Radfahrer! --
nicht besonders toll, zumal die Verkehrtpolitik es immer wieder schafft,
durch Überregulation alle Verkehrsströme gleichermaßen zu behindern. Und
das gefällt mir natürlich auch nicht: Daß ich durch eine Maßnahme, die
eigentlich der Förderung des Radverkehrs dienen soll, hinterher
schlechter durchkomme als vorher.
Post by Helmut Waitzmann
Post by Helmut Waitzmann
| Wir haben übrigens bereits eine Regel für Radfahrer geändert,
| weil Fahrräder eben anders sind als Autos. Früher fuhren Radler
| verbotenerweise gegen die Einbahnstraßen,
... was engagierte sportliche und vorschriftentreue Outofahrer a) zur
Raserei und b) zur Ausprägung des Verkehrslehrergens gebracht hat.
Post by Helmut Waitzmann
Post by Helmut Waitzmann
| inzwischen sind die meisten Einbahnstraßen für Radfahrer in
| Gegenrichtung freigegeben.
... und der früher für so unmöglich gehaltene Gegenverkehr auf dem
gleichen Fahrbahnprofil wie ehedem ganz störungsfrei läuft.
Post by Helmut Waitzmann
Post by Helmut Waitzmann
| Ein Radstreifen soll die Gefahr bannen und Autofahrer
| aufmerksam machen. (Leider parken Autos oben dann oft auf dem
| Radstreifen.)
Wie jetzt? Ist Parken auf Radstreifen etwa nicht erlaubt?

Outos parken überall, wo sie hinpassen, im Bedarfsfall in Notwehr.
"Irgendwo muß ich schließlich parken."
Post by Helmut Waitzmann
Post by Helmut Waitzmann
| mit grüner Welle für Radfahrer
Solange die Mehrheit der an Wahlen teilnehmenden Bevölkerung der
Meinung ist, dass motorisierter Verkehr selbst unter Inkaufnahme
von Menschenleben bevorzugt werden muss, wird es keine grüne Welle
für Radfahrer geben, weder auf der allgemeinen Fahrbahn, noch
anderswo. Mit allgemeiner Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30?km/h
samt Überwachung derselben innerorts wäre schon einiges für das
bessere Fortkommen der Radfahrer und vieles für die Sicherheit im
Verkehr getan.
ACK.
Post by Helmut Waitzmann
Post by Helmut Waitzmann
| und der Möglichkeit, einander zu überholen [35]wie
| beispielsweise in Kopenhagen.
Wenn die Fahrbahn endlich durchgehend für Radfahrer erlaubt und
mit der allgemeinen Geschwindigkeitsreduktion auch attraktiv und
sicher gemacht wird, können Radfahrer einander problemlos
überholen.
ACK. Eine allgemeine Freigabe der Fahrbahn werden wir beide in unserer
Lebenszeit aber nicht mehr erleben.
Post by Helmut Waitzmann
Ich habe den Eindruck, die Blogautorin möchte Radfahrer als
Fußgänger auf Rädern behandelt sehen.
Den Eindruck habe ich nicht.
Post by Helmut Waitzmann
Möglichst runter mit ihnen von der Fahrbahn auf Hochbordradwege
oder Radfahrstreifen.
Radfahren auf der Fahrbahn ist immer eine Mutprobe (Wohnstraßen
ausgenommen). Die muß man bewußt eingehen. Gerade in verkehrsreichen
Zeiten habe ich diesen Wunsch oftmals nicht und benutze den parallel
laufenden Hochbord trotz all seiner Schwächen in manchen
Verkehrssituationen ganz gern: Besser über schlaglochübersätes
Kleinpflaster weiterholpern als auf der glatten Fahrbahn im Stau stehen.

Ansonsten hätte ich ganz gern ein plausibles Verkehrsnetz für mich auf
der Fahrbahn alternativ zu den Outo-Ausfallstraßen.

Als Radfahrer bin ich kein Fußgänger, aber auch kein Outofahrer, sondern
zwischendrin. Von meiner Geschwindigkeit (und somit von meiner
Reichweite) liege ich zwischen beiden, das wäre bei der Verkehrsplanung
zu berücksichtigen.

Ich brauche längst nicht so viele Verkehrsregeln wie ein Outofahrer,
weil meine Betriebsgefahr, wenn sie schon nicht 0 ist, so doch ganz
entscheidend geringer ist als die Betriebsgefahr eines Outos (geschweige
denn eines LKWs).

PS: Eine ganze Menge Deiner Polemik teile ich nicht, die habe ich
einfach unkommentiert weggenommen. Du darfst getrost davon ausgehen, daß
ich in diesen Dingen gegenteiliger Auffassung bin.
Helmut Springer
2018-06-02 16:06:57 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Martin Gerdes
Der ganze Text trägt den Titel: "Radfahren darf keine Mutprobe
sein" und bringt damit das zentrale Problem auf den Punkt. Ein
Die Autorin fordert und foerdert leider unentwegt auch deswegen
Separierung, nur um ebenso unentwegt die in der Realitaet fuer
Radfahrer nachteiligen Ergebnisse zu beklagen. Es hat was
post-faktisches, fast religioes-dogmatisches.
--
Best Regards
helmut springer panta rhei
Martin Gerdes
2018-06-03 20:11:14 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Helmut Springer
Post by Martin Gerdes
Der ganze Text trägt den Titel: "Radfahren darf keine Mutprobe
sein" und bringt damit das zentrale Problem auf den Punkt.
Die Autorin fordert und foerdert leider unentwegt auch deswegen
Separierung, nur um ebenso unentwegt die in der Realitaet fuer
Radfahrer nachteiligen Ergebnisse zu beklagen. Es hat was
Post-Faktisches, fast Religioes-Dogmatisches.
In meinen Augen hat das etwas Realistisches.

Man mag zu Rad-weg!-en stehen, wie man will: Großstadtstraßen sind mit
ihnen zugepflastert, und jeder Outofahrer hat deren Benutzungspflicht
tief verinnerlicht. Wenn man davon wegwill (was man unterschiedlich
bewerten kann), gelingt das sicherlich nicht in einem Zug, zumal etliche
Radfahrer süchtig nach den Dingern sind.

Ahem: Sie schreibt irgendwo, Schutzstreifen seien für Radfahrer nicht
obligatorisch. Ich dachte immer, Schutzstreifen seien für Radfahrer
obligatorisch (und für den Kraftverkehr fakultativ, was das ganze
Konzept entwertet). Wer liegt falsch -- sie oder ich?
Tomas Graser
2018-06-04 17:04:52 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Martin Gerdes
Ahem: Sie schreibt irgendwo, Schutzstreifen seien für Radfahrer nicht
obligatorisch. Ich dachte immer, Schutzstreifen seien für Radfahrer
obligatorisch
Hier in der Stadt gibt es eine Strasse mit relativ neu aufgemalten
Schutzstreifen, bei der sich die Autofahrer drauf geeinigt haben, dass sie
obligatorisch von KFZ benutzt werden müsse. Und zwar konsequent. Heute war
die enge Reihenfolge Fahrrad-KFZ-Fahrrad zu beobachten.
Helmut Waitzmann
2018-06-06 16:37:15 UTC
Permalink
Raw Message
Martin Gerdes <***@gmx.de>:

[Die Rede ist von Dr. Christine Lehmanns Blog „Radfahren in
Stuttgart“ (<https://dasfahrradblog.blogspot.com/>).]
Post by Martin Gerdes
Ahem: Sie schreibt irgendwo, Schutzstreifen seien für Radfahrer
nicht obligatorisch. Ich dachte immer, Schutzstreifen seien für
Radfahrer obligatorisch (und für den Kraftverkehr fakultativ, was
das ganze Konzept entwertet). Wer liegt falsch -- sie oder ich?
Keine Ahnung. Auf sie würde ich jedenfalls nichts geben (s. u.).

Wenn ich mich richtig erinnere, unterscheidet die StVO beim
Schutzstreifen nicht zwischen Fahrrädern und Kraftfahrzeugen. Das
bedeutet, dass sie für beide Fahrzeugarten – jedenfalls dem
Buchstaben nach – dieselben Verhaltensweisen vorschreibt.

Andererseits gibt es im Bußgeldkatalog einen eigenen Tatbestand
für das Nichtbenutzen eines Schutzstreifens als Radfahrer. Da
wird also etwas Radfahrern bußgeldbewehrt verboten, was
Kraftfahrern nicht verboten wird, obwohl es laut StVO Rad‐ und
Kraftfahrern gleichermaßen entweder erlaubt oder verboten ist.

Was dann allerdings Gerichte daraus machen, steht auf einem
anderen Blatt.

Heiko Jacobs hat in

Subject: Schutzstreifentatbestände 102142 ff. From: Heiko
Jacobs <***@gmx.de> Newsgroups: de.rec.fahrrad Message-ID:
<ojjbdb$68f$***@news2.open-news-network.org> Date: Wed, 5 Jul 2017
20:33:17 +0200

von einem Fall berichtet, bei dem er gegen ein Bußgeld wegen
Nichtnutzung eines Schutzstreifens vorgegangen ist.

Im Übrigen würde ich auf Dr. Christine Lehmanns Aussagen zu
Verkehrsrecht nichts geben: Sie bringt es meines Wissens bis
heute nicht fertig, auf den Fantasiebegriff „Radstreifen“ zu
verzichten. Man weiß in diesen Fällen bei ihr nie, was sie
wirklich meint.

Auch das ist etwas, was ich Dr. Lehmann ankreide: Ihr Blog wird
von einigen Radfahrern als Informationsquelle betrachtet. Da ist
es ein Gebot der Sorgfalt, die richtigen Begriffe zu verwenden und
nicht mit Fantasiebegriffen unnötig Verwirrung zu stiften. Die
Verkehrsregeln für Radfahrer sind schon kompliziert genug.

Ja, es wurde im Blog von Kommentatoren bereits nicht nur einmal
angemerkt.

Nur zur Sicherheit, damit klar ist, worum es mir geht:

Die offiziellen Bezeichnungen sind

* „Radfahrstreifen“ für einen von der Fahrbahn durch eine
durchgehende Linie abgeteilten Streifen mit aufgestelltem
Verkehrszeichen 237 (rund, blau, weißes Fahrradpiktogramm
darinnen), der benutzungspflichtig ist und nicht Teil der
Fahrbahn (wohl aber der Straße) ist, und

* „Schutzstreifen“ für einen als Teil der Fahrbahn durch eine
durchbrochene Linie abmarkierten Streifen ohne Verkehrszeichen
237, der Teil der Fahrbahn ist. Er darf von Fahrzeugen –
beachte: da steht nicht Kraftfahrzeugen – nur „bei Bedarf“
(Zitat StVO) befahren werden.
Martin Gerdes
2018-06-06 21:32:15 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Helmut Waitzmann
[Die Rede ist von Dr. Christine Lehmanns Blog „Radfahren in
Stuttgart“ (<https://dasfahrradblog.blogspot.com/>).]
Ich hätte gern zu diesem Blog hier diskutiert. Du bist der einzige, der
wenigstens ein bißchen darauf eingegangen ist. Andere Mitleser
interessiert das offensichtlich nicht (vielleicht sind die dort
angesprochenen Themen auch schon vor meiner Zeit totdiskutiert worden)
Post by Helmut Waitzmann
Post by Martin Gerdes
Ahem: Sie schreibt irgendwo, Schutzstreifen seien für Radfahrer
nicht obligatorisch. Ich dachte immer, Schutzstreifen seien für
Radfahrer obligatorisch (und für den Kraftverkehr fakultativ, was
das ganze Konzept entwertet). Wer liegt falsch -- sie oder ich?
Keine Ahnung. Auf sie würde ich jedenfalls nichts geben (s.u.).
Ich würde etwas für eine sachkundige Antwort aus den Reihen der Mitleser
geben. Leider ist bisher noch keine gekommen.
Post by Helmut Waitzmann
Wenn ich mich richtig erinnere, unterscheidet die StVO beim
Schutzstreifen nicht zwischen Fahrrädern und Kraftfahrzeugen. Das
bedeutet, dass sie für beide Fahrzeugarten – jedenfalls dem
Buchstaben nach – dieselben Verhaltensweisen vorschreibt.
Wie gesagt, ich weiß es auch nicht und würde mich daher gern von einem
sachkundigen Verkehrsrechtler aufklären lassen.
Post by Helmut Waitzmann
Andererseits gibt es im Bußgeldkatalog einen eigenen Tatbestand
für das Nichtbenutzen eines Schutzstreifens als Radfahrer. Da
wird also etwas Radfahrern bußgeldbewehrt verboten, was
Kraftfahrern nicht verboten wird, obwohl es laut StVO Rad- und
Kraftfahrern gleichermaßen entweder erlaubt oder verboten ist.
So ist das halt bei der Apartheid.
Post by Helmut Waitzmann
Was dann allerdings Gerichte daraus machen, steht auf einem
anderen Blatt.
Heiko Jacobs hat in
Subject: Schutzstreifentatbestände 102142 ff.
von einem Fall berichtet, bei dem er gegen ein Bußgeld wegen
Nichtnutzung eines Schutzstreifens vorgegangen ist.
Der Fall ist uns allen noch geläufig. Ich habe von diesem Autor schon
lang nichts mehr gelesen.
Post by Helmut Waitzmann
Im Übrigen würde ich auf Dr. Christine Lehmanns Aussagen zu
Verkehrsrecht nichts geben: Sie bringt es meines Wissens bis
heute nicht fertig, auf den Fantasiebegriff „Radstreifen“ zu
verzichten. Man weiß in diesen Fällen bei ihr nie, was sie
wirklich meint.
Dafür hat sie in vielen Dingen eine recht realistische Sicht der Dinge,
die mir insgesamt ziemlich gut gefällt.
Post by Helmut Waitzmann
Auch das ist etwas, was ich Dr. Lehmann ankreide: Ihr Blog wird
von einigen Radfahrern als Informationsquelle betrachtet. Da ist
es ein Gebot der Sorgfalt, die richtigen Begriffe zu verwenden und
nicht mit Fantasiebegriffen unnötig Verwirrung zu stiften. Die
Verkehrsregeln für Radfahrer sind schon kompliziert genug.
Je nu.
Post by Helmut Waitzmann
Ja, es wurde im Blog von Kommentatoren bereits nicht nur einmal
angemerkt.
Die offiziellen Bezeichnungen sind
* „Radfahrstreifen“ für einen von der Fahrbahn durch eine
durchgehende Linie abgeteilten Streifen mit aufgestelltem
Verkehrszeichen 237 (rund, blau, weißes Fahrradpiktogramm
darinnen), der benutzungspflichtig ist und nicht Teil der
Fahrbahn (wohl aber der Straße) ist, und
* „Schutzstreifen“ für einen als Teil der Fahrbahn durch eine
durchbrochene Linie abmarkierten Streifen ohne Verkehrszeichen
237, der Teil der Fahrbahn ist. Er darf von Fahrzeugen –
beachte: da steht nicht Kraftfahrzeugen – nur „bei Bedarf“
(Zitat StVO) befahren werden.
... wenn allerdings ein Untermensch auf Rädern diesen "Schutzstreifen"
nicht befährt, zwingt ihn die Rennleitung mittels Bußgeld zu seinem
eigenen Schutz.

Ich erlebe mich als Radfahrer auf unseren Straßen als vogelfrei. Jeder
Outofahrer, der das möchte, kann mich nach Belieben und straffrei
anhupen, bedrängen, abdrängen, schneiden, eng oder zu eng überholen. Das
Papier der StVO ist geduldigt, diese Verordnung spielt für die Realität
auf unseren Straßen keine Rolle.

Ich glaube nicht, daß die obige feinsinnige Unterscheidung vielen
Outofahrern bekannt ist, auch spielt sie in der Realität keine Rolle.
Parkplatz ist alles, auf dem ein Outo stehen kann (vorzugsweise so, daß
es den Outoverkehr nicht behindert).

Neulich mal hat mir ein "Fahrradbeauftragter" der Stadt Hannover mal
diesen feinsinnigen Unterschied um die Ohren gehauen. Anführungszeichen
deswegen, weil der Mensch zwar Alltagsradler ist, aber streng auf
Verwaltungs- und Outofahrerlinie.

Die Stadt hat an einer Stelle eine "Querungshilfe" (Verkehrsinsel) für
Fußgänger gebaut und so den Fahrbahnquerschnitt verringert. Gleichzeitig
wurde der Rad-weg! durch einen Schutzstreifen ersetzt. Restbreite für
die Fahrbahn unter 2 Meter -- macht ja nix, Outos dürfen ja bei Bedarf
den "Schutzstreifen" benutzen -- und Bedarf besteht hier ja wohl, so die
Verwaltung. Ich nenne eine solche Gestaltung Todesfalle (obwohl schlimme
Unfälle oder gar Todesfälle bisher nicht bekanntgeworden sind.
Vermutlich "verzichten" die Radfahrer an dieser Stelle auf ihre
Vorfahrt, wie es von ihnen bekanntlich regelmäßig erwartet wird).

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[Ferdinand-Wallbrecht-Str. Ecke Edenstr.]
Ulli Horlacher
2018-06-06 22:31:48 UTC
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Raw Message
Post by Martin Gerdes
Ich erlebe mich als Radfahrer auf unseren Straßen als vogelfrei. Jeder
Outofahrer, der das möchte, kann mich nach Belieben und straffrei
anhupen, bedrängen, abdrängen, schneiden, eng oder zu eng überholen.
Oder anfahren.
Ich habs schriftlich von der Stuttgarter Staatsanwaltschaft:
Verfahren gegen den Autofahrer wurde eingestellt "mangels oeffentlichem
Interesse". Radfahrer sind so was wie Bodenlurche: irrelevant. So was
nimmt man nicht ernst.

Mein Resuemee: Dann eben Selbstjustiz, wenn mich der Staat nicht
beschuetzen will.
--
+ Ulli Horlacher + ***@tandem-fahren.de + http://tandem-fahren.de/ +
Martin Gerdes
2018-06-09 11:04:40 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Ulli Horlacher
Post by Martin Gerdes
Ich erlebe mich als Radfahrer auf unseren Straßen als vogelfrei. Jeder
Outofahrer, der das möchte, kann mich nach Belieben und straffrei
anhupen, bedrängen, abdrängen, schneiden, eng oder zu eng überholen.
Oder anfahren.
Auch das.
Post by Ulli Horlacher
Verfahren gegen den Autofahrer wurde eingestellt "mangels oeffentlichem
Interesse". Radfahrer sind so was wie Bodenlurche: irrelevant. So was
nimmt man nicht ernst.
Schon so. Ich sehe mich als Untermenschen auf Rädern, vogelfrei auf den
Straßen, ohne Schutz durch Polizei und die "Verkehrsregeln", die der
durchschnittliche Outofahrer monstranzartig vor sich herträgt (und
mehrheitlich selbst nicht beachtet).
Post by Ulli Horlacher
Mein Resuemee: Dann eben Selbstjustiz, wenn mich der Staat nicht
beschuetzen will.
Welche "Selbstjustiz" könnte ich als schwacher Radfahrer denn ausüben?
Keine.
Chr. Maercker
2018-06-07 10:39:32 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Helmut Waitzmann
Wenn ich mich richtig erinnere, unterscheidet die StVO beim
Schutzstreifen nicht zwischen Fahrrädern und Kraftfahrzeugen.
ACK, dort steht "Fahrzeuge".
Post by Helmut Waitzmann
bedeutet, dass sie für beide Fahrzeugarten – jedenfalls dem
Buchstaben nach – dieselben Verhaltensweisen vorschreibt.
Andererseits gibt es im Bußgeldkatalog einen eigenen Tatbestand
für das Nichtbenutzen eines Schutzstreifens als Radfahrer. Da
wird also etwas Radfahrern bußgeldbewehrt verboten, was
Kraftfahrern nicht verboten wird, obwohl es laut StVO Rad‐ und
Kraftfahrern gleichermaßen entweder erlaubt oder verboten ist.
"möglichst weit rechts" wird für Fahrräder enger ausgelegt als für Kfz.
Eine Begründung für diese Ungleichbehandlung steht bisher aus, der StVO
ist sie jedenfalls nicht zu entnehmen.
Post by Helmut Waitzmann
Was dann allerdings Gerichte daraus machen, steht auf einem
anderen Blatt.
Ein Gericht hat Verbot der Fahrbahn links von Schutzstreifen als Verstoß
gegen das Rechtsfahrgebot gewertet, die Streifenbreite spielte dabei
keine Rolle. WIMRE war es das OLG Jena, Aktenzeichen kann evtl. Martin
Kozlowski beisteuern.
Post by Helmut Waitzmann
Subject: Schutzstreifentatbestände 102142 ff. From: Heiko
20:33:17 +0200
von einem Fall berichtet, bei dem er gegen ein Bußgeld wegen
Nichtnutzung eines Schutzstreifens vorgegangen ist.
Der Ausgang dieses Verfahrens ist mir nicht in Erinnerung, aber ich
rechne mit keinem vorteilhaften.
Post by Helmut Waitzmann
Im Übrigen würde ich auf Dr. Christine Lehmanns Aussagen zu
Verkehrsrecht nichts geben: Sie bringt es meines Wissens bis
heute nicht fertig, auf den Fantasiebegriff „Radstreifen“ zu
verzichten. Man weiß in diesen Fällen bei ihr nie, was sie
wirklich meint.
Das ist bei den vielen verschiedenen Randverkehrtanlagen aber auch
wirklich schwierig. ;-)
--
CU Chr. Maercker.

RADWEGE sind TOD-SICHER! Schlaue Füchse fahren Fahrbahn.
Chr. Maercker
2018-06-04 11:23:07 UTC
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Raw Message
Post by Helmut Springer
Die Autorin fordert und foerdert leider unentwegt auch deswegen
Separierung, nur um ebenso unentwegt die in der Realitaet fuer
Radfahrer nachteiligen Ergebnisse zu beklagen. Es hat was
post-faktisches, fast religioes-dogmatisches.
Es ist eine Form von gesamtgesellschaftlicher Schizophrenie. Sie fällt
bei Vertretern von ADFC u.a. Radfahrerverbänden lediglich besonders
häufig auf, oft genug aber auch bei Medienvertretern u.v.a.
--
CU Chr. Maercker.

RADWEGE sind TOD-SICHER! Schlaue Füchse fahren Fahrbahn.
m***@gmail.com
2018-06-04 13:53:48 UTC
Permalink
Raw Message
Auch der tollste Radweg, der ohne Ampel rechts an der Ampel für die Fahrbahn vorbei geführt wird, ist nur ein Radweg. Abgesehen von der in der Natur der Sache liegenden höheren Gefährdung auf dem Radweg im Vergleich zur Fahrbahn ist es auch viel bequemer auf der Fahrbahn. Auf jedem Radweg und/oder Gehweg wird Müll und Baumarterial abgestellt und in der Verlegenheit nach einem Unfall als erstes die Unfallautos dorthin geparkt und Trümmerteile geworfen. Denn wichtig ist vorallem, dass die Fahrbahn frei bleibt!

Wer schnell voran kommen will -- auch als Radfahrer --, muss auf der Fahrbahn fahren. Nachts und insbesondere bei Nebel oder Regen kann man Radwege nicht mit normaler Reisegeschwindigkeit befahren. Fahrbahnen hingegen sind fast immer frei und für deutlich höhere Geschwindigkeiten ausgelegt.

Siehe auch:
http://bernd.sluka.de/Radfahren/Prinzip.html
Helmut Waitzmann
2018-06-23 00:24:42 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Helmut Waitzmann
In ihrem Blog „Radfahren in Stuttgart“
(<https://dasfahrradblog.blogspot.com/>) kommt Dr. Christine Lehmann
im Artkel
<https://dasfahrradblog.blogspot.com/2018/05/verkehrsregeln-sind-nur-fur-autos.html#main>
zu dem Schluss, dass die StVO Kraftfahrer bevorzugt und
nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer benachteiligt.
Ich finde, ihre Ausführungen, wie die StVO geändert werden müsste,
damit sie Radfahrern besser gerecht wird, sollten nicht unkommentiert
bleiben. Lest selbst.
Ich zitiere den Text mit „|“ am Zeilenanfang markiert im folgenden
vollständig (das Original hat noch eingebettete Fotos). Ein paar
Erläuterungen stelle ich noch zwischen hinein (unmarkierte Zeilen).
Alle im Text enthaltenen Verweise (links) auf Fotos oder andere
[…]
Post by Helmut Waitzmann
| Ein Halt an einem Stoppschild ist unnötig. Das hat man[30] in
| Idaho bereits erkannt. Dort dürfen Radfahrende Stoppschilder
| behandeln wie Vorfahrt-achten-Schilder. Der nächste Schritt ist
| die Erlaubnis für Radfahrende, [31]eine rote Ampel zu behandeln
| wie ein Stoppschild. Das ist beim Rechtsabbiegen oder beim
| Geradausfahren an T-Kreuzungen
Gemeint ist: Ein Radfahrer, der, vom rechten Arm des „T“
kommend, geradeaus in den linken Arm fahren will, soll das auch
tun dürfen, während der Verkehr vom Rumpf des „T“ in den linken
Arm abbiegt.
| kein Problem, weil Radler ja nicht die ganze Breite der Fahrbahn
| einnehmen.
|
| Ich kann verstehen, dass Autofahrer sich ärgern, wenn ein
| schmaler Radler an ihnen vorbei gleitet und weiterfährt, wo sie
| selbst halten und warten müssen. So mancher Autofahrer mag dem
| Radler diese Vorteile nicht gönnen, die das Radfahren mit sich
| bringt.
[30]
<https://dasfahrradblog.blogspot.de/2015/03/der-roll-stopp.html>
[31]
<https://dasfahrradblog.blogspot.de/2016/02/was-in-ulm-geht-sollte-bei-uns-doch.html>
Es geht also darum, mithilfe dieser Regeln (Idaho‐Stopp, an
T‐Kreuzungen bei Rot im rechten Arm radfahren dürfen) dem
Radfahrer Vorteile zu verschaffen, die der Kraftfahrer nicht hat.
So soll der Kraftfahrer zum Umsteigen aufs Fahrrad bewegt werden.

Ich glaube nicht, dass das funktioniert. Diese Vorteile des
Radfahrens erregen bei den Autofahrern Neid. Der Neid richtet
sich nicht auf das Fahrradfahren sondern gegen den Radfahrer. Er
bewirkt nicht, dass der Autofahrer sich wünscht, mit dem Rad statt
mit dem Auto zu fahren. Er bewirkt aber, dass der Autofahrer den
Radfahrer hasst. So vergiftet der Neid das Verkehrsklima und
führt dazu, dass der Autofahrer geneigt ist, es dem Radfahrer
heimzuzahlen, indem er ihm gegenüber § 1 der StVO außer Acht
lässt.

Und noch etwas kommt hinzu: Unsere Gesellschaft verlangt von
ihren Mitgliedern stets höchste Leistung. Bei allen Gelegenheiten
wird man mit der Frage konfrontiert: Wieviel leistest du? Eine
dieser Gelegenheiten ist sportliche Betätigung. Man schaue
sich beispielsweise Werbeplakate an: „Wir machen den Weg frei“,
„Ensinger ist Sport“ und viele andere.

Jeder Radfahrer, der einem Kraftfahrer im Verkehr begegnet,
erinnert ihn daran, dass er sich im Gegensatz zum Radfahrer
unsportlich verhält. So sieht er sich im Vergleich zum Radfahrer
abgewertet. Auch dieses negative Gefühl wird ihn nicht
motivieren, mit dem Rad zu fahren, sondern nur bewirken, dass er
den Radfahrer als mahnenden Zeigefinger wahrnimmt und deshalb
ablehnt.

Selbst erlebt: Nachdem ich mich als Radfahrer zum Linksabbiegen
eingeordnet habe, wird mir von einem rechts vorbeifahrenden
übergewichtigen Autofahrer zugerufen: „Radfahren macht impotent“.

Zum Umsteigen aufs Fahrrad wird das alles niemanden bewegen. Das
Umsteigen wird bereits dadurch verhindert, dass Radfahren im
Vergleich zum Autofahren unbequem ist: Man muss dabei körperliche
Arbeit verrichten und ist Wind und Wetter ausgesetzt.
Martin Gerdes
2018-06-23 18:03:54 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Helmut Waitzmann
In ihrem Blog „Radfahren in Stuttgart“
(<https://dasfahrradblog.blogspot.com/>) kommt Dr. Christine Lehmann
im Artkel
<https://dasfahrradblog.blogspot.com/2018/05/verkehrsregeln-sind-nur-fur-autos.html#main>
zu dem Schluss, dass die StVO Kraftfahrer bevorzugt und
nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer benachteiligt.
Jeder Alltagsradfahrer weiß, daß das tatsächlich der Fall ist.
Post by Helmut Waitzmann
| Ein Halt an einem Stoppschild ist unnötig. Das hat man[30] in
| Idaho bereits erkannt.
Es stellt sich die Frage, ob ein Weiterrollen mit 0,5 km/h mit einem
Kraftfahrzeug an einer Stopstelle stört oder nicht. Bei Licht besehen
stört das nicht, der Form genügt das nicht.

Bei uns gibt es (im Gegensatz zu Trumpistan) sehr wenige Stopstellen.
Ich wüßte aus dem Kopf noch nicht einmal, wo hier in der Nähe eins
steht.
Post by Helmut Waitzmann
| Der nächste Schritt ist die Erlaubnis für Radfahrende, [31]eine rote
| Ampel zu behandeln wie ein Stopschild. Das ist beim Rechtsabbiegen
| oder beim Geradausfahren an T-Kreuzungen
Gemeint ist: Ein Radfahrer, der, vom rechten Arm des „T“
kommend, geradeaus in den linken Arm fahren will, soll das auch
tun dürfen, während der Verkehr vom Rumpf des „T“ in den linken
Arm abbiegt.
| kein Problem, weil Radler ja nicht die ganze Breite der Fahrbahn
| einnehmen.
Bzw auf dem Rad-weg! ohnehin nicht auf der "Straße" fahren, mit dem
"Verkehr" auf der "Straße" also nicht interferieren.

Selbstgänger.
Es geht also darum, mithilfe dieser Regeln (Idaho-Stopp, an
T-Kreuzungen bei Rot im rechten Arm radfahren zu dürfen) dem
Radfahrer Vorteile zu verschaffen, die der Kraftfahrer nicht hat.
So soll der Kraftfahrer zum Umsteigen aufs Fahrrad bewegt werden.
Ich glaube das nicht. Generell gilt, daß der Staat nur notwendige
Einschränkungen anordnen darf. Hier ist die getroffene Einschränkung
aber nicht notwendig, also sollte sie aus rechtssystematischen Gründen
weg.

Selbstverständlich will der Staat Radfahrern keine Vorteile zuschanzen.
Wo kämen wir denn da hin, wenn der das wollte. Da kämen am Ende noch die
Outofahrer daher und würden für sich auch Vorteile reklamieren.
Ich glaube nicht, dass das funktioniert.
Ich glaube nicht, daß der Outofahrerstaat Deutschland diese Selbstgänger
demnächst ratifiziert. Sinnvoll wäre es, würde es doch lediglich die
gelebte Praxis widerspiegeln.
Diese Vorteile des Radfahrens erregen bei den Autofahrern Neid.
... was die (kleine) Pädagogenfraktion schäumen ließe.

Die schäumt ohnehin, wenn ich auf dem kläglichen, aber eben ungestauten
Rad-weg! am Stau vorbeifahre. So what?
Und noch etwas kommt hinzu: Unsere Gesellschaft verlangt von
ihren Mitgliedern stets höchste Leistung.
Jeder Radfahrer, der einem Kraftfahrer im Verkehr begegnet,
erinnert ihn daran, dass er sich im Gegensatz zum Radfahrer
unsportlich verhält.
Hast Du gestern abend etwas Ungutes genommen?
Hoffentlich geht es Dir bald wieder gut.
Udo Steinbach
2018-06-24 09:43:00 UTC
Permalink
Raw Message
Es geht also darum, dem Radfahrer Vorteile zu verschaffen, die der
Kraftfahrer nicht hat.
und Martins "Selbstverständlich will der Staat Radfahrern keine Vorteile
zuschanzen."

Das ist Gendersprech der Gleichmacherei durch Verdrehung der Tatsachen.
Auch wer nicht Homer Simpson nachmacht und sich so fettfrißt, das er das
zulässige Gewicht des Fahrstuhls überschreitet, soll ebenso wie der Dicke
die Treppe benutzen müssen. Dabei kann auch der "Kraftfahrer" diese
Vorteile in Anspruch nehmen, indem er einfach auf die Nachteile seines
Autos verzichtet und ein Rad benutzt. Genau den beschriebenen Neid wissen
die Genderisten und Feministen mit enormen Erfolg durch Verdrehung der
Sprache anzuheizen und so dafür zu sorgen, das Titten zunehmend wichtiger
werden als Können und Leistung.
Auch Radfahrer sollten auf ihre Sprache achten, denn Titten werden ihnen
nicht wachsen.

Ich vermute aber, Autofahrer werden wie bisher aus anderen Gründen nicht
aufs Rad umsteigen, denn der vom Staate dem Auto eingeräumte Rang in der
Hirachie der Verkehrsteilnehmer ist nicht durch Kleinigkeiten wie
jederzeitiges Rechtsabbiegen wettzumachen.
--
Fahrradverkehr in Deutschland: http://radwege.udoline.de/
GPG: A245 F153 0636 6E34 E2F3 E1EB 817A B14D 3E7E 482E
Martin Gerdes
2018-06-24 12:47:22 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Udo Steinbach
Es geht also darum, dem Radfahrer Vorteile zu verschaffen, die der
Kraftfahrer nicht hat.
und Martins "Selbstverständlich will der Staat Radfahrern keine Vorteile
zuschanzen."
Das ist Gendersprech der Gleichmacherei durch Verdrehung der Tatsachen.
Auch wer nicht Homer Simpson nachmacht und sich so fettfrißt, das er das
zulässige Gewicht des Fahrstuhls überschreitet, soll ebenso wie der Dicke
die Treppe benutzen müssen. Dabei kann auch der "Kraftfahrer" diese
Vorteile in Anspruch nehmen, indem er einfach auf die Nachteile seines
Autos verzichtet und ein Rad benutzt. Genau den beschriebenen Neid wissen
die Genderisten und Feministen mit enormen Erfolg durch Verdrehung der
Sprache anzuheizen und so dafür zu sorgen, das Titten zunehmend wichtiger
werden als Können und Leistung.
Auch Radfahrer sollten auf ihre Sprache achten, denn Titten werden ihnen
nicht wachsen.
Hast Du heute zufällig irgendetwas Ungutes genommen -- oder was soll
diese Suada?
Post by Udo Steinbach
Ich vermute aber, Autofahrer werden wie bisher aus anderen Gründen nicht
aufs Rad umsteigen, denn der vom Staate dem Auto eingeräumte Rang in der
Hierachie der Verkehrsteilnehmer ist nicht durch Kleinigkeiten wie
jederzeitiges Rechtsabbiegen wettzumachen.
Schaumermal.

Ich sehe das freie Rechtsabbiegen sinngemäß so wie die Öffnung der
Einbahnstraßen in der Gegenrichtung. Mag sein, daß man nicht zählen
kann, ob und wieviele Autofahrer deswegen aufs Rad umgestiegen sind, das
Radfahrklima verbessert hat diese Maßnahme aber dohc.

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