Discussion:
Radzeit 2/2004 (ADFC Berlin)
(zu alt für eine Antwort)
Christoph Maercker
2004-08-13 07:22:54 UTC
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Raw Message
http://www.radzeit.de/

geht anscheinend nicht mehr, aber ich hoffe das ändert sich bald,
nachdem ich dem Webmaster eine Mail geschickt habe.
In der (noch aktuellen) Ausgabe der "RadZeit" stehen neben einigen
bemerkenswerten Leserzuschriften ein Artikel zum Reizthema Nr.1 (Seite
10, "Kohl-Stiftung: Das Geschäft mit der Angst") und auf Seite 12 ein
Kommentar vom Chefredakteur, Benno Koch, zu einem Unfall in Templin, bei
dem ein Radfahrer auf der Fahrbahn von einem LKW beim Überholen an die
Wand gequetscht wurde. Der LKW-Fahrer hat recht bekomen, weil der
Radfahrer den (offenbar nicht straßenbegleitenden, aber beschilderten)
Radweg nicht benutzt hat.
Falls die Online-Ausgabe nicht mehr verfügbar ist, würde ich ein paar
Abschnitte aus den genannten Artikeln abtippen.
--
CU Christoph Maercker.

Radfahren: Erneuerbare Energien statt Krieg um Öl.
Klaus Woerle
2004-08-13 11:06:12 UTC
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http://www.radzeit.de/ geht anscheinend nicht mehr
Ja, leider - das war immer eine aufschlussreiche Quelle, gerade im Hinblick
auf andere eher unkritische ADFC-Publikationen.

Klaus
Armin Mann
2004-08-17 07:27:58 UTC
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Raw Message
Post by Christoph Maercker
http://www.radzeit.de/
geht anscheinend nicht mehr, aber ich hoffe das ändert sich bald,
nachdem ich dem Webmaster eine Mail geschickt habe.
Soll bald wieder gehn (Admin ist im Urlaub).
Post by Christoph Maercker
Kommentar vom Chefredakteur, Benno Koch, zu einem Unfall in Templin, bei
dem ein Radfahrer auf der Fahrbahn von einem LKW beim Überholen an die
Wand gequetscht wurde. Der LKW-Fahrer hat recht bekomen, weil der
Radfahrer den (offenbar nicht straßenbegleitenden, aber beschilderten)
Radweg nicht benutzt hat.
Kennt jemand dieses Urteil? Welcher Rechtswidrigkeitenzusammenhang
bezueglich dem Verstoss "Radwegmissachtung" und den Folgen wurde hier
vom Richter konstruiert? Oder waren es auch/eher andere Zusammenhänge,
die der Radfahrer zu verantworten hatte? Hatte der Anwalt des Radfahrers
gepennt? Wurde Revision eingelegt?...

Armin
--
"Das Verwarnungsgeld für die üblichen Verkehrsverstöße der Radfahrer
soll ... aus Verkehrssicherheitssicht besonders schwerwiegenden
Verstößen, wie Missachtung der Radwegebenutzungspflicht, ... 30 DM
(bisher 10 DM) betragen." - Maßnahmen der Bundesregierung zur Förderung
des Radverkehrs im Mai 2000
Christoph Maercker
2004-08-18 11:20:06 UTC
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Raw Message
Post by Armin Mann
Kennt jemand dieses Urteil? Welcher Rechtswidrigkeitenzusammenhang
bezueglich dem Verstoss "Radwegmissachtung" und den Folgen
...
Im Heft stand nur der Bericht/Kommentar von B. Koch. So weit ich mich
erinnere, kein Aktenzeichen und sehr wenig zum weiteren Prozessverlauf.
Aus dem Urteil wurde IHMO auch kaum bzw. gar nichts zitiert.

Leider fehlte eine Skizze, auf dem Foto war die entscheidende Stelle
nicht erkennbar. Der Beschreibung nach muss es sich um eine Straße in
Templin handeln, deren Fahrbahn an der Unfallstelle unmittelbar an eine
Mauer grenzt. Anders wäre so ein Unfall doch gar nicht möglich, oder?
Parallel zu dieser Straße scheint es einen beschilderten Radweg zu
geben, der zwangsläufig jenseits der Mauer/Gebäude entlangführen muss.
Folglich ist er eindeutig nicht straßenbegleitend, ortsfremde Radfahrer
können nicht erkennen, ob Radweg und Straße in die gleiche Richtung
führen, wenn zwischen ihnen Mauern bzw. Gebäude stehen. Die
Begründung, der Radfahrer hätte den Radweg benutzen müssen, dürfte also
allein schon deswegen einer Revision nur bei böswilligen Richtern
standhalten.
--
CU Christoph Maercker.

Radfahren: Erneuerbare Energien statt Krieg um Öl.
Christian Marten
2004-08-18 20:01:57 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Christoph Maercker
Post by Armin Mann
Kennt jemand dieses Urteil? Welcher Rechtswidrigkeitenzusammenhang
bezueglich dem Verstoss "Radwegmissachtung" und den Folgen
...
Im Heft stand nur der Bericht/Kommentar von B. Koch. So weit ich mich
erinnere, kein Aktenzeichen und sehr wenig zum weiteren Prozessverlauf.
Aus dem Urteil wurde IHMO auch kaum bzw. gar nichts zitiert.
Nur AFAIK ist das Urteil auch noch nicht rechts kräftig, da
in Revision gegangen wird/wurde. Nicht aus dem Nähkästchen
zu plaudern ist also wohl angebracht.





nb: www.radzeit.de läuft wieder.
nb2: ich habe mit dem webgui _nichts_ zu tun.
--
Christian Marten

Feste Mailadresse: GnuPG/PGP ID 22A12C07
Christoph Maercker
2004-08-27 17:11:12 UTC
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http://www.radzeit.de/

ist wieder "on the air", die aktuelle Ausgabe ist im PDF-Format abgreifbar:

http://www.radzeit.de/uploads/12/67/RadZeit2004_2.pdf

RADZEIT 2/2004, Seite 12:

"Fehlurteil in Prenzlau
Tödliche Fahrradunfälle werden nicht nur in Brandenburg selten
verhandelt. Auch im vorliegenden Fall hatte der Staatsanwalt das
Verfahren bereits eingestellt. Dabei zeigt der Unfallhergang
ein typisches Fehlverhalten von Autofahrern gegenüber Radfahrern: Am 30.
Oktober 2002 gegen 7.00 Uhr befuhr Rüdiger J. (45) mit seinem Fahrrad
die Friedrich-Engels-Straße in Templin. Hinter einer Kreuzung überholte
ihn der Lkw-Fahrer Karl-Heinz W. (50) auf der nur 2,80 Meter breiten
Fahrbahn, drückte ihn gegen eine Mauer und verletzte ihn im „toten
Winkel“ tödlich. In der Verhandlung beteuerte der Anklagte, den
Radfahrer nicht gesehen zu haben, obwohl er ihn zuvor überholt hatte.
Der Richter wird ihm glauben und dem Getöteten grobe Fahrlässigkeit
vorwerfen – ein Fehlurteil.

Eigentlich müssten in Prenzlau wohl drei Angeklagte auf ihr Urteil
warten: Neben dem angeklagten Lkw-Fahrer auch das Straßenbauamt
Templin sowie das Bundesverkehrsministerium. Letzteres hat die technisch
mögliche Beseitigung des „toten Winkels“ an Lkw jahrzehntelang
hinausgeschoben und damit tausende Verkehrsunfälle wie den jetzt
verhandelten stillschweigend geduldet. Auch das Straßenbauamt Templin
lässt im Anschluss an einen zunächst gut einsehbaren Radstreifen
auf der Fahrbahn der Friedrich-Engels-Straße einen Radweg bauen, der
nicht der StVO entspricht.Hinter der Kreuzung Robert-Koch-
Straße geht es für Radfahrer mit einer scharfen Rechtskurve über einen
drei Zentimeter hohen Bordstein, zwischen zwei Bäumen und durch eine
Fußgängeraufstellfläche auf den Bürgersteig. Der Radweg ist 15 Meter
kurz und benutzungspflichtig, um gleich anschließend wieder auf die
Fahrbahn zu führen. Da die Radfahrerfurt über die Kreuzung zunächst
direkt auf die Fahrbahn zeigt und das Radwegschild hinter einem Baum
verschwindet, ist der Radweg nicht sofort erkennbar. Ein Zeuge des
Unfalls wird später im Prozess aussagen, dass die Mehrzahl der Radfahrer
hier auf der Fahrbahn fährt und die Templiner dies wissen. Nur ältere
Radfahrer fahren auf dem Bürgersteig-Radweg. Der Angeklagte und das
Opfer stammen beide aus Templin.
Die einzige direkte Zeugin des Unfallhergangs saß auf dem Beifahrersitz
eines nachfolgenden Pkw. Auf zweimalige Nachfrage des Richters sagt sie
im Prozess, der Lkw-Fahrer sei mit seinem Fahrzeug am Ende der Mauer
nach rechts gezogen, wie nach einem Überholvorgang. Dafür spricht, dass
die Fahrbahn lediglich 2,80 Meter und der Lkw 2,50 Meter breit ist. Das
Fahrrad ist ein sportliches Mountainbike und benötigt allein durch die
Lenkerbreite und eine dicht an der Straße stehende Mauer mindestens
einen Meter Spurbreite. Der Lkw hat sich demnach mehr als einen Meter
auf der gegenüberliegenden Linksabbiegerspur befunden. Da beide zuvor
an der Kreuzung bei Rot hielten und der Lkw-Fahrer angibt, den Radfahrer
dort gesehen zu haben, spricht alles für einen bewussten und
riskanten Überholvorgang durch den Lkw.
Der beauftragte Sachverständige der DEKRA Neubrandenburg hat auch diese
Möglichkeit im Angebot. Seine Arbeit begann jedoch erst sechs Tage nach
dem tödlichen Unfall. Niemand hat zuvor den Unfallort ausreichend
begutachtet. Der der Stadt Templin gehörende Lkw wird erst später auf
einem Wirtschaftshof sichergestellt. Der alte Lkw L60 ist ein
DDR-Produkt, ohne Unterfahrschutz und mit nur einem rechten
Außenspiegel. Im Gegensatz zum vollständig verkehrssicheren Fahrrad des
Opfers zeigt der Lkw auf einem Versuchsstand keine Bremswirkung der
Hinterachse, was einem Bremskraftverlust von etwa einem Drittel
entspricht.
Für einen Prozess ungewöhnlich, darf der Sachverständige eine
Computer-Simulation des möglichen Unfallherganges im Gericht vorführen.
Anhand der Daten des Lkw-Fahrtenschreibers und der Fahrbahnabmessungen
werden drei verschiedene Simulationen vorgeführt. Unbekannt ist einzig
die Geschwindigkeit des Radfahrers. In zwei Fällen ist der Radfahrer am
Beginn der Mauer noch sichtbar, im dritten nicht. Man diskutiert
anschließend anhand der letzten Möglichkeit – die einen Freispruch für
den Lkw-Fahrer bedeuten würde. Wenn die Schuld des Angeklagten nicht
zweifelsfrei zu beweisen ist, ist dieser freizusprechen. Der Eindruck
beim Staatsanwalt und beim Richter sitzt tief. Doch der Sachverständige
hat in seiner Annahme drei Fehler gemacht: Eine damals noch vorhandene
vorgezogene Haltelinie für Radfahrer fehlte in der Berechnung, welche
diesem neben einem „Vorausgrün“ weitere Zeit und Sichtbarkeit gebracht
haben dürfte. Ebenfalls vergessen wurde, dass Lkw und Radfahrer
unmöglich etwa 15 Meter nebeneinander auf einer nur 2,80 Meter breiten
Spur gefahren sein können. Und eine letzte falsche Annahme bezog sich
auf die freie Sicht aus dem Seitenfenster, wonach sich der 1,83 Meter
große Fahrradfahrer kleiner als 1,25 Meter gemacht haben müsste.
Ein Ortstermin wird nicht für notwendig gehalten und für den Amtsrichter
ist der Fall klar: Freispruch für den Angeklagten! Der Radfahrer habe
grob fahrlässig gehandelt; auf dem Radweg wäre der Unfall sicherlich
nicht passiert. Völlig anders sieht dies ADFC-Rechtsanwalt Martin
Karnetzki und hat Berufung eingelegt. Im Prozess vertrat er die
Nebenklage der Witwe und ist sich sicher, dass sich der 45-jährige
Familienvater weder lebensmüde noch leichtsinnig verhalten hat.
BENNO KOCH"
--
CU Christoph Maercker.

Radfahren: Erneuerbare Energien statt Krieg um Öl.
Eric Wick
2004-08-28 08:17:42 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Christoph Maercker
im Prozess, der Lkw-Fahrer sei mit seinem Fahrzeug am Ende der Mauer
nach rechts gezogen, wie nach einem Überholvorgang. Dafür spricht,
Anmerkung: KFZ Führer gehen in allgemeinen heute bei Fahrrädern von
Geschwindigkeiten von maximal 5km/h aus. Derartige Unfälle sind unter
diesem Blickwinkel überhaupt nicht möglich weil durch das überholen und
vorbeiziehen der PKW / LKW immer längst weg ist bevor der Radler
angekrochen kommt.

Alles was ich so an Notbremsungen und kritischen Überholvorgängen
erlebte, basiert auf der Fehleinschätzung das ein Fahrrad sich nicht
oder nur marginal bewegt. Seien das Überholvorgänge in 30er und
Spielstrassen, oder überholen und dann rechts abbiegen um den Radler
unter den Reifen zermanschen zu lassen:(

Wer bringt der KFZ Lobby bei das auch banale Radler heute durchaus mit
20 bis 40km/h fahren?

Bye Eric
--
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Gerald Eischer
2004-08-28 11:47:09 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Eric Wick
Wer bringt der KFZ Lobby bei das auch banale Radler heute durchaus mit
20 bis 40km/h fahren?
Wer bringt es Verkehrspolitikern und -planern bei?
--
Gerald

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